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Technischer Fortschritt - gesellschaftlicher Rückschritt

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Im 15. Jahrhundert wurde der Buchdruck erfunden. Das führte zu einer nie dagewesenen kulturellen Revolution: zu Demokratisierung von Wissen und Bildung, zu breitflächiger Alphabetisierung in Europa, zu Popularisierung von Kunst und Kultur. Der Buchdruck legte den Grundstein für Massenmedien wie wir sie heute kennen. Dieser Teil der Geschichte ist allgemein bekannt.

Ein seltener erzählter Teil ist allerdings der folgende: Die Entwicklung des Druckwesens sorgte dafür, dass die Hexenverfolgung in Europa so richtig Fahrt aufnahm. Plötzlich nämlich konnten misogyne Schriften wie der berühmt-berüchtigte „Hexenhammer“ vervielfacht und einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden. Plötzlich konnten Agitatoren mit hetzerischen Flugblättern, in denen Frauen der Hexerei bezichtigt wurden, durch Dörfer ziehen und die Bevölkerung in ihrem misogynen Vernichtungswahn aufstacheln und mobilisieren. Die sogenannte „Hexenverfolgung“ – die eigentlich als misogyner Gynozid bezeichnet werden sollte, da es Hexen nie gab, verfolgt wurden Frauen – wäre in dem Ausmaß ohne die Entwicklung des Buchdruckes nie möglich gewesen.

Im 20. Jahrhundert wurde das Internet entwickelt. Auch das führte zu einer nie dagewesenen kulturellen Revolution: Mit ihm konnten plötzlich Menschen auf der ganzen Welt in Echtzeit miteinander in Kontakt treten – über E-Mails, Videotelefonie und Chats. Es brachte für alle jene mit Internetzugang einen beinahe unbegrenzten und ständigen – und sehr niedrigpreisigen bis kostenlosen – Zugriff auf Informationen, Desinformation, Nachrichten und Entertainment. Das Internet revolutionierte ausnahmslos alle Bereiche unseres Lebens. Und: Es brachte, wie auch schon der Buchdruck, eine neue Arena, in der Frauen mit neuen Techniken Gewalt angetan werden konnte.

Hass im Netz trifft Frauen in viel........

© Wiener Zeitung