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Die Lebensversicherung

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29.06.2022

Hätte Wladimir Putin nicht seinen mörderischen Angriffskrieg gegen die Ukraine vom Zaun gebrochen, der Nato-Gipfel von Madrid wäre womöglich ein Treffen alter Freunde geworden, die aus Gewohnheit festhalten an ihrer Verbindung, aber sich ein bisschen verloren haben. Die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs beispiellose Attacke des russischen Präsidenten auf die Friedensordnung in Europa hat der schon gelegentlich für "hirntot" erklärten westlichen Verteidigungsallianz ihren Daseinszweck auf eine Art und Weise in Erinnerung gerufen, die sich in Europa und gerade in Deutschland viele nicht mehr vorstellen konnten oder wollten - trotz der Annexion der Krim 2014.

Zum großen Glück der Verbündeten hat die Ukraine die russische Invasion mit Tapferkeit und unter hohen Opfern aufgehalten. Sie verschafft dem Bündnis damit Zeit, sich einzustellen auf die neue Realität, in der Putin Grenzen wieder mit Gewalt verschieben will und ganze Städte in Trümmer schießen lässt. Daraus erwächst die Verpflichtung, Kiew zu unterstützen, auch und gerade mit Waffen. Und die Notwendigkeit, die Nato neu auszurichten. Vor zehn Jahren war Russland im strategischen Konzept, der grundlegenden Doktrin der Allianz, noch als Partner bezeichnet worden, China fand nicht einmal........

© Süddeutsche Zeitung


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