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Einwanderung | Syrische Migranten brauchen in Saudi-Arabien eine Arbeit, um bleiben zu dürfen

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25.07.2024

Wir sehen auf den Pullmann-Platz der syrischen Großstadt Aleppo. Helles Tageslicht scheint auf die grüne Mittelinsel mit dem dreispurigen Kreisverkehr ringsherum. Man meint, das Hupen der vielen Autos zu hören. Aber wir hören gar nichts, denn wir sind nicht in Aleppo, sondern in Riad, der Hauptstadt Saudi-Arabiens, und schauen auf ein Bild. Es ist so groß wie eine Schultafel und von hinten beleuchtet. Wir sind zu Gast bei Abu Abdul, einem Syrer, der in Riad wohnt. Er hat das Bild mit Vorhängen umrahmt, auf dass er seine Heimatstadt immer vor Augen hat, auch wenn er anderthalbtausend Kilometer von Aleppo entfernt lebt.

Abu Abdul gehört zu einer Gruppe von syrischen Freunden, die vor Jahren nach Saudi-Arabien emigrierten. Sie wollten mit dem Weg ins Exil einen zweijährigen Militärdienst vermeiden. Sie kamen als gut ausgebildete Ingenieure und haben sich mittlerweile in Saudi-Arabien eine eigene Existenz aufgebaut. Für Migranten gilt, sie dürfen nur bleiben, solange sie arbeiten. Unter diesen Umständen ist es schwierig, hier eine neue Heimat zu finden, wenn immer das Dasein als solches auf dem Spiel steht.

Auch Ghayth war Teil der Aleppo-Gruppe, bevor er vor acht Jahren aus Saudi-Arabien nach Deutschland ging. Jetzt kehrt er zum ersten Mal zurück, um seine syrischen Freunde zu besuchen. Seit er über einen deutschen Pass verfügt, kann er ohne Probleme nach Riad reisen. Mit einem syrischen Reisedokument wäre es extrem schwierig, ein Visum für Saudi-Arabien zu bekommen.

Fünfzehn Jahre lang haben Abu Abdul und Ghayth ihre Heimat Aleppo nicht mehr gesehen. Es bleiben ihnen nur der Blick auf das leuchtende Stadtpanorama und die Erinnerung. Abu Abdul ist Ende dreißig, wirkt mit seinem Bart und den kurzen, graumelierten Haaren aber wie Mitte vierzig. Er mag es bequem im schwarzen T-Shirt und grauer Jacke, er erzählt viel und gern. An diesem Tag hat er zum Abendessen eingeladen. Als Geschenk bekommt er sein Lieblingsbier, Holsten Geschmacksrichtung Apfel, natürlich alkoholfrei. Obwohl das Bier aus der Hamburger Brauerei kommt, schmeckt es eher wie eine süße Apfelschorle, allerdings immer noch besser als das alkoholfreie, in Saudi-Arabien ebenfalls verbreitete und recht beliebte Holsten Mojito.

Nach dem Hauptgericht bringen Abu Abduls größere Kinder den Nachtisch. Der zweijährige Sohn spricht noch nicht. Seine Töchter, sechs und zehn Jahre alt, reden dafür umso unbefangener. Sie sprechen fließend Englisch. Abu Abdul schickt sie auf die internationale Schule, auch wenn das teuer ist. Aber er........

© der Freitag


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