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Inspirierende Vision: Wie man mit einem Klassiker der Umweltbewegung das Hier und Jetzt überwindet

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29.12.2025

Dies ist ein Open-Source-Beitrag. Der Berliner Verlag gibt allen Interessierten die Möglichkeit, Texte mit inhaltlicher Relevanz und professionellen Qualitätsstandards anzubieten.

In einer Zeit wie dieser, in der negative Nachrichten und Zukunftsaussichten vorherrschen und zahlreiche Menschen aus Selbstschutz Nachrichtensendungen meiden, ist es besonders sinnvoll, sich positiven Zukunftsentwürfen zuzuwenden.

In den 70er-Jahren gab es im Gegensatz zu heute eine kulturelle Aufbruchstimmung, die vor allem von zivilgesellschaftlichen Aktivitäten gespeist wurde. Verschiedene neue soziale Bewegungen erzeugten innovative Ideen und Weltbilder, Emanzipation und „Demokratie wagen“ waren an der Tagesordnung. Und inmitten dieser Atmosphäre wurde 1975 ein Zukunftsroman geschrieben, der zum Klassiker geworden ist.

Vor genau 50 Jahren veröffentlichte der amerikanische Schriftsteller, Journalist und Filmdozent Ernest Callenbach (1929–2012) in den USA sein Buch „Ecotopia“. Die großen Verlage waren nicht interessiert, aber als er den Roman im Selbstverlag publizierte, waren seine Leser begeistert, er wurde zu einem Underground-Hit. Die New York Times bezeichnete die in „Ökotopia“ beschriebene Gesellschaft als „eine Mischung aus skandinavischem Sozialismus und nordkalifornischen Zurück-auf-das-Land-Ideen, mit dem Usus ... vor Ort angebaute Produkte zu essen“.

Woher der Antrieb für ein solches Buch bei ihm kam, erzählte Callenbach 1982: „Ich wuchs als Country Boy in der Mitte Pennsylvanias auf und zog als Student nach Chicago und lebte dort in einem der schrecklichsten Slums der westlichen Hemisphäre. Ich habe also beide Seiten kennengelernt, die landwirtschaftliche Vergangenheit unseres Landes und die schreckliche industrielle Gegenwart. Und das hat sich wohl irgendwie in meinem Gehirn festgesetzt, dass wir diese beiden Seiten in neuer Form zusammenbringen müssen. Aber eben im Kontext einer hoch technologisierten und städtischen Gesellschaft. Was ‚Ökotopia‘ wirklich ist, ist der Versuch, dieses Stadt-Land-Problem zu lösen, um ökologisch sensibel leben zu können.“

Auf Deutsch erschien das Buch dann 1978 beim Rotbuch-Verlag Berlin unter dem Titel „Ökotopia. Notizen und Reportagen von William Weston aus dem Jahre 1999“. Darin erzählt Callenbach die fiktive Geschichte des Reporters Weston, der als erster amerikanischer Journalist in die abgespaltene Nation Ökotopia reisen darf. Denn fast 20 Jahre zuvor, im Jahr 1980, trennten sich – so die Geschichte – die Westküstenstaaten Washington, Oregon und

© Berliner Zeitung