Wie löst die Planwirtschaft die Probleme der Marktwirtschaft?
Wie löst die Planwirtschaft die Probleme der Marktwirtschaft?
Über den Markt werden im Kapitalismus Waren ausgetauscht – angeblich so effizient wie in keinem anderen System. In Wirklichkeit führt der Kapitalismus aber zu einer Verschwendung von Ressourcen, die wir uns nicht mehr leisten können.
In einer Welt, die durch die eskalierende Klimakrise und wachsende wirtschaftliche Ungleichheiten an ihre Grenzen stößt, stellt sich eine drängende Frage: Wie lange können wir uns die Verschwendung und Ineffizienz des kapitalistischen Marktsystems noch leisten? Im Kapitalismus werden Waren produziert, um Tauschwert zu schaffen und Gewinne zu erzielen, wobei der Gebrauchswert – also die tatsächliche Befriedigung von Bedürfnissen – in den Hintergrund tritt. Während die Befürworter:innen des Kapitalismus die Selbstregulierung des Marktes als Allheilmittel preisen, sind die realen Konsequenzen erschreckend: Umweltzerstörung, Kriege, eine wachsende Kluft zwischen Arm und Reich und eine Vielzahl an Krisen.
Doch es gibt eine Alternative, die die Probleme der kapitalistischen Marktwirtschaft lösen kann: die Planwirtschaft im Sozialismus. Der Sozialismus stellt die Produktion von Gütern und Dienstleistungen zur Befriedigung individueller und gesellschaftlicher Bedürfnisse, also die Schaffung von Gebrauchswerten, in den Mittelpunkt. Er bietet die Möglichkeit, Ressourcen gezielt und gerecht zu verteilen, um eine nachhaltige und solidarische Gesellschaft zu schaffen. In diesem Artikel werfen wir einen Blick darauf, wie die Planwirtschaft den Weg in eine gerechtere und ökologisch verantwortungsvollere Zukunft ebnen kann.
Kapitalismus und Marktwirtschaft: Eine kritische Bestandsaufnahme
In der heutigen Welt ist der Kapitalismus das vorherrschende Wirtschaftssystem. Die Produktion von Waren erfolgt mehrheitlich in Unternehmen, die einigen wenigen gehören, während die darin Arbeitenden mehrheitlich keinen Anteil am Unternehmen haben. Der Austausch der Waren erfolgt hier primär über den Markt, geprägt durch die Dynamik von Angebot und Nachfrage. Dieses System funktioniert durch die freien Marktmechanismen, bei denen der Preis von Waren und Dienstleistungen durch die Interaktion von Käufern und Verkäufern bestimmt wird. Doch diese vermeintliche Selbstregulierung führt zu einer zufälligen und unvorhersehbaren Verteilung der Ressourcen, die keine Rücksicht auf die sozialen und ökologischen Bedürfnisse der Gesellschaft nimmt.
Ein zentrales Merkmal der Marktwirtschaft ist die Konkurrenz zwischen Unternehmen. Diese Konkurrenz mag Innovationen fördern, doch sie führt auch zu einer massiven Verschwendung von Ressourcen – sei es Energie, Rohstoffe oder menschliche Arbeitskraft. Unternehmen investieren oft mehr in Werbung und Marketing als in die tatsächliche Verbesserung ihrer Produkte, nur um sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen. Dies ist nicht nur ineffizient, sondern auch umweltschädlich.
Die Konkurrenz führt außerdem zu Überproduktion, da Unternehmen bestrebt sind, mehr zu produzieren, als tatsächlich benötigt wird, um Marktanteile zu sichern. Dies resultiert oft in einen Überfluss an Waren, die letztendlich verschwendet werden. Ein weiteres Problem sind Insolvenzen, die unvermeidlich in einem Konkurrenzsystem entstehen, da nicht alle Unternehmen dauerhaft in der Lage sind, im Wettbewerb zu bestehen. In jedem Wettbewerb gibt es Gewinner und Verlierer. Diese Insolvenzen führen zu Arbeitsplatzverlusten und wirtschaftlicher Unsicherheit für viele Menschen, aber auch zur Vernichtung von Produkten und Produktionsmitteln (Büro- und Fabrikgebäude, Computer, Maschinen, Anlagen, Fahrzeuge, Werkzeuge usw.). Die für die Produkte und Produktionsmittel aufgewendeten Materialien, Energie und Arbeitskraft sind verschwendet, verloren und hätten sinnvoller verwendet werden können.
Darüber hinaus ist die Marktwirtschaft durch zyklische Krisen gekennzeichnet, die periodisch auftreten. Diese Krisen sind oft das Ergebnis der Überproduktion und der Überakkumulation von Kapital. Während Boom-Zeiten wird übermäßig investiert. Diejenigen Unternehmen, die mit neuen, technisch überlegenen Produktionsanlagen vorangehen, realisieren Extra-Profite und zwingen die Konkurrenz nachzuziehen. Während die Nachfrage bereits befriedigt ist, beginnen die Investitionen erst mit zeitlichem Verzug zu wirken. Produzierte Waren können nicht mehr abgesetzt werden – die Blase platzt. Früher oder später folgt zwangsläufig eine Rezession. Diese Zyklen verursachen immense soziale und wirtschaftliche Verwerfungen, die besonders die Arbeiter:innenklasse betreffen. Durch die Massenentlassungen und die damit verbundene Arbeitslosigkeit kommt es zusätzlich zu einem Kaufkraftverlust, wodurch sich die Waren noch schlechter absetzen lassen und die Krise sich weiter verschärft.
Nachdem die Profitrate sinkt, scheidet ein Teil der Unternehmen aus, ein anderer kann sich bei verringerter Produktion halten. Das Warenangebot geht zurück. Die Preise der Waren steigen wieder, wenn die Nachfrage weniger stark sinkt als das Warenangebot. Gleichzeitig entsteht durch Massenentlassungen und Insolvenzen eine hohe Arbeitslosigkeit. Durch das Überangebot an Arbeitskräften auf dem Arbeitsmarkt sinken die Löhne. Dadurch sinkt zwar die Kaufkraft und damit die Nachfrage, aber auch die Lohnkosten und damit die Produktionskosten. Wenn beide Effekte zusammen, das sinkende Warenangebot und die sinkenden Produktionskosten, größer sind als der Nachfrageausfall durch den Kaufkraftverlust, können die Waren wieder gewinnbringend verkauft und die Krise allmählich überwunden werden. Die Arbeiter:innenklasse ist somit die erste, die die negativen Folgen der Krise zu spüren bekommt, und die letzte, die die positiven Auswirkungen des Aufschwungs spürt.
Der gesamte Prozess beginnt anschließend von neuem. Häufig wird versucht, solche Krisen durch Kriege zu lösen. Die dafür nötige Aufrüstung soll einen Impuls zur wirtschaftlichen Gesundung liefern. Zudem wird durch den Krieg die Konkurrenz in verfeindeten Ländern ausgeschaltet, Rohstoffe können direkt angeeignet, billige Arbeitskräfte gewonnen und neue Absatzmärkte erobert werden.
Das Hauptziel des kapitalistischen Systems ist die Maximierung der Profite auf Kosten der breiten Masse zugunsten einiger weniger, die im Besitz der Produktionsmittel sind. Um dieses Ziel zu erreichen, werden die Natur und die menschliche Arbeitskraft ausgebeutet. Für die Herstellung der Produkte werden Energie und Materialien benötigt, die letztlich der Natur entnommen werden. Die Beschäftigten der Unternehmen verausgaben ihre Arbeitskraft und verleihen den produzierten Waren gegenüber den Ausgangsprodukten (Material, Einzelteile) damit einen Mehrwert. Einen Teil des geschaffenen Werts erhalten die Arbeiter:innen als Lohn. Der Wert einer Ware liegt also höher als die Summe aus dem Wert der darin enthaltenen Arbeitskraft und den für die Produktion der Ware Produktionsmitteln. Der darüber hinausgehende Teil ist der Mehrwert, den der Kapitalist als Gewinn einstreicht. Er eignet sich also einen Teil der geleisteten Arbeit an.
Auf dem Markt können letztlich nur Waren zur Befriedigung individueller Bedürfnisse gewinnbringend verkauft werden. Nicht der Gebrauchswert, sondern der Tauschwert steht im Mittelpunkt. Das erklärt auch teures, unproduktives Marketing, die Vernichtung nicht verkaufter Ware, Produkte mit geplanter Obsoleszenz, kurze Zyklen neuer Produktversionen ohne wesentliche Verbesserungen und Bullshit-Produkte. In der Netflix-Dokumentation „Buy Now! The Shopping Conspiracy“ wird dies sehr eindrucksvoll dargestellt. Gesellschaftliche Bedürfnisse können auf dem freien Markt überhaupt nicht befriedigt werden.
Letztlich wird im Kapitalismus von privaten Unternehmen nur das gemacht, wofür es einen Markt gibt, also was sich gewinnbringend verkaufen lässt. Alles andere müssen der Staat und gemeinnützige Organisationen auf der Basis von ehrenamtlicher, unentgeltlicher Arbeit und Spenden leisten oder es wird nicht angegangen.
Die Beispiele sind zahlreich: Ein weiter steigender Verbrauch fossiler Energieträger, obwohl der Klimakollaps bevorsteht. Private Luxuskliniken einerseits und kaputtgesparte öffentliche Kliniken andererseits. Beste Bildung für Reiche, während in staatlichen Schulen der Putz bröckelt. Immobilienkonzerne machen mit dem Grundbedürfnis Wohnen Profite, während Sozialwohnungen vielerorts rar geworden sind. Immer neue Angriffe auf Renten und Sozialleistungen, während private Rentenversicherungen mit Besserverdienenden Geld verdienen.
Gerade in Deutschland wurde über Jahrzehnte hinweg die Instandhaltung der Infrastruktur vernachlässigt. Nun soll sie mit Masseninvestitionen gerettet werden – nicht jedoch, um gesellschaftliche Bedürfnisse zu befriedigen. Stabile Brücken sind Teil des Plans der Bundesregierung, das Land kriegstüchtig zu machen.
Der „Demokratie der Reichen“ die „Demokratie der Arbeiter:innen“ entgegensetzen
Was wäre die Alternative zum chaotischen, sich unter enormen „Reibungsverlusten“ selbst regulierenden Marktsystem des Kapitalismus mit all seiner Verschwendung und anderen negativen Folgen? Kann man nicht einfach das produzieren, was gebraucht wird, und davon so viel, wie gebraucht wird? Geht das nicht auch nachhaltig? Das bedeutet, die Produktion müsste gesamtgesellschaftlich geplant werden. Aus der heutigen Perspektive des Kapitalismus mag das naiv oder utopisch klingen, denn es erfordert einen ganz anderen Ansatz.
Die Pariser Kommune stellte 1871 ein visionäres Beispiel der Selbstorganisierung, als sich das Volk von Paris nach der Niederlage Frankreichs im Deutsch-Französischen Krieg gegen die Entwaffnung wehrte und die Macht in der Stadt übernahm. In „Der Bürgerkrieg in Frankreich“ analysierte Karl Marx diese neue Form der Machtausübung der Arbeiter:innenklasse. Es handelte sich um eine Form der Selbstverwaltung, in der die Arbeiter:innen direkte Kontrolle über ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen ausübten.
Die Kommune bildete sich aus den durch allgemeines Stimmrecht in den verschiedenen Bezirken von Paris gewählten Stadträten. Sie waren verantwortlich und jederzeit absetzbar. […] Die Kommune sollte nicht eine parlamentarische, sondern eine arbeitende Körperschaft sein, vollziehend und gesetzgebend zu gleicher Zeit. […] Von den Mitgliedern der Kommune an abwärts, mußte der öffentliche Dienst fürArbeiterlohnbesorgt werden.
Die Kommune bildete sich aus den durch allgemeines Stimmrecht in den verschiedenen Bezirken von Paris gewählten Stadträten. Sie waren verantwortlich und jederzeit absetzbar. […] Die Kommune sollte nicht eine parlamentarische, sondern eine arbeitende Körperschaft sein, vollziehend und gesetzgebend zu gleicher Zeit. […] Von den Mitgliedern der Kommune an abwärts, mußte der öffentliche Dienst fürArbeiterlohnbesorgt werden.
Die Kommune fasste unter anderem Beschlüsse zur Vergesellschaftung der Produktionsmittel:
Sie beabsichtigte die Enteignung der Enteigner. Sie wollte das individuelle Eigentum zu einer Wahrheit machen, indem sie die Produktionsmittel, den Erdboden und das Kapital, jetzt vor allem die Mittel zur Knechtung und Ausbeutung der Arbeit, in bloße Werkzeuge der freien und assoziierten Arbeit verwandelt.
Sie beabsichtigte die Enteignung der Enteigner. Sie wollte das individuelle Eigentum zu einer Wahrheit machen, indem sie die Produktionsmittel, den Erdboden und das Kapital, jetzt vor allem die Mittel zur Knechtung und Ausbeutung der Arbeit, in bloße Werkzeuge der freien und assoziierten Arbeit verwandelt.
In den nur 71 Tagen, ehe die Kommune blutig niedergeschlagen wurde, schuf sie ein Beispiel, das spätere revolutionäre Anläufe inspirierte. Die Kommune und insbesondere spätere Arbeiter:innenräte waren aber nicht nur eine Regierungsform, sondern auch die Keime eine neue Organisationsform der Produktion. Diesen Punkt heben Emilio Albamonte und Matias Maiello in ihrem Artikel „Die Kooperation als Macht der Arbeiter:innenklasse und der Kampf für den Sozialismus“ besonders hervor:
Im Unterschied zur kapitalistischen Demokratie, die eine Trennung zwischen einem formalen Konzept politischer Demokratie einerseits und einer Wirtschaft, die dem despotischen Kommando des Kapitals unterworfen ist, andererseits etabliert, verbindet die Rätedemokratie die politische Demokratie mit der ökonomisch-sozialen Emanzipation.
Im Unterschied zur kapitalistischen Demokratie, die eine Trennung zwischen einem formalen Konzept politischer Demokratie einerseits und einer Wirtschaft, die dem despotischen Kommando des Kapitals unterworfen ist, andererseits etabliert, verbindet die Rätedemokratie die politische Demokratie mit der ökonomisch-sozialen Emanzipation.
Inspiriert von den Prinzipien der Kommune entstanden in späteren Klassenkämpfen immer wieder Arbeiter:innenräte, wie die Sowjets in den Revolutionen in Russland 1905 und 1917, die Arbeiter:innen- und Soldat:innnräte in Deutschland 1918, die Fabrikräte in Italien 1919/20, die Arbeiter:innenräte in Ungarn 1956, die cordones industriales („Industriegürtel“) in Chile 1972/73, die Fabrik-, Mieter:innen- und Soldatenkomitees in der portugiesischen Revolution 1974 und die sogenannten Shoras in der iranischen Revolution 1979.
Im Gegensatz zum Kapitalismus sind im Sozialismus die Produktionsmittel nicht mehr in Privatbesitz, sondern gehören allen. Die Betriebe stehen also nicht mehr in Konkurrenz zueinander. Gleichzeitig, und das ist der zweite wesentliche Unterschied zum Kapitalismus, wird die Macht auf gesellschaftlicher Ebene und in den Betrieben durch Arbeiter:innenräte basisdemokratisch ausgeübt. Das ist auch einer der wesentlichen Unterschiede zu den bisherigen „realsozialistischen“ Ländern. Nicht nur die Gesetzgebung, sondern auch die Leitung der Betriebe liegt in den Händen der Arbeiter:innenklasse, des werktätigen Volkes. Dadurch kann die Produktion nicht nur in einem einzelnen Betrieb, sondern gesamtgesellschaftlich geplant werden. So können die Bedürfnisse optimal erfasst, demokratisch abgewogen und gemeinsam entschieden und angepasst werden. Die Planung und ihre Umsetzung erfolgt auf diese Weise demokratisch, sie dient also nicht den Interessen einiger weniger, sondern den Interessen aller, sowohl individuell als auch gesamtgesellschaftlich, und kann zugleich die Potentiale der ganzen Gesellschaft nutzen.
Das primäre Ziel der Produktion im Sozialismus ist nicht die Schaffung von Tauschwert, sondern von Gebrauchswert. Es wird also nicht mehr produziert, um Profit zu erzielen, sondern um Bedürfnisse zu befriedigen. Der Profit hätte hier keinen Nutzen, denn er wäre, wie der Volksmund sagt, nur eine Verschiebung von einer Tasche in die andere. Der Gebrauchswert hat dagegen einen wirklichen Nutzen für jeden Einzelnen und ist nicht länger Mittel zum Zweck, sondern der Zweck selbst. Da der Profit keine Rolle mehr spielt, kann die sozialistische Planwirtschaft sowohl die individuellen als auch die gesellschaftlichen Bedürfnisse umfassend befriedigen. Es stellt sich nicht mehr die Frage, ob es dafür einen Markt gibt, ob man etwas profitbringend verkaufen kann. Die Fragen, die jetzt gestellt werden, sind, ob es für etwas einen gesellschaftlichen Bedarf gibt. Im Gegensatz zur kapitalistischen Marktwirtschaft, in der die Nachfrage oft künstlich durch Werbung gesteigert werden muss, orientiert sich die Planwirtschaft an den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen. Ein zentraler Vorteil der Planwirtschaft ist die Förderung nachhaltiger Produkte. Diese sind so konzipiert, dass sie eine lange Lebensdauer haben und leicht repariert werden können. Niemand profitiert von kurzlebigen Produkten. Dadurch wird nicht nur die Umwelt geschont, sondern auch die Verschwendung von Ressourcen reduziert. So wie heutige Kapitalist:innen versuchen, die Produktionskosten niedrig zu halten, ist für die demokratisch organisierte Planwirtschaft der optimale Einsatz von Energie, Rohstoffen und Arbeitskräften nicht nur in den einzelnen Betrieben, sondern in der gesamten Wirtschaft ein Grundprinzip, um Verschwendung zu vermeiden und die Produktion nachhaltig zu gestalten. Der wesentliche Unterschied zur kapitalistischen Kosteneffizienz besteht darin, dass nicht nur die kurzfristigen Interessen einzelner Produzent:innen berücksichtigt werden, sondern auch die langfristigen Interessen aller Produzent:innen und Konsument:innen, also letztlich der gesamten Gesellschaft, die in einem basisdemokratischen Prozess erfasst und abgewogen werden.
Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist die Abschaffung der Ausbeutung von Menschen. Im Sozialismus gehören die Betriebe den Menschen, die darin arbeiten. Sie sind die Eigentümer:innen und damit auch die Profiteur:innen ihrer eigenen Arbeit. Ausbeutung im kapitalistischen Sinne, bei der sich ein privater Eigentümer die Mehrarbeit seiner Angestellten als Profit aneignet, findet nicht mehr statt.
Wenn, gefördert durch das gemeinschaftliche Eigentum und die basisdemokratischen Prozesse, ein entsprechender Konsens besteht, kann die Umweltbelastung durch gezielte Planungen, effektive Nutzung der natürlichen Ressourcen und kompensatorische Maßnahmen deutlich reduziert und kontrolliert werden. Statt Ressourcen rücksichtslos auszubeuten, lassen sich umweltfreundliche Technologien und Verfahren fördern, um die Wirtschaft in Einklang mit den ökologischen Zyklen unseres Planeten zu bringen.
Eine visionäre Zukunft
Doch die Möglichkeiten der Planwirtschaft enden nicht hier. Die sozialen und wissenschaftlichen Potenziale einer zentral geplanten Wirtschaft könnten es uns ermöglichen, heute utopisch anmutende Großprojekte zu verwirklichen. Orbitale Ringe, O’Neill-Zylinder, Dyson-Sphären bzw. Dyson-Schwärme und interstellare Raumflüge sind nur einige der visionären Projekte, die durch eine koordinierte und geplante Nutzung von Ressourcen Realität werden könnten.
Stellen wir uns vor, das gesamte Sonnensystem, wird zu einem riesigen Raumschiff, das von der Menschheit gemeinsam errichtet und gesteuert wird – ein Stellarantrieb, der uns zu neuen Horizonten und unerforschten Welten bringt. Solche großartigen Unternehmungen sind nur in einer Planwirtschaft möglich, wo die kollektive Anstrengung und der gemeinsame Nutzen im Vordergrund stehen. Eine weltweite, wirtschaftlich hoch integrierte Gesellschaft, die ihre Ressourcen effizient und nachhaltig nutzt, könnte die Grenzen dessen, was wir heute für möglich halten, weit übertreffen. Ob und in welchen Zeiträumen solche Projekte angegangen werden, hängt natürlich von den konkreten Bedingungen, Bedürfnissen und Prioritätensetzungen ab. Gerade hier ermöglicht die Rätedemokratie eine breite gesellschaftliche Diskussion, Abwägung und Entscheidungsfindung.
Bevor solche Zukunftsvisionen verwirklicht werden können, müssen natürlich die aktuellen Probleme wie Kriege und Klimakatastrophe gelöst werden. Kriege werden im Sozialismus obsolet, da es keine Konkurrenz mehr gibt und niemand mehr von einem Krieg profitiert. Die langfristigen und konsequenten Maßnahmen, die zur Rettung des Klimas notwendig sind, können nur in einer sozialistischen Planwirtschaft umgesetzt werden.
Haben wir den Sozialismus bereits erlebt?
Seit der Pariser Kommune 1871 gab es zahlreiche proletarische Revolutionen. Die bekannteste dürfte die Oktoberrevolution 1917 in Russland gewesen sein. Diese Revolutionen sind in erster Linie Ausdruck des progressiven und revolutionären Charakters der Arbeiter:innenklasse sowie ihres Bedürfnisses nach materiellem, sozialem und kulturellem Wohlstand sowie Mitbestimmung im Sinne einer echten Demokratie, in der nicht persönlicher Besitz und wirtschaftliche Abhängigkeitsverhältnisse die Politik bestimmen.
Während die Sowjetunion zwar aus einer proletarischen Revolution hervorgegangen war und sich trotz der Verheerungen des Weltkrieges und des anschließenden Bürgerkrieges Ansätze von proletarischer Demokratie entwickelten, trat dort bereits nach wenigen Jahren ein Prozess der Bürokratisierung ein. Die Produktionsmittel waren dort ebenso vergesellschaftet worden wie später etwa auch in der DDR. Insofern waren diese Länder keine kapitalistischen Länder mehr. Ihnen gelangen durch die so möglich gewordene Planung der Produktion beachtliche soziale Errungenschaften, die deutlich über das Niveau der kapitalistischen Länder hinausgingen, aus denen sie hervorgingen, und auch über das der meisten anderen kapitalistischen Länder, die gleichzeitig mit ihnen existierten.
Infolge ihrer ererbten ökonomischen Unzulänglichkeiten und ihrer internationalen Einkreisung durch kapitalistische Mächte, bleiben diese Gesellschaften auf halbem Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus stecken und bildeten große bürokratische Überbauten aus, die das Planprinzip durch ihre Jagd nach Privilegien zunehmend deformierten. Politisch übte hier nicht die Arbeiter:innenklasse die Macht aus, sondern diese privilegierte Funktionärselite. Ein zentraler Kritikpunkt an den stalinistischen Bürokratien ist, dass sie durch die Zerschlagung demokratischer Strukturen die ineffizientesten Elemente des Plans stärkten. Demokratische Rätestrukturen konnten nicht etwa auf allen Ebenen der Gesellschaft über die Verwendung der Ressourcen, die Umgestaltung des Plans oder Probleme wie Umweltverschmutzung beraten. Stattdessen wurden die Arbeiter:innen – wenn auch auf andere Weise als im Kapitalismus – von der Verfügungsgewalt über ihre Produktionsmittel getrennt. In „Verratene Revolution“ analysierte Leo Trotzki die Sowjetunion von 1917 bis 1936. Mit den Fragen, was die bisherigen „sozialistischen“ Länder vom Wesen her waren und was nicht, sowie warum die Planwirtschaft dort eher schlecht als recht funktionierte, haben wir uns in den Artikeln „Was war die Sowjetunion?“ und „War die Sowjetunion staatskapitalistisch?“ befasst.
In vielen der degenerierten und deformierten Arbeiter:innenstaaten kam es irgendwann zu politischen Revolutionen mit dem Ziel eines echten, demokratischen Sozialismus. Entweder wurden sie niedergeschlagen, wie der Arbeiter:innenaufstand in der DDR 1953, der ungarische Arbeiter:innensaufstand von 1956 und der Prager Frühling des Jahres 1968, oder sie schlugen aufgrund des Fehlens einer einflussreichen proletarisch-revolutionären Führung und der Einflussnahme der kapitalistischen Länder in Konterrevolutionen um, die zur Restauration des Kapitalismus führten, wie 1989/90 in der DDR.
Einen echten Sozialismus, wie ihn der Marxismus nicht nur beschreibt, sondern im Gegensatz zu utopischen Sozialist:innen und Gesellschaftsdesigner:innen auch aus historischen Erfahrungen und ökonomischen Gesetzmäßigkeiten ableitet, hat es jedoch noch nie gegeben.
Ist der Mensch zu schlecht für den Sozialismus?
Als Argument gegen den Sozialismus wird oft angeführt, dass er nicht funktionieren könne, weil der Mensch faul, egoistisch und gierig sei. Wenn alle alle Produktionsmittel besäßen, würde niemand mehr arbeiten. Jeder würde sich auf die anderen verlassen.
In dem Artikel “Ist die Gesellschaft, wie sie ist, weil der Mensch so ist?“ gehen wir dieser Frage nach und kommen zu dem Ergebnis, dass es in erster Linie die Produktionsverhältnisse und die damit verbundenen ökonomischen Zwänge sind, die gesellschaftlich relevantes menschliches Handeln bestimmen.
Historische und anthropologische Beispiele zeigen, dass Kooperation und Gemeineigentum nicht nur möglich, sondern über lange Zeiträume die Grundlage aller Gesellschaften waren. In frühen Stammesgemeinschaften ohne Klassen und Staaten finden sich zahlreiche Modelle, in denen individuelle Gier nicht das treibende Prinzip war. Diese Beispiele, die es auch heute noch in manchen Gegenden der Welt gibt, widerlegen die Behauptung, Egoismus und Konkurrenz seien tief in der menschlichen Natur verankert. Vielmehr sind es die spezifischen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die diese Verhaltensweisen fördern oder unterdrücken.
Das Erbe und die Nachwirkungen von Jahrtausenden der Klassengesellschaft darf man jedoch nicht ignorieren. Gerade der Kapitalismus belohnt Gier und Egoismus wie keine andere Klassengesellschaft. Es ist wichtig zu erkennen, dass das kapitalistische System nicht nur bestimmte Verhaltensweisen belohnt, sondern diese auch aktiv hervorbringt. Die Warenform und die Konkurrenz zwingen die Individuen dazu, ihre eigene Existenz gegen andere durchzusetzen – ein Verhalten, das in einem anderen Gesellschaftssystem mit anderen Produktionsverhältnissen und ihren dazugehörigen Eigentumsverhältnissen gar nicht notwendig wäre. Im Sozialismus wird also eine Perspektive geschaffen, in der der ökonomische Zwang zur Selbstbehauptung schrittweise überwunden wird.
Deshalb wird es auch im Sozialismus noch einen Staat geben, der aber in dem Maße abstirbt, wie die Klassen an sich verschwinden. Die in der Gesellschaft noch notwendige Organisation und Verwaltung verlieren ihren politischen Charakter und werden in die gesellschaftliche Selbstverwaltung überführt.
Ebenso wird es auch im Sozialismus noch Geld geben, durch das der Austausch von Leistungen und deren Ergebnisse geregelt wird. So werden auch hier Anreize zur Arbeit geschaffen. Es gilt noch das bürgerliche Leistungsprinzip: Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seiner Leistung. Entsprechend seinem Anteil an der gesellschaftlich geleisteten Arbeit wird jeder entlohnt und kann an den gesellschaftlichen Ergebnissen partizipieren.
Aus bürgerlicher Sicht erscheint dieses Leistungsprinzip gerecht, weil jeder genau den Anteil erhält, den er eingebracht hat. Aus humanistischer oder sozialistischer Sicht bleibt es aber immer noch ungerecht, weil nicht jeder gleich viel leisten kann. Jeder Mensch hat unterschiedliche körperliche und geistige Voraussetzungen. Andererseits brauchen nicht alle Menschen gleich viel. Zum Beispiel sind die Lebenshaltungskosten von Alleinerziehenden mit mehreren Kindern höher als die von Lebensgemeinschaften ohne Kinder.
Wirklich gerecht ist erst das Verteilungsprinzip im Kommunismus, in dem jeder nach seinen Fähigkeiten leistet und nach seinen Bedürfnissen am gesellschaftlichen Arbeitserzeugnis beteiligt wird. Als Voraussetzung für dieses Verteilungsprinzip beschreibt Marx allerdings, dass die Produktivkräfte, – also die Menschen selbst und die Technik, mit der sie arbeiten, – so weit entwickelt sind, dass der Gegensatz zwischen geistiger und körperlicher Arbeit aufgehoben ist:
„In einer höheren Phase der kommunistischen Gesellschaft, nachdem die knechtende Unterordnung der Individuen unter die Teilung der Arbeit, damit auch der Gegensatz geistiger und körperlicher Arbeit verschwunden ist; nachdem die Arbeit nicht nur Mittel zum Leben, sondern selbst das erste Lebensbedürfnis geworden; nachdem mit der allseitigen Entwicklung der Individuen auch ihre Produktivkräfte gewachsen und alle Springquellen des genossenschaftlichen Reichtums voller fließen – erst dann kann der enge bürgerliche Rechtshorizont ganz überschritten werden und die Gesellschaft auf ihre Fahne schreiben: Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!“
Die Innovationskraft im Sozialismus
Kritiker:innen der sozialistischen Planwirtschaft behaupten häufig, dass gerade die Konkurrenz im Kapitalismus Innovationen vorantreibt, während in einer sozialistischen Planwirtschaft kaum Innovationen möglich seien.
Marx und Engels argumentierten, dass die Entwicklung der Produktivkräfte der entscheidende Faktor in der gesellschaftlichen Entwicklung ist. Produktivkräfte umfassen alle materiellen Mittel und menschlichen Fähigkeiten, die zur Produktion von Gütern und Dienstleistungen genutzt werden. Dazu gehören Technologien und Maschinen, Rohstoffe sowie die Arbeitskräfte und deren Fähigkeiten, Kenntnisse und Erfahrungen. In einer sozialistischen Gesellschaft werden die Produktivkräfte nicht durch die Profitmaximierung, sondern durch die Bedürfnisse der Gesellschaft und die Entwicklung der menschlichen Fähigkeiten vorangetrieben. Der Profit im Kapitalismus verzerrt oft Innovationen, da Unternehmen nur in Bereiche investieren, die Gewinn bringen. In einer sozialistischen Gesellschaft können Ressourcen nach den Bedürfnissen der Gesellschaft verteilt werden, was zu einer breiteren und nachhaltigeren Innovationskraft führt. Beispielsweise könnte mehr in erneuerbare Energien und Umwelttechnologien investiert werden, da der Fokus auf gesellschaftlichem Nutzen statt auf kurzfristigem Gewinn liegt. Negative Beispiele im Kapitalismus sind die Pharmaindustrie oder die Rüstungsindustrie. Die Pharmaindustrie investiert oft in lukrative, aber nicht unbedingt lebensrettende Medikamente. Unternehmen investieren Milliarden in Medikamente für häufige, lukrative Krankheiten wie Haarausfall oder erektile Dysfunktion, während weniger rentable Krankheiten, die oft in ärmeren Regionen verbreitet sind, vernachlässigt werden. Ähnlich verhält es sich mit der Rüstungsindustrie, die enorme Summen in die Entwicklung von Waffentechnologien investiert, die in Kriegen eingesetzt werden, anstatt sich auf friedliche und gemeinnützige Innovationen zu konzentrieren.
Ein weiteres grundlegendes Prinzip des historischen Materialismus, das von Marx und Engels formuliert wurde, ist das Gesetz von der Übereinstimmung der Produktionsverhältnisse mit dem Charakter der Produktivkräfte. Produktionsverhältnisse beziehen sich auf die sozialen und ökonomischen Beziehungen, die die Produktion, Verteilung und den Austausch von Gütern organisieren. Aus ihnen erwachsen die Eigentumsverhältnisse und mit ihnen die Klassenverhältnisse und sonstige Machtstrukturen. Dieses Gesetz besagt, dass die Produktionsverhältnisse mit der Entwicklung der Produktivkräfte im Einklang stehen müssen. Wenn dies nicht der Fall ist, entstehen Widersprüche, die die weitere Entwicklung der Produktivkräfte behindern, zu sozialen Spannungen und Hemmungen von Innovationen führen.
Beispiele, bei denen die kapitalistischen Produktionsverhältnisse bereits heute die Entwicklung der Produktivkräfte behindern, sind zahlreich:
1. Klimawandel und fossile Brennstoffe: Da die Nutzung fossiler Brennstoffe billiger ist als nachhaltige, erneuerbare Energien, werden fossile Brennstoffe aufgrund des Wettbewerbsdrucks bevorzugt genutzt. Dies behindert den Übergang zu nachhaltigeren Energiequellen und Investitionen in die Forschung auf diesem Gebiet, was zu Umweltzerstörung und Klimawandel führt.
2. Patentmonopole und geistiges Eigentum: Patente und Urheberrechte können Innovationen behindern, indem sie den freien Zugang zu neuen Technologien und Wissen einschränken. Unternehmen halten oft Patente zurück oder führen „Patentkriege“, um ihre Marktposition zu sichern, was die Weiterentwicklung und Nutzung neuer Technologien blockiert.
3. Bildungssystem: Die Industrie fordert, dass mehr „Alltagswissen“ vermittelt wird. Bildung zielt immer mehr darauf ab, jungen Menschen nur noch das beizubringen, was sie für den Arbeitsprozess brauchen. Die Vermittlung von Grundlagen, Zusammenhängen und kritischem Denken und die Freude am Lernen treten in den Hintergrund. Wichtige Kenntnisse und Fähigkeiten fehlen, um Innovationen voranzutreiben. Eine Studie von Wiener Forscher:innen zeigt, dass der IQ in Deutschland und anderen Industriestaaten seit einiger Zeit sinkt. Als Ursache vermuten sie eine zunehmende Spezialisierung und eine Abnahme von Allgemeinbildung und breit angelegten Kompetenzen.
4. Marktmonopole und Oligopole: Große Unternehmen, die marktbeherrschende Positionen einnehmen, können durch ihre Marktmacht Innovationen kleinerer Wettbewerber unterdrücken. Diese Unternehmen haben oft wenig Anreize, in Innovationen zu investieren, da ihre dominierende Stellung bereits gesichert ist.
5. Open-Source-Software: Open-Source-Software hat ein enormes Innovationspotenzial, da sie die Möglichkeit bietet, dass sich alle daran beteiligen können und jeder sie nutzen kann. Allerdings fehlt vielen Projekten das Geld, oder die Entwickler:innen haben nicht genügend Zeit, da sie es in ihrer Freizeit umsetzen. Gleichzeitig nutzen große Konzerne unentgeltlich Open-Source-Softwarebibliotheken für ihre kommerziellen Produkte und beuten so die Open-Source-Entwickler aus. Ihre Software ist hingegen Closed Source, sodass sie keinen neuen Beitrag für weitere Innovationen in der Gemeinschaft bietet. Zudem versuchen kriminelle Hacker-Unternehmen und staatliche Geheimdienste vermehrt, Schadcode in diese Bibliotheken einzuschleusen oder stellen eigene, vermeintlich nützliche Softwarebibliotheken mit Schadcode als harmlose Open-Source-Projekte getarnt bereit. Im Sozialismus könnte jedes Softwareprodukt Open Source sein. Die Finanzierung könnte im Rahmen der wirtschaftlichen Planung bereitgestellt werden und die Entwicklung könnte während der normalen Arbeitszeit erfolgen. Das Potenzial von Open Source für die Innovation kann somit voll genutzt werden. Im Kapitalismus schlägt Open Source bereits in eine Destruktivkraft um, da es vermehrt zur Einschleusung von Schadcode genutzt wird.
Diese Beispiele verdeutlichen, wie bestehende Produktionsverhältnisse die Entwicklung der Produktivkräfte behindern und Innovationen hemmen können. In einer sozialistischen Gesellschaft können solche Widersprüche überwunden werden, indem die Produktionsverhältnisse an die fortschreitende Entwicklung der Produktivkräfte angepasst werden.
In einer demokratischen Planwirtschaft mit kollektiver Entscheidungsfindung können die praktischen Erfahrungen und Ideen der Arbeiter:innen direkt einfließen. Das fördert die Motivation, Kreativität und Innovation. Ein historisches Beispiel für die transformative Kraft kollektiver Anstrengungen ist die sowjetische Industrialisierung, bei der durch kollektive Anstrengungen massive technologische und industrielle Fortschritte erzielt wurden. Sehr ausführlich setzt sich der bereits weiter oben genannte Artikel „Die Kooperation als Macht der Arbeiter:innenklasse und der Kampf für den Sozialismus“ von Emilio Albamonte und Matias Maiello mit dem Thema des kollektiven Potentials für Innovationen auseinander.
Das sowjetische Raumfahrtprogramm konnte selbst unter bürokratischen Bedingungen immense wissenschaftliche und technologische Fortschritte erzielen. Die Wirtschaftsleistung und insbesondere das Wirtschaftswachstum sagt letztlich auch etwas über die Summe der Innovationen aus, wie der US-Ökonom David M. Kotz beschrieb: „In den Jahren 1928–75, als das sowjetische System die USA überflügelte und den technologischen Abstand allmählich verringerte, schien es, dass das sowjetische System trotz seiner zahlreichen wirtschaftlichen (und politischen) Schwächen langfristig den Wettbewerb gewinnen könnte.“ Im Sozialismus entwickeln sich die Bedürfnisse der Menschen, sowohl individuell als auch gesellschaftlich, ständig weiter. Diese dynamische Entwicklung der Bedürfnisse fördert kontinuierlich Innovationen, da stets neue Lösungen und Verbesserungen gesucht werden, um den sich wandelnden Anforderungen gerecht zu werden.
Innovation ist entscheidend für die Planung und die Umsetzung des Plans. Ohne kontinuierliche Innovation ist es schwierig, auf unvorhersehbare Ereignisse und Zufälle angemessen zu reagieren und diese in die Planung zu integrieren und die Produktivität zur Planerfüllung schnell zu steigern.
Da Widersprüche die Triebkraft der Entwicklung sind, besteht auch im Sozialismus ein hoher Innovationsdruck durch unbefriedigte Bedürfnisse, durch den Widerspruch zwischen Soll und Ist. Der Innovationsdruck bezieht sich nicht auf Profitmaximierung, sondern auf die Befriedigung individueller und gesellschaftlicher Bedürfnisse, auf die immer genauere Planung der Wirtschaft und die Steigerung der Effektivität der Produktion. Anders als im Kapitalismus wird nicht gegeneinander gearbeitet. Nichts muss geheim gehalten werden. Man kann zusammenarbeiten. Wissen kann und muss ausgetauscht werden. Das ökonomische Potential der gesamten Gesellschaft kann so freigesetzt werden.
Der Widerspruch zwischen Planung und Zufall
Eine der größten Herausforderungen der Planwirtschaft liegt in dem inhärenten Widerspruch zwischen präziser Planung und der Unvorhersehbarkeit der Zukunft. Obwohl die Planwirtschaft das Ziel verfolgt, Ressourcen effizient und gerecht zu verteilen, stößt sie auf objektive Grenzen, da die Zukunft nicht mit absoluter Sicherheit vorhergesagt werden kann. Jeder Plan muss sich innerhalb bestimmter Grenzen bewegen und mit einer gewissen Unsicherheit umgehen, die sich letztlich nur in Wahrscheinlichkeiten ausdrücken lässt.
Diese Unsicherheiten ergeben sich aus einer Vielzahl von Faktoren: Wetterbedingungen, technologische Durchbrüche, gesellschaftliche Veränderungen oder unvorhersehbare globale Ereignisse. Solche Faktoren können erheblichen Einfluss auf die Nachfrage nach bestimmten Produkten und Dienstleistungen sowie auf die Verfügbarkeit von Ressourcen haben.
Kritiker:innen der Planwirtschaft argumentieren oft, dass eine zentralisierte Planung der Wirtschaft nicht möglich sei und zwangsläufig zu Misswirtschaft führen müsse. Neben der angeblichen Unvorhersehbarkeit der Zukunft wird dabei häufig behauptet, nur der Markt könne die „wahren Bedürfnisse“ der Menschen sichtbar machen und eine Planwirtschaft würde daher zwangsläufig an ihnen vorbeiproduzieren. Doch der Markt ermittelt keine Bedürfnisse — er testet lediglich die Profitvermutungen von Unternehmer:innen. Produziert wird nicht, weil ein gesellschaftliches Bedürfnis besteht, sondern weil ein Kapitalist erwartet, damit Gewinn zu erzielen. Ob ein Produkt tatsächlich ein Bedürfnis befriedigt, zeigt sich erst im Nachhinein und selbst dann ist das Ergebnis durch Marketing, Moden und Kaufkraftverteilung verzerrt. Außerdem werden auf diese Weise nur kaufkräftige Bedürfnisse befriedigt. Wer kein Geld hat, dessen Bedürfnisse bleiben für den Markt vollkommen unsichtbar. Eine demokratische Planung hingegen verfügt über transparente Mechanismen, um Nachfrage, Prioritäten und gesellschaftliche Bedürfnisse kontinuierlich zu erfassen und anzupassen — weit bewusster, als es der Markt je leisten kann. Als Beleg für ihre Kritik werden dennoch meist die stalinistisch deformierten Arbeiter:innenstaaten angeführt, deren bürokratische Verzerrungen jedoch nichts über das Potenzial einer demokratischen Planung aussagen.
Es ist jedoch wichtig zu erkennen, dass auch in der kapitalistischen Marktwirtschaft Unternehmen – selbst große Konzerne – ihre Produktion und Vertriebsprozesse detailliert planen. Ohne solche Planungen könnten sie nicht effizient arbeiten oder auf Marktanforderungen reagieren. Mit jedem Angebot, das ein potentieller Auftragnehmer einem Auftraggeber abgibt, erfolgt bereits eine Planung. Jede Softwareversion wird je nach Vorgehensmodell mindestens grob geplant. In jedem Sprint bei der Softwareentwicklung erfolgt eine recht detaillierte Planung. Großprojekte wie der Bau von Flughäfen, Autobahnen oder technologischen Megaprojekten, an denen oft eine Vielzahl von Firmen beteiligt sind, sind ohne präzise Planung undenkbar und würden im Chaos enden.
Auch der kapitalistische Staat nimmt umfangreiche Planungen vor. Dazu gehören Haushaltsplanungen, Infrastrukturprojekte, Bildungsprogramme und das Gesundheitswesen. Die Vorstellung, dass nur eine Planwirtschaft auf Planung angewiesen sei, ignoriert diese grundlegenden und alltäglichen Prozesse.
Sogar die kapitalistische Regierung Großbritanniens während des Zweiten Weltkriegs hat große Teile ihrer Wirtschaft bereits mit einigem Erfolg zentral geplant. So hat sich gezeigt, dass eine zentrale Planung nicht nur möglich, sondern auch sehr effizient ist. Dieses Beispiel wird ausführlich im Buch „Economic Planning in an Age of Climate Crisis“ von Paul Cockshott, Allin Cottrell und Jan Philipp Dapprich analysiert. Martín Schapiro stellt dieses Buch im Artikel „Wirtschaftsplanung in Zeiten des Klimawandels“ vor, der die Notwendigkeit und Machbarkeit zentraler Planung in der heutigen Zeit betont.
In einem chaotischen, profitorientierten Wirtschaftssystem, in dem die Produzent:innen in Konkurrenz zueinander stehen, in dem der Markt über Angebot und Nachfrage zeitverzögert die Preise und letztlich auch wieder das Angebot regelt, in dem die Nachfrage zum Teil künstlich durch Marketing und Werbung, also psychologische Manipulation, geschaffen wird, ist eine Vorhersage von Angebot und Nachfrage und damit eine umfassende Planung der Wirtschaft auf Dauer nicht möglich. Damit ist eine Planwirtschaft im Kapitalismus auf Dauer unmöglich. Für eine funktionierende Planwirtschaft müssen die oben genannten Mechanismen durch eine Negation der kapitalistischen Eigentumsverhältnisse hin zu einem gesellschaftlichen Eigentum an den Produktionsmitteln und einer wirklich demokratischen Leitung der Betriebe und der gesamten Gesellschaft überwunden werden.
Auch wenn es bereits Beispiele für eine zentral geplante Wirtschaft im Kapitalismus gibt, entsprangen sie bestimmten Zwängen, waren auf das konkrete Ziel der Niederwerfung eines Konkurrenten gerichtet und existierten nur so lange, bis dieses Ziel erreicht war. Effiziente Planung über Unternehmen hinweg ist dauerhaft nur möglich, wenn diese Unternehmen nicht in Konkurrenz zueinander stehen. Jedes privatwirtschaftliche Unternehmen versucht, seine eigenen Gewinne zu maximieren. Planung hingegen schränkt die Gewinnmaximierung durch äußere Vorgaben ein. Wie sollten also die Produktion und der Absatz von mehreren in Konkurrenz zueinander stehenden, gewinnorientierten Unternehmen längerfristig geplant erfolgen? Eine wirklich effiziente und koordinierte Planung kann nur erreicht werden, wenn die Unternehmen sich nicht länger in Privatbesitz befinden, sondern allen gehören, allen Produzent:innen wie auch allen Konsument:innen. Dadurch wird eine kollektive Verantwortung und ein gemeinsames Interesse an der bestmöglichen Nutzung von Ressourcen wie auch von Innovation gefördert.
Eine zentrale Herausforderung der Planwirtschaft ist daher, flexibel und anpassungsfähig zu bleiben. Durch regelmäßige Überprüfungen und Anpassungen der Pläne kann auf Veränderungen reagiert werden, um die negativen Auswirkungen der Unvorhersehbarkeit zu minimieren. Dies bedeutet auch, dass Wahrscheinlichkeitsanalysen und statistische Modelle verwendet werden, um die besten Schätzungen für zukünftige Entwicklungen zu treffen und mögliche Szenarien zu berücksichtigen.
Trotz dieser Herausforderungen bietet die Planwirtschaft immer noch einen systematischeren und gerechteren Ansatz im Vergleich zur marktwirtschaftlichen Zufälligkeit. Durch gezielte Planung können die Bedürfnisse der Gesellschaft effektiv befriedigt und Ressourcen nachhaltig genutzt werden, selbst wenn nicht alle Variablen vollständig kontrollierbar sind.
Karl Marx und Friedrich Engels haben die Idee der Planwirtschaft als zentrales Element des Sozialismus und Kommunismus beschrieben, gingen aber nicht detailliert auf die konkrete Umsetzung ein. Im Gegensatz zu den utopischen Sozialist:innen dachten sie sich die Gesellschaft nicht am Reißbrett aus, sondern leiteten mit wissenschaftlichen Methoden Gesetzmäßigkeiten aus historischen und aktuellen Ereignissen ab. Zu ihrer Zeit war die Datenlage zu dürftig, um detaillierte Aussagen treffen zu können. Seitdem sind nicht nur etwa 150 Jahre vergangen, sondern es gab und gibt neben kapitalistischen Staaten mit Marktwirtschaft und staatlichen Eingriffen in die Marktwirtschaft auch bürokratisierte Arbeiter:innenstaaten mit nahezu reiner Planwirtschaft und zahlreiche Versuche, Planwirtschaft mit Marktwirtschaft zu kombinieren. Daraus kann man einiges ableiten. Auch vom Kapitalismus kann man noch etwas lernen, denn selbst dieser ist, wie oben gezeigt, auf Planung angewiesen. Weiterhin hat sich die Technologie stark weiterentwickelt. Computer sind heute wesentlich leistungsfähiger als beispielsweise noch vor 30 Jahren. Die Vernetzung und Quasi-Echtzeitübertragung von Daten durch das Internet hat massiv zugenommen. Neben effizienten Algorithmen auf Basis scharfer und regelbasierter Logik stehen inzwischen leistungsfähige KI-Systeme zur Verfügung. In naher Zukunft werden zudem Quantencomputer zur Verfügung stehen, die hochkomplexe Aufgaben, für die herkömmliche Computer zum Teil mehrere tausend oder gar Milliarden Jahre benötigen, in wenigen Minuten lösen können.
Lösungsansätze für den Widerspruch zwischen Planung und Unvorhersehbarkeit
Zunächst sei daran erinnert, dass es nach der Erkenntnistheorie keine absolute Wahrheit gibt. Die wissenschaftliche Forschung erlaubt es uns, uns der Wahrheit immer mehr anzunähern, aber eine exakte und vollständige Vorhersage der Zukunft bleibt unmöglich und ist in unserem Fall auch nicht notwendig. Ein Hinweis auf die Quantentheorie hilft vielleicht, diesen Punkt zu verdeutlichen und wie man sich dennoch behelfen kann: Bei quantenmechanischen Vorgängen gilt nach heutigem Wissensstand im Gegensatz zu makroskopischen Vorgängen der Zufall nicht als unerkannte Gesetzmäßigkeit, sondern als echter, unvorhersehbarer Zufall. Alle Ereignisse lassen sich aber sehr wohl mit Verteilungsfunktionen, also Wahrscheinlichkeiten, beschreiben. Bei der Planung gesellschaftlicher Prozesse haben wir sogar den Vorteil, dass wir uns in der makroskopischen Welt befinden, die erkennbar ist. Nur dort, wo noch Unsicherheiten bestehen, können wir uns wie in der Quantenwelt mit Verteilungsfunktionen behelfen oder agile Ansätze wählen, die schnell und effizient auf unerwartete Ereignisse reagieren können.
Für eine funktionierende Planwirtschaft gibt es zwei grundlegende Voraussetzungen:
1. Die Produktionsmittel sind in den Händen des Staates konzentriert.
2. Die Arbeiter:innenklasse übt über Arbeiter:innenräte die politische Macht im Staat aus.
Daraus folgt, dass es keine Konkurrenz zwischen den Betrieben gibt, Produzent:innen und Konsument:innen die gleichen Interessen haben und alle demokratisch an der Planung beteiligt sind und den gleichen Einfluss haben. Produziert wird nicht zur Profitmaximierung, sondern zur Bedürfnisbefriedigung.
Allgemeine Prinzipien
In der marxistischen Theorie wurden bereits viele Prinzipien der Planwirtschaft diskutiert. Einige sollen hier kurz angerissen werden, um daraus dann konkrete Maßnahmen zu entwickeln.
Integration von Makro- und Mikroplanung: Langfristige, makroökonomische Strategien werden mit kurzfristigen, mikroökonomischen Planungen kombiniert, um globale Trends und lokale Besonderheiten zu berücksichtigen.
Erfordernisse, Bedürfnisse und Möglichkeiten von oben und unten: Es bedarf einer engen Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen strategischer, globaler Ebene und lokalen Gemeinschaften, um umfassende und gerechte Planung zu gewährleisten.
Ständige Beobachtung und Anpassung: Kontinuierliches Monitoring von Angebot und Nachfrage sowie regelmäßige Feedback-Schleifen helfen, Planabweichungen schnell zu erkennen und anzupassen.
Ständige Verbesserung der Umsetzung: Durch Optimierung von Strukturen, Prozessen, Technologien und Ressourcen sowie Förderung von Innovationen kann die Umsetzung der Pläne ständig verbessert werden.
Ständige Anpassung der Pläne: Flexibilität und Anpassungsfähigkeit sind entscheidend, um auf unvorhersehbare Entwicklungen reagieren zu können. Wahrscheinlichkeitsanalysen, Szenarienplanung und Computersimulationen unterstützen die Vorhersage und das Risikomanagement.
Konkrete Umsetzungsvorschläge
Die folgenden Vorschläge sollen aufzeigen, wie die Planwirtschaft in der Praxis funktionieren kann, um sowohl langfristige als auch kurzfristige Ziele zu erreichen und flexibel auf Veränderungen zu reagieren.
Die Gliederung der Planung in verschiedene Ebenen ermöglicht die Umsetzung langfristiger und kurzfristiger Ziele. Dabei werden sowohl globale Zusammenhänge als auch regionale Besonderheiten berücksichtigt.
1. 25-Jahrespläne (strategische Pläne): Diese Pläne umfassen die Erde, Kontinente und (ehemalige) Länder. Hier werden großräumige und langfristige Veränderungen und Anforderungen wie Klimawandel, „Energiewende“, „Verkehrswende“ berücksichtigt. Es werden Forschungsschwerpunkte gesetzt und neue Kraftwerke, Fabriken, Städte geplant. Aber auch großflächige Schutzgebiete werden ausgewiesen.
2. Fünfjahrespläne (strategische Pläne): Diese Pläne gelten für (ehemalige) Länder, Regionen, Städte und Betriebe. Sie setzen den 25-Jahresplan um, berücksichtigen aber auch die Veränderungen und Bedürfnisse für die jeweilige Region und kürzere Zeiträume.
3. Jahres-, Quartals- und Monatspläne (taktische und operative Pläne): Diese Pläne gelten für Betriebe, Bereiche, Abteilungen und Brigaden (Teams). Sie setzen sowohl den übergeordneten Plan als auch die konkreten Bedürfnisse, Möglichkeiten und Veränderungen um.
In dem bereits erwähnten Buch „Economic Planning in an Age of Climate Crisis“ stellen die Autoren Paul Cockshott, Allin Cottrell und Jan Philipp Dapprich eine Input-Output-Matrix als mathematisches Modell der Wirtschaftsplanung vor, das die Beziehungen zwischen den verschiedenen Sektoren einer Volkswirtschaft beschreibt. Sie zeigt, wie die Produktion eines Sektors die Produktion anderer Sektoren beeinflusst. In diesem Modell wird die Arbeitszeit als zentrale Planungsgröße verwendet.
1. Eingänge (Inputs): Dies sind die Arbeitsstunden, die von einem Sektor benötigt werden, um seine Produktion zu ermöglichen. Dazu gehören Arbeitskräfte, Maschinen, Rohstoffe und Energie.
2. Ausgänge (Outputs): Dies sind die Produkte und Dienstleistungen, die von einem Sektor produziert werden. Diese Ausgänge können als Inputs für andere Sektoren dienen.
3. Matrix: Die Input-Output-Matrix besteht aus Zellen, die die Menge der Arbeitsstunden und die Beziehungen zwischen den verschiedenen Sektoren darstellen. Jede Zeile repräsentiert einen Sektor als Produzenten von Inputs und jede Spalte einen Sektor als Verbraucher von Outputs.
4. Analyse: Durch die Analyse der Matrix können Ökonom:innen verstehen, wie Veränderungen in einem Sektor die gesamte Wirtschaft beeinflussen. Zum Beispiel, wenn die Arbeitsstunden in einem Sektor steigen, kann dies die Arbeitsstunden in den Sektoren erhöhen, die diese Produkte und Dienstleistungen verwenden.
Planung und Umsetzung:
Die erfolgreiche Umsetzung der Pläne erfordert demokratische Entscheidungsprozesse und flexible Methoden, die es ermöglichen, schnell auf Veränderungen zu reagieren und die Planung effizient zu gestalten.
Arbeiter:innenräte und Wissenschaftler:innen: Die Planung erfolgt demokratisch durch Arbeiter:innenräte auf der jeweiligen Ebene in Zusammenarbeit mit Wissenschaftler:innen und in den Betrieben durch die jeweiligen Teams.
Umsetzung in Anlehnung an Scrum: Scrum ist eine agile Methode, die es ermöglicht, schnell auf ungeplante Änderungen zu reagieren. Ein Scrum-Team arbeitet selbstorganisiert. Niemand schreibt ihm vor, wie es etwas umzusetzen hat. Die Umsetzung der Aufgaben erfolgt in festen zeitlichen Zyklen, den Sprints. Jeder Sprint beginnt mit einer Sprintplanung und endet mit einem Review, in dem die Ergebnisse des Sprints präsentiert werden, und einer Retrospektive. In der Sprint-Retrospektive wird der Prozess bewertet und verbessert. Scrum wurde in der kapitalistischen Marktwirtschaft entwickelt, um zufällige und nicht planbare Einflüsse in den Griff zu bekommen. Gleichzeitig werden agile Methoden eingesetzt, um noch mehr Wertschöpfung, noch mehr Mehrwert aus den Beschäftigten herauszupressen. Dabei wird auf das Wissen, die Fähigkeiten, Fertigkeiten und Erfahrungen der einzelnen Teammitglieder zurückgegriffen. Allerdings stößt dieses Vorgehensmodell im Kapitalismus an die Grenzen der Eigentumsverhältnisse und des Weisungs- und Direktionsrechts. Letztlich steht immer ein Vorgesetzter oder gar der Eigentümer über ihnen, der ihren kreativen und demokratischen Prozess in seinem Interesse einschränkt. Rituale wie der „Daily Stand-up“, bei dem jedes Teammitglied täglich berichten muss, was es gestern gemacht hat und heute vorhat, die Sprintplanung, bei der sich die Teammitglieder auf ein bestimmtes Ergebnis verpflichten, das Review, bei dem die erbrachten Ergebnisse vom Team präsentiert werden, und die Retrospektive, bei der der Ist-Zustand mit dem Planungsversprechen verglichen wird, führen dazu, dass sich die Beschäftigten selbst unter Druck setzen, aber nicht in ihrem Interesse, sondern im Interesse des Kapitalisten. Im Sozialismus müssen daher nicht nur die Produktionsmittel, sondern auch die Produktionsmethoden wieder angeeignet werden. Bewährte Methoden des Kapitalismus dürfen nicht einfach übernommen werden, sondern müssen in einem bewussten Prozess neu angewandt werden. Diese Methoden müssen von ihrem kapitalistischen Klasseninhalt befreit werden, um sie für eine sozialistische Planung umzugestalten. Wenn die Arbeiter:innen selbst die Unternehmen besitzen, kann Scrum vom undemokratischen Prozess der Kapitalist:innen zum demokratischen Prozess der Arbeiter:innen werden und sich so voll entfalten.
Es gibt Sprints, die so lang sind wie die Laufzeit des jeweils kürzeren Detailplans. Für den 25-Jahres-Plan also fünf Jahre, für den 5-Jahres-Plan ein Jahr usw. Bei Monatsplänen könnte die Sprintlänge 14 Tage betragen. Der übergeordnete Plan stellt die „Produktvision“ auf der jeweiligen Ebene dar, die diese mit ihren Plänen und Maßnahmen umsetzt. Am Ende des Sprints wird analysiert, was erreicht wurde (Review), was gut war, was verbessert werden kann, was notwendig ist, um den Plan zu erfüllen, oder ob der Plan angepasst werden muss (Retrospektive), und der nächste Sprint wird geplant. Kann die jeweilige Ebene die Veränderungen nicht alleine durchführen, wird es nach „oben“ berichtet, damit von dort die notwendigen Maßnahmen eingeleitet werden können. Mit „oben“ sind weder eine Art Befehlskette noch privilegierte Berufsfunktionär:innen gemeint. Sonst ist die Reaktion wie im Kapitalismus, entweder Druck auszuüben oder Anreize zu schaffen („Druck macht aus Kohle Diamanten“ oder „Zuckerbrot und Peitsche“). Druck verschlechtert nur die Qualität, führt zu Unzufriedenheit, erhöht den Krankenstand, führt zu teurer Fluktuation oder provoziert Widerstand. Anreize dagegen sind auch im Sozialismus sinnvoll und notwendig. Nur hat auch im Sozialismus der Tag 24 Stunden und das Jahr 365 Tage. Die Dinge brauchen bei gegebenen Strukturen, Prozessen, Technologien, Werkzeugen und Ressourcen die Zeit, die sie brauchen. Also müssen entweder die Produktionsbedingungen verbessert oder die Pläne angepasst werden. Letzteres sollte nur geschehen, wenn Ersteres nicht möglich ist. Mit „oben“ sind eher die Arbeiter:innenräte oder gewählte und jederzeit absetzbare Funktionär:innen gemeint, die den Arbeiter:innenräten gegenüber rechenschaftspflichtig sind, jederzeit abgewählt werden können und einen durchschnittlichen Lohn erhalten.
Technologische Unterstützung und Anpassung:
Die Planung wird durch moderne Informationstechnologien unterstützt. Es werden Wahrscheinlichkeitsanalysen, Szenarienplanungen und Computersimulationen durchgeführt. Durch die Vernetzung stehen Echtzeitdaten aus Produktion und Verbrauch zur Verfügung. Durch Produktbewertungen und Befragungen werden Bedürfnisse und Verbesserungspotenziale ermittelt.
Der Plan wird regelmäßig an die aktuelle Situation und die zu erwartenden Trends angepasst.
Wie können wir die Zukunft gestalten?
Wenn ihr heute in euren Teams Scrum oder andere agile Methoden verwendet, dann lernt daraus für die zukünftige Planung und Steuerung unserer genossenschaftlichen oder volkseigenen Betriebe. Macht euch bewusst, wo ihr heute mit agilen Methoden an die Grenzen kapitalistischer Eigentumsverhältnisse stoßt und thematisiert das. Diese Reflexion ist der erste Schritt, um die notwendigen Veränderungen in unserer Gesellschaft anzustoßen.
Habt den Mut, über bestehende Strukturen hinauszudenken und die Vision einer demokratisch organisierten, solidarischen Wirtschaft zu verfolgen. Um diese Zukunft zu erkämpfen müssen wir uns organisieren und eine revolutionäre Partei aufbauen, die den bürgerlichen Staat als Schutzherrn der kapitalistischen Verhältnisse umwerfen kann.. Gemeinsam können wir eine Welt schaffen, in der Wohlstand und Gerechtigkeit nicht nur Ideale, sondern gelebte Realität sind.
Lasst uns die Zukunft mit Zuversicht und Tatkraft angehen, inspiriert von dem Wissen, dass wir gemeinsam die Macht haben, die Welt zu verändern.
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