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Streaming | Noah Wyle in „The Pitt“: Medizinische Realität ohne Heldenmythos

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09.01.2026

Mit der Zeit ist es so eine Sache. Die Wissenschaft behauptet eh, sie sei relativ. Doch nicht nur Forscher:innen kennen das Gefühl, dass sich Stunden und Tage unterschiedlich lang anfühlen. Die 12-Stunden-Schicht in einem Krankenhaus kann also einerseits ewig dauern. Andererseits zählt jede Sekunde – zum Beispiel, wenn bei einer „nekrotisierenden Faszilitis“ ein aggressives Bakterium in Nullkommanichts den Körper auffrisst.

In The Pitt ist die erzählte Zeit gleich der Erzählzeit. Das bedeutet, dass die Erlebnisse der Ärzt:innen, Pfleger:innen und Patient:innen in der Notaufnahme eines Krankenhauses in Pittsburgh simultan ablaufen – und man auch als Zuschauer:in in diesen Rhythmus einsteigen kann.

Was der Oberarzt der Station, Dr. „Robby“ Robinavitch (Noah Wyle), und seine Kolleg:innen während ihrer Schicht erleben, die um sieben Uhr morgens beginnt, sich aber (in der ersten Staffel) aufgrund eines Amoklaufs bei einem großen Musikfestival um einige Stunden verlängern wird, erlebt das Publikum demnach fast in Echtzeit mit – wie einst bei 24, nur mit weniger Agenten-Action, mehr Bodenhaftung und wortwörtlich pausenlosem Druck bis ins Allzumenschliche. Denn weil den Handelnden bei knapp 50 Minuten pro Folge wenig unbeobachteter Spielraum bleibt,........

© der Freitag