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Internet Archive vs. Buchverlage: summarisches Urteil angestrebt

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16.07.2022

Verleger verklagen Internet Archive wegen dem kostenlosen Zurverfügungstellen von E-Books. Damit würden sie gegen das Urheberrecht verstoßen.

In einer neuen Wende bezüglich der Klage einer Gruppe großer Buchverlage gegen Internet Archive, haben Anfang Juli Mitgliedsunternehmen der Association of American Publishers (AAP) an ein Bundesgericht in Manhattan einen Antrag auf ein summarisches Urteil in der Urheberrechtsverletzungsklage gegen Internet Archive gestellt. Ebenso Anfang Juli reichte die Electronic Frontier Foundation (EFF) einen 45-seitigen Schriftsatz zur Unterstützung ihres Antrags auf ein summarisches Urteil im Namen von Internet Archive (IA) ein. Darin fordern sie das Bundesgericht in New York City auf, die Klage der Verlage abzuweisen. Sie führten das Argument an, es handele sich um einen Versuch, die Bibliotheksausleihe zu kriminalisieren. Ein summarisches Urteil ist eine Möglichkeit für eine Partei, einen Fall ohne Gerichtsverfahren zu gewinnen.

In ihrer Klage haben die Publisher 127 Titel identifiziert, von denen sie behaupten, dass sie unter Verstoß gegen Urheberrechtsgesetze digital von Internet Archive geteilt wurden. Ferner behaupten sie, dass das Internetarchiv insgesamt mehr als 33.000 ihrer Werke zum kostenlosen Download anbietet. Damit würde die Bibliothek auf unfaire Weise mit ihren autorisierten E-Book-Ausgaben konkurrieren. Zusätzlich zur Zerstörung der Bücher fordern die Verlage 19 Millionen Dollar Schadenersatz. Das Jahresbudget des Archivs beträgt 20 Millionen Dollar. Die EFF arbeitet mit der Anwaltskanzlei Durie Tangri zusammen, um das Internet Archive gegen die Verlagsklage zu verteidigen.

Historie von Internet Archive

Das Internet Archive hat Brewster Kahle im Jahre 1996 gegründet. Als gemeinnütziges Projekt hat es seit 2007 den offiziellen Status einer Bibliothek. Zu Beginn war es noch ein reines Webarchiv, bei dem man mit der sogenannten Wayback Machine archivierte Websites anschauen konnte. Bereits 1999 hat man es um zahlreiche Archive erweitert. Die aktuelle digitale Bibliothek umfasst große Sammlungen von Texten, Büchern, darunter Lehrbücher, Romane, Sachbücher und mehr sowie Audiodateien, Videos, Bilder und Software.

Bis Mai 2022 hatte das Internetarchiv über 35 Millionen Bücher und Texte, 7,9 Millionen Filme, Videos und Fernsehsendungen, 842.000 Softwareprogramme, 14 Millionen Audiodateien, 4 Millionen Bilder, 2,4 Millionen Fernsehclips und 237.000 Konzerte angesammelt. Das Internet Archive kauft E-Books nicht direkt ein, sondern digitalisiert die Versionen der physischen Bücher, die es besitzt, und schafft so eine Ressource für normale Leser und Akademiker sowie für sehbehinderte und legasthene Leser. Das Archiv nutzt bezüglich des Verleihs die Praxis des Controlled Digital Lending (CDL).

CDL ermöglicht es Bibliotheken, eine digitale Kopie einer physischen Ressource gleichzusetzen. Das heißt konkret, digitale Kopien können auf die gleiche Weise verliehen werden, wie die physische Ressource. Hierbei muss die Bibliothek ein gleiches Verhältnis von „Besitz zu Ausleihe“ aufrechterhalten. Folglich kann sie somit nicht mehr Exemplare ausleihen, als sie rechtmäßig besitzt. Dementsprechend ist die Verbreitungsmethode des Internet Archive die kontrollierte digitale Ausleihe, bei der jeweils nur ein Exemplar eines E-Books für eine bestimmte Frist ausgeliehen wird. Jedes über CDL verliehene Buch wurde dabei gekauft und bezahlt. Autoren und Verleger erhielten somit schon die volle Entschädigung für diese Bücher. Nutzer können auf die E-Books über einen Account bei Internet Archives zugreifen.

Ein besonderes Anliegen von Internet Archive ist die Langzeitarchivierung digitaler Daten in frei zugänglicher Form. Es versteht sich als Aktivist für ein offenes und freies Internet. Zudem geht es darum, gemeinfreie Werke dauerhaft zu erhalten und zu verbreiten. Gründer des Internet Archive, Brewster Kahle, verdeutlicht:

“Das entspricht der grundlegenden Praxis von Bibliotheken. Wir kaufen Bücher, wir bewahren Bücher auf und wir leihen Bücher aus. Und wir unterstützen die Verlagsbranche und die Autoren durch diesen Prozess”.

Internet Archive: der Ideengeber für die National Emergency Library

Am 24. März 2020 richtete das Internet Archive eine Nationale Notfallbibliothek ein. Mit der National Emergency Library........

© Tarnkappe


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