Warum die Schauspielerin Regula Grauwiller auch Trauerrednerin und Sterbebegleiterin ist
Frau Grauwiller, einer Ihrer aktuellen Beiträge auf Instagram ist ein „Hörzu“-Cover mit Ihrem Bild von 1998. Wo haben Sie das denn gefunden?
REGULA GRAUWILLER: (lacht) Ich habe im Keller eine alte Kiste durchgeguckt, weil ich etwas gesucht habe, und da fiel mir die Zeitschrift in die Hände. Ich habe laut gelacht und sie meinem Mann gezeigt, der meinte: „Das musst du posten!“
Schwelgen Sie gern in Erinnerungen?
GRAUWILLER: Erinnerungen können etwas Schönes sein. 1997 habe ich mit Fatih Akin „Kurz und schmerzlos“ gedreht, einer meiner wichtigsten Filme. Mehr als 20 Jahre später kam er beim Filmfest Hamburg in einer restaurierten Fassung wieder ins Kino. Ich war eingeladen und habe meine Familie mitgebracht, meine Töchter konnten mich auf der Leinwand fast in dem Alter sehen, in dem sie heute sind. Das war wirklich schön, aber eigentlich lebe ich sehr im Hier und Jetzt.
GRAUWILLER: Als Schauspielerin muss ich im Moment sein – und auch wenn ich mein zweites Standbein ausübe und als Trauerrednerin arbeite, bin ich im Moment. Wenn ich Trauernde treffe, wenn ich eine Rede halte, bin ich ganz da und denke nicht darüber nach, was ich noch einkaufen muss.
Und trotzdem heben Sie Dinge wie die „Hörzu“ von 1998 auf … Was noch?
GRAUWILLER: Ich habe eine Kiste mit Interviews, die ich aufbewahrt habe, wobei meine Mutter sicher mehr gesammelt hat als ich. (lacht) Und natürlich für jedes Kind eine Kiste mit Zeichnungen aus dem Kindergarten – was man halt so aufhebt …
Ist es wichtig für Menschen, sich zu erinnern?
GRAUWILLER: Ich glaube, dass das sogar sehr wichtig ist. Wir Menschen brauchen das, auch in der Trauerbewältigung. Erinnerungen können Trost spenden. Wenn jemand die Diagnose Frühdemenz bekommt und alle Erinnerungen vergisst, so wie in der Serie „Das Vergessen – Spurlos im Moor“, ist das einfach schrecklich.
Haben Sie im Allgemeinen Erfahrung mit der Alzheimer-Krankheit?
GRAUWILLER: Ja. In meiner Familie gab es Fälle. Und als Sterbebegleiterin habe ich mal eine Dame getroffen, die die Diagnose Alzheimer bekommen hatte und die mit Exit gegangen ist, weil sie das Voranschreiten der Krankheit bei ihrem Bruder und ihrem Vater erlebt hatte und das ihren Kindern nicht antun wollte. Das war eine ganz schwierige Entscheidung, weil sie sie in einem Moment treffen musste, in dem sie noch voll da war, weil man mit Exit nur gehen........
