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Künstler Josi Plauen rät: „Weniger mit den Augen als mit dem Herzen malen“

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15.03.2026

Der Künstler Josi Plauen, der eigentlich Jochen Singer heißt, ist seit sechs Jahrzehnten produktiv. 1997 gründete er die Malschule in Jestetten. Eine Ausstellung von rund 150 seiner Werke kann ab Freitag, 20. März, bewundert werden. Vernissage ist ab 19 Uhr im Alten Schulhaus in Jestetten. Im Interview verrät er, Josi Plauen, worauf es für ihn bei seiner Kunst ankommt.

Wie kamen Sie zur Kunst, wer hat ihr Talent entdeckt und gefördert?

JOSI PLAUEN: In meiner Familie wurde schon immer viel und oft gemalt und gezeichnet. Meine Mutter, ihr Cousin Erich Ohser, alias E.O. Plauen, und später waren Fredo Bley und Rolf Andiel meine Lehrer.

Sie stammen aus der ehemaligen DDR, sind vor der Grenzöffnung ausgereist, was hat Sie nach Jestetten geführt?

PLAUEN: Der Opa des Ehemanns meiner Schwägerin war Schweizer, stammte aus dem Emmental. Als in der Schweiz große Arbeitslosigkeit herrschte, gingen viele Käser ins Ausland auf Arbeitssuche. Das Vogtland erinnerte ihn an sein Emmental, und er gründete eine Familie, behielt aber die Schweizer Staatsbürgerschaft und reiste später wieder zurück in die Schweiz, nach Schaffhausen. Es trieb uns einfach in die Nähe der Familie.

Wie kam es zum Künstlernamen Josi Plauen?

PLAUEN: Bis 1991 unterschrieb ich noch mit „Singer“. Meine Schweizer Galeristin legte in einem Vertrag fest, dass alle verkauften Bilder des Kalenderjahres eine Provision an sie beinhaltet. Als ich das Angebot bekam, in Dübendorf ausstellen zu können, hatte ich deshalb kein Interesse. Da ich im VKK (Schweizerischer Kunstverein) war, wurde mir der Vorschlag gemacht, unter einem „Künstlernamen“ auszustellen. So kamen wir aus Josi Plauen, Jochen Singer aus Plauen. Die Galeristin erfuhr dennoch davon, tat aber unserem guten Verhältnis keinen Abbruch.

Wie weit kann man Malen lernen?

PLAUEN: Ich werde oft gefragt, ob man Malen lernen kann. „Ja“ Malen ist die älteste Mitteilungsform und ist erlernbar, wie Lesen und Schreiben. Lernbar ist Komposition, Bildaufbau, Farbenlehre. Fantasie muss man schon selbst mitbringen. Bei einer der letzten SH-Kunst-Ausstellung waren zehn Prozent der Teilnehmenden ehemalige Kursteilnehmer von mir.

Wie findet man Motive?

PLAUEN: „Malen lernen heißt Sehen lernen“ mit offenen Augen alles bewusst anschauen, es handwerklich korrekt wiedergeben und dann künstlerisch verändern, vereinfachen oder abstrahieren. Zum bewussten Wahrnehmen gehört auch tasten. Je mehr Sinne den Gegenstand, das Motiv erfassen, desto besser.

Was interessiert Sie bei der Auswahl der Themen?

PLAUEN: Vor allem andere Kultur inspiriert, der Kontakt mit anderen Menschen. Mein Aquarellkasten und Papier ist immer dabei, oft setzte ich mich einfach hin und fange an zu malen. Kinder und Erwachsene kommen dazu, das ist in allen Ländern, die ich mit meiner Frau Elke bereiste, so gewesen. Viele tolle Erlebnisse sind so zustande gekommen.

Welche Maltechniken bevorzugen sie?

PLAUEN: Für das Malen im Freien Aquarell, spätere Interpretationen dazu in Öl.

Fertigen sie für großformatige Bilder Skizzen an?

PLAUEN: Skizzen ja, aber ohne Ziel, ein bestimmtes Format zu zeichnen. Kompositionsstudien mache ich immer.

Welche Rolle spielt Abstraktion in der Kunst?

PLAUEN: Abstraktion ist eine Weiterentwicklung in der Kunst, ein guter abstrakter Maler ist ein ehemaliger guter gegenständlicher Maler.

Hat sich Ihr Stil im Laufe der Jahre verändert?

PLAUEN: Ja, es ist aber gut, immer wieder einmal „zurück zu den Wurzeln“ zu kommen.

Konnten oder können Sie von ihrer Kunst leben? Haben Sie eine Galerie zur Präsentation Ihrer Bilder?

PLAUEN: Sehr unterschiedlich. Jetzt nicht mehr, ich hatte zehn Jahre eine selbst ausgebaute Galerie, die „Alte Schmiede“ in Büsingen.

Jeder Betrachter nimmt ein Bild anders wahr. Wie weit kann oder darf diese Wahrnehmung von ihrer eigenen künstlerischen Aussage abweichen?

PLAUEN: Natürlich darf jeder Betrachter seine eigene Auffassung von Kunst haben. Mein Grundsatz ist: Weniger mit den Augen als mit dem Herzen malen. Deshalb ist es oft wichtig, in der Natur nicht das Motiv abzumalen, sondern auf sich wirken zu lassen und bewusst zu verändern. Die Malerei ist im künstlerischen Sinne nicht perfekt.

Sie haben in Jestetten eine Malschule aufgebaut. Wie viele Malschüler haben sie betreut?

PLAUEN: 1997 habe ich die Malschule in Jestetten gegründet. Ich war Kursleiter in der Migrosclubschule in Schaffhausen, ich unterrichtete in Malen, Zeichnen, Aquarellieren, Portrait und Akt. Ich erteilte 15 Jahre lang Aquarellkurse in Bülach und Birkendorf. Seit 20 Jahren bei Pro Senectute in Schaffhausen. Die meisten Kursteilnehmer sind älter, malen teilweise bis zu 20 Jahre bei mir. Viele schieden durch Tod aus. Mein Malbus diente zum Transport von Sonnenschutz, Stühlen und Tischen und Wasser. Wir malten in der Natur von Stein am Rhein bis ins Zürcher Unterland. Etwa 200 Schülerinnen und Schüler begleitete ich in den knapp 30 Jahren Malschule.

Sie stellen ab dem 20. März beim Kulturkreis Jestetten im Alten Schulhaus Ihre Werke aus. Wie viele Bilder werden in der Ausstellung zu sehen sein, welchen Zeitraum decken sie ab?

PLAUEN: Ich werde etwa 150 Arbeiten in unterschiedlichen Techniken und aus verschiedenen Zeiten ausstellen, sechs Jahrzehnte Malen, es wird sehr abwechslungsreich sein.

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