Erst strenge Corona-Regeln, jetzt Wehrpflicht: Diese Generation wächst ohne Freiheit auf
Nichts hat die erste Hälfte unseres Jahrzehnts so geprägt wie die Verkündung der „Zeitenwende“ mit all ihren Risiken und Nebenwirkungen. Was sollen wir nicht alles in Kauf nehmen, weil angeblich „die Freiheit“ auf dem Spiel steht. Selten zuvor wurde das F-Wort so überstrapaziert, entleert und verdreht – besonders klar zeigt sich dieser Spin immer, wenn es um das neue Primat des Militärischen geht: „Alles für die Freiheit aufzugeben, das ist Freiheit“, sagte Christian Freuding im Juli 2025.
Der Heeresinspekteur der Bundeswehr brachte so den Sound unserer Tage auf den Punkt: „Wenn niemand für die Freiheit kämpft, dann haben wir keine Freiheit mehr“, so der CDU-Politiker Roderich Kiesewetter im März in der katholischen Tagespost. „Natürlich ist es so, dass, wenn ein Land kämpft um die Freiheit, diejenigen, die dort sind, und zwar junge Männer, natürlich auch eingezogen werden müssen“, assistierte CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann im Oktober in RTL und n-tv.– Er meinte junge Ukrainer, die nach Deutschland kommen, um nicht in den Schützengraben zu müssen.
„Die Freiheit“ muss hier wie dort gegen äußere Feinde verteidigt werden – da sind sich deutsche Wehrpflicht- und Aufrüstungsbefürworter einig. Dass der Staat im Zweifel über Leben und Gesundheit seiner Bürger verfügen kann, ist auch nach Meinung des hessischen SPD-Politikers Stephan Grüger weniger „paternalistisch“ als die Einmischung von Eltern, die in Reinhard Meys Lied „Nein, meine Söhne geb’ ich nicht“ anklingt.
Seinen Eltern hätte Grüger im Kalten Krieg jedenfalls „die Hammelbeine langgezogen“, wenn sie ihm hereingeredet hätten, als er selbst zur Bundeswehr wollte, so der Landtagsabgeordnete kürzlich in einer Social-Media-Diskussion. Heute sei eine Wehrpflicht „sicherheitspolitisch begründet und notwendig“.
Für eine Wehrpflicht „bei Bedarf“ sollen ab 2027 alle Männer ab Jahrgang 2008 gemustert werden. Doch welche Freiheit sollen sie verteidigen – und wie haben sich die diesbezüglichen Prioritäten im Lauf ihres kurzen Lebens verschoben?
Zu Beginn ihrer Pubertät galten strenge Covid-Maßnahmen: Menschenleben gingen über ihre kleinen Freiheiten. Die meisten von ihnen hielten sich an diese Regeln – „Querdenker“ waren laut einer Studie im Durchschnitt 47 Jahre alt. Viele........
