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Frauen in der Öffentlichkeit

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20.12.2025

In der legendären Sonntagsvormittagsradiosendung auf Ö3 sprach Verena Altenberger über MeToo, über die Krebserkrankung und den Tod ihrer Mutter, über die Beziehung zu ihrer Schwester, (die auch Schauspielerin ist), über den Schönheitsdruck, mit dem Frauen im Filmbusiness konfrontiert sind, über ihr humanitäres Engagement, über beruflichen Erfolg und was er bedeutet. Darüber, dass sie heuer gleich sieben Filmpremieren hatte, über Frauensolidarität, darüber, sich als Frau einen Platz zu erkämpfen, an einem Tisch, der immer schon für andere gebaut wurde.

Und darüber, dass sie nicht öffentlich über ihr Liebesleben sprechen möchte.

Die österreichischen Medien wollten aber ziemlich genau darüber sprechen. Und über nichts anderes. Niemanden interessiert es, was eine Frau denkt, was sie fühlt, was sie zu sagen hat, was sie leistet oder was ihr wichtig ist. Oder was sie nicht sagen möchte, weil es niemanden etwas angeht. Einzig interessant ist, ob sie einen Mann hat, und wenn ja, welchen.

Selbst die sogenannte „Qualitätspresse“ ereiferte sich augenscheinlich, die Boulevardmedien in Sachen Sexismus noch zu übertreffen. Zeitungstitel lauteten nach dem Gespräch etwa:

„Beziehung mit Christian Kern? Verena Altenberger lässt alles offen“ (Die Presse) oder „Verena Altenberger über angebliche Beziehung mit Christian Kern“ (Kurier) oder „‚Bin sehr glücklich‘ – Mit Christian Kern zusammen? Klartext von Altenberger“ (Heute) oder „Frühstück bei mir – Altenberger im Ö3: ‚Ich bin nicht sexsüchtig, aber…‘“ (ebenfalls Heute). Der ORF selbst hielt........

© Wiener Zeitung