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Venezuela ist nicht Taiwan: Wie China auf Nicolás Maduros Entführung reagiert

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06.01.2026

Nachdem die USA den venezolanischen Machthaber Nicolás Maduro in einer Militäraktion gefasst hatten, tweetete Bundeskanzler Friedrich Merz, dass die „rechtliche Einordnung des US-Einsatzes“ komplex sei. Man würde sich dafür Zeit nehmen. Von derlei Bedenken ist in Peking wenig zu spüren. Dort drückte der Sprecher des Außenministeriums „tiefen Schock“ über die Entführung Maduros aus. Diese sei „eine ernsthafte Verletzung des Völkerrechts“. Die USA sollten „den Zielen und Prinzipien der UN-Charta“ folgen.

Ähnlich hatte sich Peking im Juni letzten Jahres geäußert, als Israel mit U.S.-amerikanischer Unterstützung Iran bombardiert hatte. Auch Teheran gilt als wichtiger Partner Pekings. Damals hatten einige westliche Beobachter angenommen, dass den Worten auch Taten folgen würden. Diese allerdings blieben aus. China sah keinen Grund, seine Beziehungen zum arabischen Golf oder dem Rest der Welt für die ideologischen Abenteuer des unpopulären Regimes in Teheran zu riskieren. So stand Iran der israelisch-amerikanischen Militärmacht allein gegenüber.

Das wird in Venezuela nicht anders sein. Der Grund ist einfach: die militärische Dominanz der USA. China hätte alles zu verlieren und wenig zu gewinnen, würde es von seinem Kurs militärischer Zurückhaltung außerhalb der eigenen Nachbarschaft abkommen. China ist die dominierende globale Handelsmacht – aber kein Weltpolizist. Ebenso wenig wird China seine jahrzehntealte Taiwanpolitik von einem amerikanischen Militärmanöver in Lateinamerika abhängig machen.

Dennoch steht außer Frage, dass die Extraktion Maduros und die damit verbundene amerikanische Machtdemonstration für China ein politischer Schlag sind. Hinzu kommt die Schmach, dass eine Delegation des chinesischen Außenministeriums kurz vor der amerikanischen Aktion Nicolás Maduro einen Besuch abgestattet hatte, bei dem die Partnerschaft noch einmal mit starken Worten beschworen wurde.

Auf der diplomatischen Ebene ist das bilaterale Verhältnis nämlich eng. Vor zwei Jahren hob........

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