Neues Hochhaus am Alex: „The Berlinian“ schiebt sich zwischen Bauarbeiter und Fernsehturmkugel
Dies ist ein Open-Source-Beitrag. Der Berliner Verlag gibt allen Interessierten die Möglichkeit, Texte mit inhaltlicher Relevanz und professionellen Qualitätsstandards anzubieten.
Es gibt Orte in dieser Stadt, die keine Schlagzeilen brauchen, um zu erzählen. Orte, an denen sich ein einziges Detail verschiebt – und plötzlich verändert sich ein ganzes Bild. Wer in diesen Tagen an der Karl-Liebknecht-Straße vorbeigeht, spürt genau das: Etwas stimmt nicht mehr. Etwas fehlt. Oder vielmehr: Etwas steht im Weg.
Seit 1970 hebt ein Bauarbeiter aus Bronze hier die Hand. Ein Arbeiter jener Zeit: Helm, Stiefel, ruhige Kraft. Jahrzehntelang konnte er, aus einem einzigen, präzisen Blickwinkel, die Kugel des Fernsehturms „halten“. Ein kleiner Zauber, ein großer Satz über eine andere Zeit: Der Arbeiter trägt die Zukunft. Viele nahmen diesen Moment mit nach Hause – ein unscheinbares Berliner Familienfoto, das plötzlich Weltinterpretation wurde.
Doch nun wächst hinter ihm ein Turm aus Glas. „The Berlinian“, 146 Meter hoch – der neue Anspruch des neuen Kapitals. Und während der Büroturm in den Himmel greift, verliert der Bauarbeiter nach über 50 Jahren sein Ziel am Himmel. Die alte Achse – weg. Der Blick – verstellt. Die Frage – da: Was schiebt sich hier eigentlich dazwischen?
Wer diesen Mann aus Bronze geformt hat, erzählt bereits viel über ihn. Geformt hat diesen Mann aus Bronze der Bildhauer Gerhard Thieme, 1928 im sächsischen Rüsdorf geboren, geprägt von der erzgebirgischen Tradition des Holzschnitzens. Schüler von Fritz Cremer und Theo Balden an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Später, als Meisterschüler Cremers an der Akademie der Künste, nahm........
