menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Vom Alien zur Avantgarde: Die fünf größten Alben von David Bowie

8 0
09.01.2026

Im Verlauf von knapp 50 Jahren hat der Ausnahmemusiker David Robert Jones, firmierend unter dem Künstlernamen David Bowie, ein überaus einflussreiches Œuvre/Werk an Alben geschaffen, von denen viele bis heute bestechen, da sie eine erstaunliche Fähigkeit demonstrieren, sich als Künstler beständig neu zu erfinden. Bowie starb am 10. Januar 2016, nur zwei Tage nach seinem 69. Geburtstag. Grund also, sich auch zu diesem Jahresanfang an ihn zu erinnern.

Für unseren Autor, Uwe Schütte, war David Bowie zeitlebens ein mal ferner-, dann wieder näherstehender Wegbegleiter. Dass Bowie umso wichtiger wird, je länger man ihn kennt, dürfte eine Erfahrung sein, die er mit anderen Hörern und Hörerinnen teilt. Aus rund zwei Dutzend Platten hat Schütte fünf Alben ausgesucht, die jenen, die Bowie noch nicht wirklich kennen, als Einstieg dienen können. Und allen anderen als Anstoß, sich eine der Alben aufzulegen im Gedenken an einen der größten Rockstars der Geschichte.

Ein Erweckungserlebnis. Fast schon eine religiöse Erfahrung. Und ein kleines Wunder: Am 5. Juli 1972 tritt David Bowie – üppig geschminkt, lackierte Fingernägel, hellrotgefärbte Haare, silberne Astronautenstiefel und in einem farbenfroh schimmernden Regenbogen-Overall – als Inkarnation des androgynen Aliens Ziggy Stardust in der TV-Sendung Top of the Pops auf. Dass die meisten der rund 15 Millionen Zuseher damals noch Schwarz-Weiß-Flimmerkisten besaßen und insofern das glamouröse Farbspektakel nicht vollumfänglich goutieren konnten, tat seiner immensen Wirkung keinen Abbruch. Der Song hieß Starman, vom drei Wochen zuvor veröffentlichten Album The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars.

In Form des extraterrestrischen Fremdlings war unverhofft ein exaltiert auftretender Heiland unter uns Erdenbürger getreten. Ziggy war gekommen, um zu erretten und zu befreien, nämlich aus den Gefängnissen von Familie, Schule, Staat und sonstigen sozialen Disziplinierungsanstalten. Dementsprechend empört waren Eltern, Lehrer und so weiter über das provokant homoerotische Auftreten der Kunstfigur Ziggy. Bowies Beispiel stellte nämlich schlagkräftig unter Beweis, dass man werden kann, wer oder was man sein möchte. Egal wie einsam, wie unverstanden, wie unzugehörig man sich fühlt.

„Just turn on with me, and you’re not alone / Gimme your hands, cause you're wonderful“, singt Ziggy Stardust auf Rock'n'Roll Suicide, dem letzten Stück des Konzeptalbums, das vom tragischen Scheitern des Rockmessias erzählt. Lauter großartige Hits sind darauf versammelt: der kosmische Glam-Exzess von Moonage Daydream, der euphorische Rausch auf Suffragette City oder das entfesselt-nihilistische Manifest Hang On To Yourself – dank des Ziggy Stardust-Albums vermochte Pop-Musik zum Ausgang junger Menschen aus ihrer unverschuldeten Unmündigkeit werden und zur Waffe im Kampf um Emanzipation von den uns allen vorgeschriebenen........

© der Freitag