Viele junge Russen, die nicht für die imperialen Fantasien ihres Präsidenten kämpfen wollten, waren nach Beginn des Ukraine-Krieges umgezogen oder bei Verwandten untergekommen. Der Grund: Sie wollten sichergehen, dass das Einberufungsschreiben der Armee sie nicht erreichen würde. Die Behörden haben ihre Strategie daher geändert und berufen diese Menschen auch per Internet ein. Die Einberufung bedeutet die vom Staat verordnete Pflicht, den Militärdienst anzutreten. In Russland betrifft das immer mehr Menschen, da die von starken Verlusten ausgezehrten Streitkräfte nun auch noch auf 1,32 Millionen Soldaten anwachsen sollen. Der Ukraine fehlen ebenfalls Soldaten, sie will den Kreis der Einberufenen jetzt deutlich erweitern, auch weil viele Kämpfer schon seit Beginn des Kriegs an der Front stehen. In der Bundesrepublik ist die Wehrpflicht und damit die Einberufung der Wehrpflichtigen seit 2011 ausgesetzt. Sollte der Bundestag den Spannungsfall oder gar den Verteidigungsfall erklären, könnte die Wehrpflicht wieder eingeführt werden, einberufen würden zunächst aber wohl die etwa 30 000 Reservisten der Bundeswehr. Zwar besteht die Truppe inzwischen aus Freiwilligen, doch erhalten erfolgreiche Bewerber kurz vor Dienstantritt noch immer einen Einberufungsbescheid, den das Karrierecenter verschickt.

QOSHE - Einberufung - Joachim Käppner
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Einberufung

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20.12.2023

Viele junge Russen, die nicht für die imperialen Fantasien ihres Präsidenten kämpfen wollten, waren nach Beginn des Ukraine-Krieges umgezogen oder bei Verwandten untergekommen. Der Grund: Sie wollten sichergehen, dass das Einberufungsschreiben der Armee sie nicht erreichen würde. Die Behörden haben ihre Strategie daher........

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