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Integrationskurse gestrichen: Wer Integration will, darf nicht an der Sprache sparen

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23.04.2026

Der Koalitionsvertrag der schwarz-roten Bundesregierung verspricht, Migration zu ordnen, Integration zu fördern und Menschen „schneller in den Arbeitsmarkt“ zu bringen. Doch gleichzeitig will die Bundesregierung ausgerechnet an der zentralen Stellschraube dafür drehen: den Integrationskursen.

Die Pläne des Bundes, den Zulassungstopp für Integrationskurse durch weitere Einschnitte auszuweiten, sind fatal. Wer das Sprachniveau von B1 auf A2 absenken, den Unterricht kürzen und durch „digitale Selbstlernphasen“ ohne Lehrkräfte ersetzen will, sagt de facto: „Ihr sollt hier arbeiten, aber ihr müsst dieses Land nicht verstehen.“ Denn A2 bedeutet, dass man nur einfachen Smalltalk versteht, Formulare nur mit Hilfe von Beratungsstellen ausfüllen kann und Arbeitsanweisungen oft nur zum Teil versteht – wenn überhaupt. So kann man sich keine Kellnerin, keinen Pfleger und keine Erzieherin im Betrieb vorstellen. Sondern man sieht Menschen, die im Zweifel nicken, obwohl sie nicht verstanden haben, was von ihnen verlangt wurde.

Aus für Integrationskurse? „Diesen Weg jetzt zu versperren, wäre ein Fehler“

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Das Sparen ausgerechnet bei den Orientierungskursen, die das Leben und die Gesetze des Rechtsstaats erklären, ist ebenso gefährlich. Wer die Gesetze, die Gleichberechtigung und religiöse Vielfalt nicht versteht, kann sie auch nicht respektieren. Rechtsstaat und Demokratie müssen mit qualifizierten Lehrkräften erklärt und eingeübt werden, nicht mit einem Link zu einer Online-Plattform.

Zwar wird der Haushalt kurzfristig entlastet, doch langfristig steigen die Kosten für Jobcenter, Sozialämter und Betriebe, die in die Sprachkenntnisse ihrer Mitarbeiter investieren wollen. Dieser Zulassungsstopp beschleunigt die Integration nicht, sondern verzögert sie. Was der Bund dabei offenbar aus den Augen verliert: Gute Sprach- und Integrationskurse sind schließlich wichtig, um Fachkräfte zu gewinnen. Alles andere wäre Selbstsabotage.


© NRZ