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Unerwünschte Söhne: Bitte, bitte, ein Mädchen!

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05.02.2026

Es ist ein Junge! Früher war das meist ein freudiger Ausruf, vermengt mit Stolz und ehrgeizigen Erwartungen. Ein „Stammhalter“ war geboren, einer, der den Familiennamen weitertragen, das Erbe antreten, womöglich zu größerem Erfolg führen würde. Mit dem ersten Atemzug begann die Bewertung eines Menschen wegen seines Geschlechts – traditionell zum Nachteil von Frauen.

Und jetzt das: Bei sogenannten Gender-Reveal-Partys, also Feiern, bei denen das Geschlecht eines erwarteten Kindes verkündet wird, gibt es bei Jungs neuerdings negative Reaktionen. Die Momente der Wahrheit werden bei diesen Partys, wie sie heute nach amerikanischer Tradition in vielen Teilen der Welt gefeiert werden, oft als Überraschung inszeniert. Die werdenden Eltern nehmen die Info der Ärzte mit nach Hause und enthüllen sie erst vor Freunden, Geschwisterkindern, Familie. Da werden Konfettibomben in Blau oder Rosa gezündet, Kuchen mit blauer oder rosa Creme angeschnitten, entsprechend farbige Blumensträuße überreicht.

Natürlich werden diese Momente live gefilmt – im Zweifelsfall also auch die Enttäuschung festgehalten. Und in den Social-Media-Kanälen geteilt. Dass heute bei diesen Partys manchmal sogar Tränen fließen, wenn aus dem geplatzten Luftballon blauer Glitzerregen niedergeht, erregt Aufmerksamkeit. Es gibt auch Geständnis-Videos, in denen meist Mütter weinend beschreiben, wie sehr sie sich ein Mädchen wünschten und wie schwer es ihnen fällt, sich stattdessen auf einen Sohn zu freuen. Die Frauen fühlen sich schuldig für ihre Gefühle. Nutzen die digitalen Kanäle aber als eine Art........

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