„Das ist wie ein Schachspiel“: So riskant ist jetzt die Lage in Venezuela
Seit Tagen harren die Menschen vor den Haftanstalten aus. Am Montagmorgen dann ist auf einmal Bewegung an den Toren der Gefängnisse „La Crisálida“ und „El Rodeo I“ zu sehen. Freigelassene politische Gefangene und ihre Familien fallen sich um den Hals. Es fließen Tränen, es gibt lange, sehr lange Umarmungen. Und vereinzelt sind auch Sätze wie „Danke, Präsident Trump“ zu hören.
Schleppend, aber Stück für Stück kommen die einst aus politischen Gründen verhafteten Menschen in Venezuela frei. 41 sind es an diesem Morgen, darunter zwei italienische Staatsbürger, berichtet die Nichtregierungsorganisation Foro Penal; die Gefängnisverwaltung des Landes spricht von 116. Wenn auch über den Aktionen die Angst liegt, dass die alles in allem rund 800 politischen Gefangenen den Preis für die Wut des linksextremen Regimes aufgrund der Militäraktion gegen den in die USA entführten Diktator Nicolas Maduro zahlen müssen. Gerüchte wabern durch die Hauptstadt Caracas, es könne Rache drohen, Innen- und Justizminister Diosdado Cabello könne seine gefürchteten gewaltbereiten paramilitärischen Colectivos loslassen. Die sollen Handys durchsuchen und Jagd auf US-Amerikaner machen.
Cabello, so die Befürchtung, könne versuchen, Interimspräsidentin Delcy Rodriguez die fragile Macht streitig zu machen. Die venezolanische Armee um Verteidigungsminister Padrino Lopez hatte ihr zuvor Loyalität geschworen. Sollte es tatsächlich einen Machtkampf zwischen den beiden Lagern geben, wären entweder Cabello oder Rodriguez ausgesprochen gefährdet. Das hochumstrittene Konstrukt, auf das die Amerikaner als Übergangslösung setzen, ist eine politische Wundertüte.
Rund zwei Autostunden und ein paar Kontrollen weiter auf der Avenida Los Aviadores in der 400.000-Einwohner-Stadt Maracay ist Nicolas Maduro immer noch Präsident. In der roten Abendsonne ist ein riesiges Plakat zu sehen. „Presidente Maduro“ ist darauf zu lesen. Der ehemalige Machthaber trägt darauf Anzug mit Krawatte und grinst von oben auf die vorbeifahrenden Fahrzeuge herab. Als wäre er immer noch der skurrile Tänzer im Präsidentenpalast in Miraflores und säße nicht in einer Gefängniszelle in New York – angeklagt wegen Drogenhandels und organisierter Kriminalität. Ein politischer Gefangener, wie seine Anhänger sagen. Ein per Haftbefehl gesuchter Krimineller, wie es die USA........
