Jüdisches Neujahrsfest: "Wir wollen nicht nur geschützt werden"
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Jüdisches Neujahrsfest: "Wir wollen nicht nur geschützt werden"
12. September 2026 | Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland
Zu Rosch Haschana fordern orthodoxe Rabbiner ein Deutschland, in dem Juden ihre Identität nicht verstecken müssen. Von Vorstand der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland.
Vorstand der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland
Es gibt einen Satz, den wir in den vergangenen Jahren immer häufiger gehört haben: Jüdisches Leben muss in Deutschland geschützt werden.
Natürlich stimmt dieser Satz. Synagogen, Schulen und Kindergärten brauchen Schutz. Menschen, die Juden bedrohen, Terror verherrlichen oder zu Gewalt aufrufen, müssen die Härte des Rechtsstaates zu spüren bekommen.
Und trotzdem stört uns inzwischen etwas an diesem Satz. Denn jüdisches Leben darf in Deutschland nicht auf ein Sicherheitsproblem reduziert werden. Wir wollen nicht nur geschützt werden. Wir wollen hier leben. Sichtbar, selbstverständlich und ohne uns ständig fragen zu müssen, ob es heute vielleicht besser wäre, die Kippa in der Tasche zu lassen oder den Davidstern unter dem Hemd zu tragen.
Das ist vielleicht einer der Wünsche, die wir als Rabbiner für das neue jüdische Jahr haben: dass Juden in Deutschland wieder weniger darüber nachdenken müssen, ob sie sich als Juden zeigen können und wieder mehr darüber, wie sie ihr Judentum leben wollen.
Seit dem 7. Oktober 2023 ist das deutlich schwieriger geworden. Der Terrorangriff der Hamas war kaum geschehen, da wurden auch auf deutschen Straßen die ersten Reaktionen sichtbar. Noch bevor die Opfer in Israel begraben waren, wurde relativiert, gerechtfertigt und gefeiert. Seither ist vieles, was früher wenigstens gesellschaftlich geächtet war, wieder ausgesprochen worden.
Juden werden für Entscheidungen der israelischen Regierung verantwortlich gemacht. Jüdische Studentinnen und Studenten erleben Feindseligkeit an Universitäten. Menschen überlegen, ob sie eine jüdische Veranstaltung besuchen oder ihre Kinder sichtbar jüdisch auf die Straße schicken können. Kulturveranstaltungen mit jüdischem Bezug werden abgesagt oder abgesetzt, aus Sicherheitsgründen oder gar aus ideologischen Gründen.
Wir schreiben das Jahr 2026. Nicht 1933 oder 1938. Das ist keine Einbildung und keine Überempfindlichkeit. Die Zahlen und Entwicklungen sind eindeutig.
Auch der AfD-Wahlsieg hat Gewissheiten in Frage gestellt
Und wenige Tage vor Rosch Haschana hat nun die AfD in Sachsen-Anhalt mit 43,8 Prozent die Landtagswahl gewonnen. Auch dieses Ergebnis gehört zu dem Deutschland, in dem wir heute leben. Es zeigt, wie stark sich politische Gewissheiten verschoben haben und wie tief das Vertrauen vieler Menschen in Parteien, Institutionen und Staat inzwischen erschüttert ist.
Aber Zahlen erzählen trotzdem nur einen Teil der Geschichte. Was sich verändert hat, spürt man oft in kleinen Situationen. In Gesprächen, die plötzlich kippen. In einem Schweigen, wo früher Solidarität war. In der selbstverständlichen Erwartung, dass ein deutscher Jude eine Erklärung für Netanjahu, Gaza oder die israelische Armee liefern müsse.
Kein Muslim in Deutschland sollte für die Politik eines arabischen Staates geradestehen müssen. Kein Christ für die Regierung eines christlich geprägten Landes.
Warum sollte ein Jude es........
