Ein halbes Jahr nach der Missbrauchsstudie: Was hat sich an der Waldorfschule verändert?
Sie waren in den frühen 1990er-Jahren Schüler an der Waldorfschule Überlingen. Eine Klasse mit etwa 40 Kindern. Ihr Lehrer war ein Tyrann. Das ergab eine Studie, die die Waldorfschule im Oktober 2025 vorstellte. Jetzt, ein halbes Jahr nach der Veröffentlichung, sehen sowohl die heutige Schulleitung als auch ehemalige Schülerinnen und Schüler, dass Veränderungen angestoßen worden sind. Der Vorstand Wilko Braa sagte, die Untersuchung habe eine zentrale Wirkung entfaltet: „Sie verhindert heute, dass wir wegschauen.“
Die vom Münchner Institut IPP im Oktober vorgestellte Studie rekonstruierte schwere körperliche, psychische und sexualisierte Gewalt an einer Grundschulklasse der frühen 1990er-Jahre. Ein mittlerweile verstorbener Lehrer hatte Kinder über Jahre hinweg gedemütigt, geschlagen und in mehreren Fällen sexuell missbraucht. Hilferufe der Kinder blieben wirkungslos.
Das sagen ehemalige Schüler zur Wirkung der Studie
Bei einem Pressegespräch schilderten ehemalige Schüler, wie belastend die Veröffentlichung gewesen sei. Zugleich habe sie endlich und umfassend die Aufarbeitung in Gang gebracht. „Die Studie war schonungslos im positiven Sinne“, sagte Timothy Schmitt, damals Schüler an der Waldorfschule. Erst durch die Untersuchung sei vielen das gesamte Ausmaß bewusst geworden. Erwachsene (Lehrer und Eltern) hätten damals früher eingreifen können. Teilweise habe das heute zu Spannungen zwischen Eltern und Kindern geführt.
Sein ehemaliger Klassenkamerad Johannes Wörmann zeigt sich darüber erschüttert, welche strukturellen Probleme........
