„Wir müssen Bücher wegwerfen, sonst ersticken wir“ – wie Bibliotheken mit Spenden umgehen
Der Brockhaus mit Goldschnitt ist schön anzusehen. Doch will man sich davon 30 Bände in den Schrank stellen? Die Zeiten, als Bücher ein Statussymbol waren, sind längst vorbei. Was also tun, wenn man Büchersammlungen auflösen muss? Viele Leserinnen und Leser wollen das Gedruckte nicht wegwerfen.
Die Stadtbibliothek Konstanz hat eine klare Linie. Sie nimmt überhaupt keine Bücherspenden an. Warum? „Wir sind kein Archiv“, sagt Leiterin Ulrike Horn. Die Stadtbibliothek habe den Anspruch auf einen aktuellen Bestand. Jedes Jahr würden 10.000 Bücher zugekauft, 10.000 müssten weichen. Sie sind zerlesen, nicht mehr aktuell oder niemand will sie mehr ausleihen. „Bibliothekare sind gut im Wegwerfen von Büchern. Das gehört zum Beruf dazu, sonst würden wir in Büchern ersticken“, so Horn.
Einige ausgemusterte Exemplare kommen in den öffentlichen Bücherschrank, viele in den Papiermüll. Wie andere Büchereien auch, unterliegt die Stadtbibliothek mit den 80.000 Medien, darunter 60.000 gedruckte Bücher, einem Wandel: Sie ist nicht mehr nur der Ort, an dem jemand Bücher ausleiht. Sie ist auch der Ort für Veranstaltungen. Mitarbeitende investierten dafür ihre Arbeitszeit, nicht fürs Sichten von Büchergeschenken. Ulrike Horn spricht vom „Wohnzimmer der Stadt“.
Gedruckte Fachliteratur verliert an Bedeutung
In der Bibliothek der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) gibt es längst mehr elektronische als gedruckte Bücher. Im Maschinenbau und der Technik spielt das gedruckte Buch nahezu keine Rolle mehr. 230.000 digitale Versionen stehen 50.000 gedruckten Büchern gegenüber. „Wir........
