Die Banalität der Propaganda
30. September 2026 – 19. Tischri 5787
AboAngebote PrintAngebote E-PaperAbo-Service
AboAngebote PrintAngebote E-PaperAbo-Service
Die Banalität der Propaganda
Der umstrittene Film über Israels digitale Kriegsführung in Gaza beherrscht das Spiel mit Gefühlen. Ein Versuch, sachlich zu bleiben
Eine Feststellung zu Beginn: Der Tod eines jeden Menschen und die weitläufige Zerstörung in einem Kriegsgebiet bringen tiefgreifende, generationenübergreifende Traumata sowie soziale Verwerfungen mit sich, deren Folgen unabsehbar sind.Demzufolge könnte man NAZA, einen der besonders heftig diskutierten Filme der vergangenen Jahre, als Antikriegsfilm betrachten. Eine Dokumentation, deren Ziel es ist, die Welt besser zu machen, indem sie den Menschen einen Spiegel vorhält, die Krieg anprangert und für Frieden wirbt. Doch scheint das Werk der Filmemacher Yuval Abraham und Rachel Szor noch ganz andere Ziele zu verfolgen, und das ist ihnen vorzuhalten.Aber von Anfang an: NAZA steht für »nezek agavi«, den hebräischen Begriff für Kollateralschaden. Der gibt in diesem Fall vor, wie viele Zivilisten man bereit ist zu töten, um einen Hamas- oder Islamischer-Dschihad-Anführer auszuschalten. Die Prämisse des Films lautet, das israelische Militär habe den »Naza« immer wieder sehr hoch angesetzt, weil die Zahl ziviler Opfer in Gaza in dem aus den Hamas-Massakern im Süden Israels am 7. Oktober 2023 resultierenden Krieg besonders hoch ist – seriöse Organisationen wie »The Lancet« und das Max-Planck-Institut kommen erstaunlicherweise zu vergleichbaren Ergebnissen wie die Hamas, die 73.000 angibt (was auch Terroristen einschließt). Angeblich bis zu 500. Und das mithilfe von Künstlicher Intelligenz, die Ziele ausmache, lokalisiere und den »Naza« berechne.
Aussehen und Stimmen digital verändert
Zum Beweis führt der Film angebliche Soldaten aus der Einheit 8200 der israelischen Armee (IDF) vor, die Abraham interviewt. »8200« ist die Elite-Einheit für Cyberkriegsführung und Signalaufklärung. Sowohl das Aussehen der Interviewten als auch deren Stimmen wurden verändert, so die Macher, um sicherzugehen, dass niemand die »Whistleblower« erkennen kann.Was diese berichten, ist unerträglich grauenhaft. Das Versagen von Empathie und Menschlichkeit. Die Entmenschlichung von Zielen durch räumliche Trennung, da die Drohnenlenker an Computern mehr als 60 Kilometer entfernt vom Explosionsort säßen. Kaum einem fällt es leicht zu sprechen. Geführt wurden die Interviews ab 2023, und sie waren ursprünglich Grundlage für Artikel, die Abraham in der britischen Zeitung »Guardian«, bei dem linken israelischen Online-Medium » 972« und der ebenfalls israelischen News-Website »Sikha Mekomit«........
