Der SÜDKURIER und seine Leser verdanken ihm viel: Trauer um Gerd Appenzeller
Er war ein leiser Riese. Groß gewachsen, gutaussehend, von beeindruckender Statur. Wie geschaffen für optische Medien. So ein Habitus prädestiniert zum Charisma. Das hatte er, aber seins war ein ganz anderes. Gerd Appenzeller war ein Meister der leisen Töne, der lockenden Intelligenz. Klugheit und scharfe Gedanken kamen bei ihm in fast suggestiver Weise so leicht und unaufgeregt daher, als wolle er sich für seine Aura entschuldigen. Seine Stimme: In präziser Sprache zurückgenommen, auf der Suche, dabei glasklar berlinerisch.
Damals beim SÜDKURIER, als er unser Chefredakteur war (1988-1994), konnte (und wollte) sich niemand seiner Ausstrahlung entziehen. Wir in der Redaktion waren mindestens so sehr Appenzeller-Fanclub wie Kollegen. Denn Gerd Appenzeller war nicht nur Sympathieträger Nummer Eins, auch bei den meisten Lesern. Er hatte – schon zuvor als stellvertretender Chefredakteur – den SÜDKURIER persönlich in ein neues Zeitalter geführt. Aus dem streng konservativen Blatt der Nachkriegszeit – geführt von den hoch gebildeten, klugen Persönlichkeiten der Vorkriegszeit – hatte sich in kurzer Zeit eine neue liberale Zeitung am Bodensee entfaltet. Mit neuen Formen und Ideen, einem ungleich breiteren Meinungsspektrum und einer politischen Offenheit, die der Redaktion frische, kreativitätsfördernde Atemluft verschaffte. Immer auf einer festen Werte-Basis der Region.
Vieles, wenn nicht alles an dieser epochalen Leistung hat mit der Persönlichkeit Gerd Appenzellers und ihrer enormen Präsenz zu tun. War das nicht........
