Warum dieser Manager nervös sein müsste
Liebe Leserinnen und Leser,
auf einer Veranstaltung habe ich Daniel Koch kennengelernt. Der promovierte Chemiker leitet den größten europäischen Standort des US-Chemiekonzerns Lyondell-Basell und hat den Anspruch, dass Kreislaufwirtschaft mehr ist als ein Wort in Sonntagsreden.
Südlich von Köln baut das Unternehmen eine Anlage, die schwer zu recycelnde Mischkunststoffe in Rohstoffe für die Produktion neuer Kunststoffe umwandelt – nachhaltig und kohlenstoffarm.
Zehn Jahre hat Koch geplant. Wer so lange an einem Projekt arbeitet, kennt nicht nur die Zahlen, sondern auch die Zweifel. Koch begann seinen Vortrag mit dem Satz: „Wir sind ein amerikanisches Unternehmen, das in NRW investiert. Wie verrückt hört sich das an?“
In diesem Satz steckt die ganze Gegenwart. Riskante Investitionen gelten heute als Mutprobe. Hohe Lohnkosten, hohe Energiekosten, ein hohes Maß an Regulatorik bremsen schnell jede Euphorie. Hinzu kommt eine Stimmung, die nachhaltigen Projekten nicht immer den Rücken stärkt.
Was Koch verantwortet, ist ein Zukunftsprojekt mit klarer Ansage: Es muss sich rechnen. Die Anlage kann 50.000 Tonnen im Jahr verarbeiten. Damit sie ausgelastet ist, braucht sie genügend Abnehmer. Für wertvolle Produkte, die ihren Preis kosten werden. Ob es gelingt? Unsicher.
Koch hätte allen Grund, nervös zu sein. Doch an diesem Abend wirkte er wie einer, der die Zukunft schon vor sich sieht: Er sprach von einem Konsens in Deutschland, dass es gute Sammel- und Sortiersysteme brauche. Und davon, dass er stolz und zuversichtlich sei.
Will Deutschland den wirtschaftlichen Aufschwung schaffen, braucht es mehr solcher Zuversichtsgeschichten. Und Menschen wie Daniel Koch, die Risiken nicht vermeiden, sondern tragen – und wissen, dass Erfolg manchmal erst kommt, wenn man lange genug geblieben ist.
1. Die © Handelsblatt
