Es brodelt in den USA
Mitte Oktober, Michigan: Richard Canevez schaut mich an, als ob ich von allen guten Geistern verlassen wäre. Nein, er sei kein Kommunist. Ob er die Vereinigten Staaten hasse? Nein. Ist er Mitglied des terroristischen Flügels der Demokrat:innen? Canevez stutzt. „Nicht, dass ich wüsste.“ Aber, wende ich ein, so beschreiben doch führende Republikaner:innen, darunter der Sprecher des Repräsentant:innenhauses Mike Johnson und auch Präsident Donald Trump, die Organisator:innen der „No Kings“-Proteste. Der 39-Jährige fängt an zu lachen und meint, er habe schon gedacht, was das denn für ein seltsames Interview sei.
Wir stehen im Bridgeview Park in Houghton/Michigan. Das ist ganz oben auf einer Halbinsel, der Keweenaw, die in den Lake Superior hineinreicht. Hier ist man ganz weit weg von allem. Es ist nicht nur eine abgelegene Gegend, sondern auch eine in weiten Teilen wirtschaftlich abgehängte und eher konservative Region. Canevez, Sohn von philippinischen Einwanderern, ist einer der Organisator:innen von „Keweenaw Indivisible“, der lokalen Gruppe, die sich Mitte Oktober an den landesweiten „No Kings“-Protesten beteiligt hat. Während in Washington, Chicago, New York, Los Angeles und San Francisco Zehntausende Menschen auf die Straße gingen, kamen hier mehr als 700 Leute zusammen. Das ist viel, meint Richard Canevez. „Es werden immer mehr, die sich unserem Protest gegen diese Administration anschließen.“ Er war sich nicht sicher, ob das überhaupt etwas bringen würde, aber „wir vergessen manchmal, dass es auch an Orten wie diesem viele Menschen gibt, die die demokratischen Werte verteidigen wollen. Solche Events zeigen einem, dass man nicht alleine ist.“
Viele der Teilnehmer:innen sind bunt verkleidet gekommen, darunter Sarah, die in einem gelben Big-Bird-Kostüm (Bibo aus der Sesamstraße) steckt. Als sie sich zu mir dreht, trifft mich ihr langer Schnabel am Kopf. „Sorry“, meint sie. Warum sie hier sei, will ich wissen. Sarah........
