Ukraine-Krieg: Warum der Donbass jetzt zum entscheidenden Schauplatz wird
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Ukraine-Krieg: Warum der Donbass jetzt zum entscheidenden Schauplatz wird
07. September 2026 | Maurice Dorffer | Lesezeit: 7 Min.
Russland rückt im Donbass vor. Mit Slowjansk und Kramatorsk geraten Verteidigungslinien ins Visier, die für die Ukraine entscheidend werden könnten.
Während der Westen auf brennende russische Lagerhallen und spektakuläre Drohnenangriffe blickt, verschiebt sich die Front im Donbass weiter nach Westen. Was haben die „letzten Festungen“ der Ukraine wirklich mit dem Kriegsverlauf zu tun – und warum reiste CIA-Direktor John Ratcliffe ausgerechnet jetzt nach Moskau?
Der amtierende CIA-Direktor, reiste also – angeblich – heimlich nach Moskau. Erst Flugtracker, dann eine durch die russische Hauptstadt rollende US-Diplomatenkolonne machten den Besuch öffentlich. Das Wall Street Journal lieferte schließlich die brisante Erklärung: Ratcliffe war nach Moskau gekommen, um den Kreml eindringlich vor einem Angriff auf NATO-Territorium zu warnen. Insbesondere das Baltikum soll dabei zur Sprache gekommen sein. Moskau ist also gewarnt und hat – so die Botschaft – gefälligst die Füße stillzuhalten.
Ich selbst – IMHO – erlaube mir allerdings eine andere Interpretation dieses bemerkenswerten Ereignisses. Mir scheint, dass Ratcliffe eher an ein Remake des tragischen Schicksals einer Comtesse du Barry im Jahr 1793 erinnert als an die couragierte Figur, als die er gegenwärtig dargestellt wird. Doch dazu erst am Ende.
Zunächst drängt sich eine ketzerische Frage auf: Wie kann ich es mir überhaupt erdreisten, von einer ukrainischen Götterdämmerung zu sprechen – die erste, wenn man so will, fand 1945 im eingeschlossenen Berlin statt –, wenn uns doch aktuell auf allen Kanälen berichtet wird, Russland stehe unmittelbar vor einer strategischen Niederlage?
Tatsächlich wird doch gerade Tag ein, Tag aus berichtet, dass die russische Offensive kaum vorankomme, die ukrainischen Streitkräfte standhielten und immer wieder zurückschlügen. Russische Geländegewinne seien, gemessen am gewaltigen Einsatz von Menschen und Material, überschaubar. Es wird behauptet, Russland habe inzwischen sogar weit mehr als eine Million Soldaten verloren. Die russische Wirtschaft wiederum würde bald unter den Lasten des Krieges kollabieren, die Öl- und Gaseinnahmen gingen zurück, die finanziellen Reserven schrumpften und das Wachstum nähere sich der Stagnation. Gleichzeitig gelingt es der Ukraine zunehmend, Ziele weit hinter der eigentlichen Front anzugreifen. Eine Niederlage Russlands, so könnte man meinen, sei nur noch eine Frage der Zeit. Aber stimmt denn das überhaupt?
Vielleicht haben wir deshalb zu lange auf die falsche Frontlinie geblickt. Oder anders gefragt: Ist unsere Wahrnehmung dieses Krieges zu sehr von einer selektiven Berichterstattung geprägt, die den Blick auf das unmittelbar Sichtbare an der Front verengt und dabei andere Entwicklungen ausblendet? Einiges scheint jedenfalls dafür zu sprechen.
Dominiert die Retrospektive die Lageeinschätzung?
„Inside Donbass: Der Kampf um die letzten ukrainischen Festungen“: Die Formulierung ist nicht von mir. So wurde vor einigen Tagen ein Artikel in der deutschen Boulevardpresse überschrieben. Der Historiker oder allgemein der Kenner der Geschichte des Zweiten Weltkrieges dürfte beim ersten Lesen dieses Titels allerdings die Augenbrauen hochgezogen........
