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Warum nicht den autofreien Sonntag wiederbeleben?

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25.07.2019

Diese Kolumne, Achtung bitte, enthält einen genialen Gedanken. Das sage ich ganz uneitel, denn die auslösende Anregung stammt nicht von mir. Aber manchmal braucht es eben nur ein einziges Wort, einen kurzen Einfall, und es wirkt wie eine blitzartige Erleuchtung.

Kürzlich auf der Geburtstagsparty eines Freundes kam das Gespräch auf die tolle Greta und Fridays for Future und all die Miseren der bisherigen Klima- und Verkehrspolitik. Da sagte jemand plötzlich die beiden Worte „Autofreier Sonntag“.

Und alle anderen dachten wohl in derselben Sekunde: Ja, das wär' doch mal was! Angesichts des aktuellen Wirrwarrs um hoch komplizierte „Luftreinhaltepläne“ in Berlin und anderen Städten, angesichts weitgehend unkontrollierter kurzatmiger Dieselfahrverbote oder partieller Tempolimits wäre jeder generell autofreie Sonntag in den Städten oder noch besser im ganzen Land ein so einfaches wie wirkungsvolles Signal.

Plötzlich herrschte magische Ruhe

Es wäre ein Zeichen, das sogar Bezweifler des Klimawandels in seiner besonderen Bedeutung nur schwer negieren könnten. Erinnern wir uns nur: Bei der Ölkrise 1973 gab es in der Bundesrepublik unter der SPD-FDP-Regierung von Willy Brandt, Helmut Schmidt und Hans-Dietrich Genscher auf Grund des Energiesicherungsgesetzes ein landesweites Autofahrverbot an vier Sonntagen zwischen dem 25. November und dem 16. Dezember.

Zur allgemeinen Überraschung wurden diese schnell beschlossenen autofreien Sonntage nicht nur ein Erfolg, was den reduzierten Spritverbrauch, die entsprechenden Einsparungen und die damals noch kaum diskutierte Luftqualität und die Klimafolgen anging. Nein, es gab auch bei durchaus passionierten Autofahrern plötzlich ein großes: Aufatmen. Ein Innehalten. In der Schweiz, in der es wie in einigen anderen europäischen Staaten oder Städten ähnliche Aktionen gab oder noch gibt, spricht man dabei von einem „Slow up“.

Die Forscher rufen schon seit langem

Plötzlich herrschte selbst in Großstädten eine magische Ruhe, manchmal gar Stille, die aber keineswegs leblos wirkte. Eher erhaben, erhebend. Slow up. Menschen gingen selbst im kalten Herbstwetter vermehrt nach draußen. Sie begegneten sich, redeten miteinander – und........

© Der Tagesspiegel