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Grundsicherung: Flaschensammeln ist keine Erwerbsarbeit, sondern Überlebensstrategie

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13.01.2026

58 Euro! Achtundfünfzig! Gesammelt aus Pfandflaschen, die andere achtlos wegwerfen oder rumfliegen lassen. Aufgelesen im Schutz der Dunkelheit von der Straße, aus Mülleimern gezogen, vermutlich mit gesenktem Blick und kalten Fingern von einem alten Mann in Altona – Hans ist sein Name. Er tut es schlichtweg deshalb, weil seine Rente nicht für Medikamente, ausreichend Kleidung und warme Mahlzeiten reicht.

Für Hans ist Altersarmut kein abstrakter Begriff, sondern bitterer Alltag, in dem jeder Cent zählt und dreimal umgedreht wird. Zusätzlich zu seiner schmalen Rente bezieht Hans Grundsicherung, weswegen er diese 58 Euro gewissenhaft dem Sozialamt gemeldet hat. Ehrlichkeit ist schließlich eine Tugend.

Und jetzt halten Sie sich fest: Das Sozialamt hat dieses Geld dem guten Mann als „Einnahme“ wieder abgezogen. Abgezogen! „Mit dem Regelsatz verrechnet“ nennt man das auch.

Hans, dessen Leben voller Arbeit ihn im Alter nicht vor Armut schützt, ist mit seiner Situation bei Weitem nicht allein. Genauso wie er bekommen 755.300 weitere Menschen Grundsicherung im Alter und leben in Armut bis an ihr Lebensende – oft trotz lebenslanger Arbeit. 2025 waren es Zehntausende Rentner*innen mehr als im Vorjahr, die zusätzlich zu ihrer Rente auf Grundsicherung angewiesen sind. Das Altonaer Sozialamt gönnt Hans und wahrscheinlich auch niemand........

© der Freitag