Europas Defense-Ramp-up: Geld ist nicht das Problem
Link in die Zwischenablage kopieren
Europas Defense-Ramp-up: Geld ist nicht das Problem
23. September 2026 | Christina Riess
Entscheidend ist vielmehr, ob Industrie und Beschaffung gemeinsam skalieren können. Ein Gastbeitrag von Christina Riess.
Europa investiert in Verteidigung wie seit Jahrzehnten nicht. Doch höhere Budgets schaffen noch keine zusätzliche Verteidigungsfähigkeit. Entscheidend ist, ob daraus schnell genug Systeme entwickelt, beschafft, produziert, betrieben und über Jahrzehnte einsatzfähig gehalten werden können. Europa hat ein Skalierungsproblem entlang der gesamten industriellen Wirkkette.
Die Diskussion konzentriert sich häufig auf Produktionskapazitäten. Doch mehr Hallen und Maschinen allein lösen das Problem nicht. Entwicklung und Programmmanagement müssen ebenso skalieren wie Lieferanten, Produktion, Personal und Service. Fehlt ein Element, skaliert das Gesamtsystem nicht.
Skalierung beginnt lange vor der Fertigung
Die Europäische Kommission beschreibt Europas Defense-Industrie als fragmentiert und in ihrer Produktionsskalierung unzureichend. Nachfrage und Beschaffung sind weiterhin stark national geprägt.
Jahrzehntelang war die Branche auf geringe Stückzahlen, lange Entwicklungszyklen, kundenspezifische Anforderungen und wenige staatliche Auftraggeber ausgerichtet. In diesem System wurden auch ihre Führungskräfte sozialisiert. Heute wird fast das Gegenteil verlangt: schneller entwickeln, Programme international steuern, Kapazitäten aufbauen, Lieferanten industrialisieren, Produkte standardisieren, Partnerschaften und M&A integrieren und neue Märkte erschließen.
Man kann von Führungskräften nicht erwarten, über Nacht in einer Skalierungslogik zu führen, mit der ihre Branche sie jahrzehntelang nicht sozialisiert........
