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Kanada | In Kanadas gefährlichstem Gewässer soll das Öltanker-Verbot fallen – für eine Pipeline

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28.12.2025

„Die Natur ist hier so freigiebig, dass sich die Menschen nie viele Sorgen darüber machen mussten, wie sie sich ernähren“, sagt Guujaaw, einer der traditionellen Chiefs der indigenen Haida-Nation. Die von ihnen bewohnte Inselgruppe Haida Gwaii liegt an Kanadas Westküste inmitten eines wilden, oft stürmischen Pazifik. Sie ist für indigene Kunst, den Bau von Kanus und Totempfählen berühmt. Auch wenn Trucks, Motorboote und Gefriertruhen längst zum Leben der Haida gehören, wird von den Indigenen, die 45 Prozent der Bevölkerung von Haida Gwaii ausmachen, über die Hälfte dessen, womit sie sich ernähren, weiterhin durch Fischfang gewonnen oder am Strand bei Ebbe gesammelt.

Der in dieser Gegend immer noch sehr saubere Pazifik ist wesentlich für ihr Überleben. Dabei haben First Nations auf Haida Gwaii und dem Festland bittere Erfahrungen gemacht im jahrzehntelangen Kampf gegen Pipeline-Pläne, die häufig aus der Schublade geholt wurden. Eine solche Trasse würde Rohöl aus dem Landesinneren an die Küste bringen, wo es auf Tankern in die Welt verschifft werden könne, lautete dann stets die Begründung.

Die Hecate Strait zwischen den Inseln und dem Festland gilt als gefährlichstes Gewässer Kanadas. Die Küste der Provinz British Columbia mit Felsen und Fjorden, dauerndem Nebel, brutalen Wellen und Westwinden ist ein Albtraum für die Seefahrt. Deshalb gab es für die Meerenge seit den 1970er Jahren ein Tanker-Moratorium und seit 2019 ein Verbot für Öltanker mit über 12.500 Tonnen Fracht.

Eine kürzlich unterzeichnete Absichtserklärung zwischen der kanadischen Regierung und der westlichen Provinz Alberta kam deshalb wie ein Paukenschlag: Das Projekt Rohölpipeline von Alberta durch British Columbia liegt wieder auf dem Tisch, inklusive einer Aufhebung des Tankerverbots. Es gelte, sich vom US-Markt unabhängiger zu machen, hieß es offiziell. Da Alberta die Ölfördermenge verdoppeln will, braucht man eine solche Trasse auch für zusätzliche Absatzmärkte.

Vorgesehen ist zudem, für Alberta Klimaschutzregeln zu streichen – etwa die Obergrenze für Emissionen der Öl- und Gasproduktion, die Vorgabe, schrittweise aus........

© der Freitag