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Beim Thema Holocaust klingen Linke jetzt wie Rechte

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11.06.2021
Der postkoloniale Historiker A. Dirk Moses will Schluss machen mit dem vermeintlichen „Katechismus der Deutschen“, der besagt, der Holocaust sei einzigartig. Dabei bedient er sich rechter Verschwörungsideologien und relativiert den Nationalsozialismus.

Es ist eine Unsitte unseres ungläubigen Zeitalters, abweichende Meinungen als Religion abzutun. Als würde sich damit die Diskussion erübrigen. Besonders Konservative glauben, die Bewegung zum Schutz des Klimas intellektuell mit dem Hinweis erledigt zu haben, es handele sich eigentlich um eine Religion.

Eine weitere Unsitte unserer postnationalen Zeit besteht in der pejorativen Verwendung des Adjektivs „deutsch“. Auch hier sind es paradoxerweise besonders Konservative, die etwa Hassfiguren wie den „Gutmenschen“ gern noch als „deutsch“ zusätzlich abwerten.

Nun hat der postkoloniale Historiker A. Dirk Moses eine Polemik veröffentlicht, in der er beide Unsitten vereint. Den Stand der internationalen historischen Forschung, dass nämlich der Holocaust in der langen Geschichte der Genozide aus einer Reihe von Gründen einzigartig sei, bezeichnet er als „Katechismus der Deutschen“. Was in seinen Augen offensichtlich schon ausreicht, dieses Forschungsergebnis zu delegitimieren. Denn in seinem langen Aufsatz in der Zeitschrift „Geschichte der Gegenwart“ macht sich Moses kaum Mühe, die Einzigartigkeit des Holocausts inhaltlich zu widerlegen.

Ändern sich mit dem Land auch die historischen Tatsachen?

Das würde auch seinem theoretischen Ansatz widersprechen. Denn im Zentrum postkolonialen Denkens steht die von Michel Foucault entwickelte Theorie, der zufolge es keine Tatsachen gebe, nur Diskurse. Aufgabe der Philosophie, Literaturtheorie und Geschichtsschreibung sei es, die Funktion der Diskurse für die Erhaltung von Machtstrukturen zu entlarven und dadurch zu dekonstruieren. Da dieser radikale Relativismus eigentlich jeden Text in Zweifel zieht, nehmen Leute wie Moses, die sich als Akademiker und Aktivisten verstehen, ihre eigenen Produkte davon aus, da sie ja dem Fortschritt dienen. Sie fragen also nicht, ob etwas wahr sei oder........

© Die Welt


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