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Starkregen im Norden Chiles: Nicht nur eine Umweltkatastrophe, sondern eine soziale Katastrophe

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21.08.2026

Starkregen im Norden Chiles: Nicht nur eine Umweltkatastrophe, sondern eine soziale Katastrophe

Die Folgen des Starkregens im Norden von Chile sind verheerend: Überschwemmungen, Erdrutsche und Evakuierungen im Norden Chiles.

Seit letzter Woche regnet es immer wieder im Norden Chiles, mitten in der Atacama-Wüste. Sie gilt als einer der trockensten Orte der Erde, außerhalb der Pole. Die Niederschläge haben vor allem die Regionen Arica und Parinacota, Tarapacá, Antofagasta und Atacama getroffen.  Die Städte sind von Schluchten und trockenen Flussläufen durchzogen, die sich bei starken Niederschlägen schnell in Wasser- und Schlammströme verwandeln können – so wie es am Dienstag vor allem in der Stadt Tocopilla und im Stadtteil Coloso in Antofagasta geschehen ist. Dutzende Videos kursieren in den sozialen Netzwerken und zeigen, wie der Schlamm durch die Schluchten von Tocopilla fließt und dabei Autos, Hab und Gut und Häuser mit sich reißt und das Leben der Familien gefährdet.

Die Schlammlawinen reißen nicht nur Wasser und Schlamm mit sich, sondern das Leben und den Wohnraum der dort ansässigen Familien. Sie werden damit von einer Umweltkatastrophe zu einer sozialen Katastrophe und machen außerdem eine soziale Ungleichheit sichtbar, die schon lange vor dem ersten Regentropfen entstanden ist:  Besonders betroffen von der Katastrophe sind die Familien, die in marginalisierten Siedlungen am Rande des Bergbaus leben und das obwohl die Region durch den Abbau von Kupfer und Bergbau eine der reichsten Regionen des Landes ist.   

Der Starkregen legt nicht nur die prekäre Infrastruktur offen: Er zeigt auch den fehlenden Zugang zu sicherem und menschenwürdigem Wohnraum

In den Schluchten und Randgebieten im Norden Chiles leben Tausende von Familien in informellen Siedlungen, die Hüttenlagern gleichen, oft in Gebieten, die von Schlammlawinen und Erdrutschen bedroht sind. Laut dem Nationalen Lagerkataster 2024–2025 von TECHO-Chile leben mehr als 15.000 Familien in diesen Siedlungen in der Region Antofagasta.

Die Familien dort sind nicht nur durch den starken Regenfall gefährdet, sondern ihre gesamte prekäre  Lebenssituation ist auch die Folge einer Wohnungskrise, die durch niedrige Löhne, hohe Wohnkosten und einen ungleichen Zugang zu Grund und Boden verursacht wurde. Das Paradoxon zeigt sich besonders deutlich in Antofagasta: Ein großer Teil des regionalen Territoriums gehört laut dem Ministerium für Staatsbesitz dem Staat, während tausende von Familien keinen Zugang zu gesichertem Wohnraum haben und sehr prekär in marginalisierten Siedlungen (Campamentos) leben.   Teile dieses Staatsgebiets stehen außerdem unter der Nutzung oder Verwaltung staatlicher Stellen, wie beispielsweise des Militärs. 

Doch dieser Widerspruch beschränkt sich nicht nur auf diejenigen, die in den Siedlungen leben. Der durch den Bergbau geschaffene Reichtum durchdringt das gesamte Leben in Antofagasta: Er bestimmt den Wohnungsmarkt, die Mietpreise, das Wachstum der Stadt, den Zustand der Infrastruktur. Die Stadt mag in den Statistiken als eine der reichsten des Landes erscheinen, doch für einen großen Teil ihrer Bewohner:innen bedeutet dieser Reichtum kein würdiges Leben. Der Verkauf und die Vermietung von Wohnraum ist ein großes Geschäft, die Menschen müssen horrende Mieten bezahlen und erhalten zumeist nur kleine Einkommen. Viele Familien können es sich deswegen nicht leisten alleine zu wohnen, sondern leben mit anderen Personen zusammen, wenn es selbst dafür nicht reicht,........

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