Plädoyer für ein Kerneuropa
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Plädoyer für ein Kerneuropa
17. Februar 2026 | Gerhard Hücker
Die Debatte wird seit über 30 Jahren geführt. Aber nie waren die Notwendigkeit so groß und die Rahmenbedingungen so günstig
Die Diskussion „Kerneuropa“ (oft auch Europa der zwei Geschwindigkeiten genannt) versus „Großeuropa“(die Idee einer möglichst umfassenden Erweiterung) ist gegenwärtig einer der fundamentalen Konflikte der Europapolitik. Die EU ist in ihrer jetzigen Konstruktion nicht in der Lage, auf die äußeren Bedrohungen und ihre inneren Unzulänglichkeiten angemessen zu reagieren. Deswegen halte ich es für eine Überlebensfrage, einen „Kern“ Europas mit neuen Integrationsschritten zu schaffen. Der Kern muss offen sein für alle europäischen Staaten, die sich zu einem späteren Zeitpunkt für die Werte dieses Kernstaates entscheiden. Ein Kerneuropa darf nicht ausgrenzen, sondern sollte Vorbild sein.
Die Debatte um ein Kerneuropa ist nicht neu. Schon im September 1994 veröffentlichte der damalige deutsche Bundesminister Wolfgang Schäuble zusammen mit Karl Lamers, dem ehemaligen außenpolitischen Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, das berühmte Positionspapier „Überlegungen zur europäischen Politik“, das sehr kontrovers diskutiert wurde. Insofern sind alle Argumente für und gegen ein Kerneuropa seit vielen Jahren bekannt. Eine Grundsatzentscheidung ist also argumentativ vorbereitet und sollte schnell realisiert werden können.
Europa als Wertegemeinschaft
Für mich ist Europa kein Staat und keine bloße Zweckgemeinschaft. Es ist ein historisch gewachsener politischer Raum, dessen Zusammenhalt nicht aus seiner Einheitlichkeit entsteht, sondern aus der Fähigkeit, Unterschiedlichkeit unter gemeinsamen normativen Voraussetzungen auszuhalten.
Wer über die Zukunft Europas spricht, muss zwei Fragen zugleich beantworten: Was verbindet die europäischen Nationen? Und in welcher politischen Ordnung kann aus dieser Verbindung gemeinsame Handlungsfähigkeit entstehen, ohne die demokratische Selbstbestimmung zu verlieren?
Die europäischen Nationen unterscheiden sich in Sprache, Geschichte, politischer Kultur und gesellschaftlichen Prioritäten. Was sie verbindet, ist nicht Homogenität, sondern ein gemeinsamer normativer Kern. Dazu gehören vor allem:
die Bindung staatlicher Macht an das Recht,
die Bindung staatlicher Macht an das Recht,
die Idee der Volkssouveränität und demokratischen Verantwortlichkeit,
die Idee der Volkssouveränität und demokratischen Verantwortlichkeit,
die Gewaltenteilung als Schutz vor Machtkonzentration,
die Gewaltenteilung als Schutz vor Machtkonzentration,
und der Vorrang individueller Freiheitsrechte vor staatlichen Zwecksetzungen.
und der Vorrang individueller Freiheitsrechte vor staatlichen Zwecksetzungen.
Diese Werte sind nicht abstrakt. Sie sind in nationalen Verfassungen, Institutionen und politischen Traditionen verankert. Gerade deshalb können sie nicht beliebig zentralisiert werden. Demokratie lebt von Nähe, historischer Erfahrung und kultureller Einbettung. Ein Europa, das diese Trägerstrukturen schwächt, riskiert seine eigene Legitimität. Europa ist als Wertegemeinschaft legitim – nicht als Vereinheitlichungsprojekt.
Die politische Konsequenz
Aus dieser normativen Grundlage folgt keine automatische Ausweitung europäischer Zuständigkeiten. Im Gegenteil: Wer Demokratie, Rechtsstaat und Freiheit ernst nimmt, muss akzeptieren, dass ihre konkrete Ausgestaltung national........
