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Intervention der USA in Venezuela: Regimewechsel – die uralte Versuchung

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06.01.2026

Nach der Kapitulation geht alles ganz schnell. Die Sieger marschieren in die Hauptstadt ein, die Gegner der unterlegenen Regierung kehren aus dem Exil zurück, die Volksvertretung entmachtet sich unter dem Druck der Ereignisse selbst, das neue System kommt ohne Kontrolle durch das Volk aus, es folgen Schauprozesse und Todesurteile, eine Besatzungstruppe sichert das Ganze ab. Binnen weniger Wochen ist die gesamte politische Verfassung umgekrempelt.

Das ist kein Bericht aus dem 21. Jahrhundert, sondern aus dem Jahr 404 vor Christus. Die Unterlegenen sind die Athener, die Sieger die Spartaner. Fast 30 Jahre lang haben sie um die Vorherrschaft in Griechenland gekämpft, und der Kampf ist stets auch einer um die politische Ordnung gewesen: Athen stand für die Herrschaft des Volkes, die Demokratie (die freilich eine ganz andere, sehr viel wüstere Veranstaltung war als heute), Sparta für die Herrschaft weniger, die Oligarchie. Der sogenannte Peloponnesische Krieg ist eine lange Kette von Putschen und erzwungenen Herrschaftswechseln, am Ende selbst in Athen.

1823 US-Präsident James Monroe formuliert den außenpolitischen Grundsatz, „dass die amerikanischen Kontinente fortan nicht als Ziele künftiger Kolonisierung durch irgendwelche europäischen Mächte gelten sollen“. Die USA würden dies als unfreundlichen Akt werten. Daraus folgte eine lange Reihe von US-Militärinterventionen in Lateinamerika, etwa 1983 in Grenada und 1989 in Panama; das Wort vom „Hinterhof der USA“ geht auf die Monroe-Tradition zurück.

1917 Präsident Woodrow Wilson formuliert als Kriegsziel der USA, „die Welt für die Demokratie sicher zu machen“. Die rapide Demokratisierung des Deutschen Kaiserreichs Ende 1918 geht wesentlich auf amerikanischen Druck zurück.

1940 Präsident Franklin D. Roosevelt nennt die USA „das große Arsenal der Demokratie“. Im Zweiten Weltkrieg sterben mehr als 400.000 US-Amerikaner.

2005 Präsident George W. Bush........

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