We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close
Aa Aa Aa
- A +

A–Z | Resteverwertung

1 4 109
07.08.2021

Altstoffe Jeden dritten Sonnabend fuhren mein Bruder und ich mit einem Packen alter Zeitungen auf dem Gepäckständer und leeren Flaschen im Netz zu SERO (das ist die Abkürzung für VEB Kombinat Sekundär-Rohstofferfassung). Bei unserer Annahmestelle in Berlin-Lichtenberg, für uns nur „Altstoffhandel“, reichten wir Glas und Papier (Papierfresserin) durch ein offenes Fenster, hinten im Hof wurde alles gesammelt.Die 40 Pfennig konnten wir behalten. Manche nahmen Zeitungen mit in den Kindergarten. Es gab die Altstoffsammelaktionen der „Jungen Pioniere“, die mit kleinen Wagen von Haus zu Haus zogen und Zeitungspapier, Gläser und Flaschen einsammelten. Der Liedermacher Kurt Demmler schrieb den Song dazu: „Hab’n se nicht noch Altpapier, liebe Oma, lieber Opa, klingelingeling ein Pionier, klingelingeling steht hier ein roter...“ Einnahmen wurden häufig als Soli-Beitrag gespendet: Grün sein und Ärmeren helfen, es hat funktioniert. Maxi Leinkauf

Bonus Kühlschrank, Wasserkocher oder Fernseher: Wer in Thüringen künftig seine Elektrogeräte reparieren lässt, statt sie zu verschrotten, bekommt einen Bonus ausgezahlt. Damit will die Landesregierung dem steigenden Aufkommen von Elektroschrott entgegenwirken – bundesweit nimmt dieses jährlich um fünf Prozent zu. Deutschland hat mit 19 Kilo pro Einwohner 2019 weltweit einen Spitzenplatz eingenommen. Bis zu 100 Euro pro anno können sich Thüringer zurückerstatten lassen. Die Reparaturrechnung können sie ganz einfach auf einer Webseite hochladen. Umweltministerin Anja Siegesmund begründete den Schritt auch mit einer Anekdote: Ihre Kloßpresse aus DDR-Zeiten würde noch hervorragend funktionieren, während sie schon mehrere Geräte von Westmarken verschlissen habe. Klöße und Nostalgie, das zieht in Thüringen immer. Tobias Prüwer

Der Dämliche Rest Es war mal eine der spöttischen Erklärungen für die Abkürzung DDR. Die Resteverwertung Ost verlief nach dem Beitritt – manche nannten das satirisch „Breittritt“ – lieblos und manchmal durchaus auch dämlich: Bloß nichts Nachhaltiges (Altstoffe) retten, schien der Wahlspruch zu sein, bloß nichts nutzen, was durch Indoktrination kontaminiert sein könnte. Sinnvollen Einrichtungen erst mal „den Rest geben“. Zum Trost Ampel- und Sandmännchen bewahren und darauf Club Cola trinken.

Nach und nach setzten sich vernünftige Kräfte durch, die die Resteverwertung Ost ins Pragmatischere wendeten. So sind Ärztehäuser und Polikliniken vielfach wieder da, weil sie sich bewährt haben. Wir haben jahrelang die Verkaufsausstellung OSTPRO........

© der Freitag


Get it on Google Play