»Wir sehen nur die Spitze des Eisbergs«
04. April 2026 – 17. Nissan 5786
AboAngebote PrintAbo-Service
AboAngebote PrintAbo-Service
»Wir sehen nur die Spitze des Eisbergs«
Der ehemalige Armeesprecher erzählte aus seiner Zeit ber den IDF und sprach über das Rehabilitationsdorf Adi Negev
In der vergangenen Woche war Daniel Hagari, ehemaliger Sprecher der israelischen Armee, auf Einladung von Keren Hayesod und der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern im Jüdischen Gemeindezentrum zu Gast – eine Stimme, die seit dem 7. Oktober 2023 weit über Israel hinaus Gehör gefunden hat.
Zur Begrüßung fand IKG-Vizepräsident Yehoshua Chmiel deutliche Worte: Es sei schwer, Sprecher einer Armee zu sein »in einer Welt, die alles, was mit wehrhaften Juden zu tun hat, ausblenden möchte«. Hagari sei es gelungen, »das Vertrauen der israelischen Bevölkerung in ihre eigene Wehrhaftigkeit wiederherzustellen«.
Auch Amir Borenstein, Vorsitzender des Keren Hayesod in München, betonte, Hagari sei eine »Stimme der Klarheit und der Ruhe«. Unter den Anwesenden im bis auf den letzten Platz besetzten Hubert-Burda-Saal waren unter anderem der Militärrabbiner der Bundeswehr, Zsolt Balla, sowie die israelische Vizekonsulin Silvia Berladski Baruch, die ihrerseits die enge Verbundenheit zwischen Israel und der Diaspora unterstrich. Neben der sicherheitspolitischen Perspektive stand an diesem Abend auch konkrete Hilfe im Mittelpunkt.
Zum Ende des Abends schloss sich der Kreis zu Adi Negev.
Eugenia Kashi, Leiterin des Büros des Keren Hayesod in München, berichtete über die Arbeit der Organisation, die sich aktuell auf Unterstützung für Reservisten, Terroropfer und den Wiederaufbau in Israel konzentriere. Besonders im Fokus: das Rehabilitationsdorf Adi Negev nahe Beer Schewa, wo seit dem 7. Oktober Hunderte Soldaten sowie traumatisierte Zivilisten behandelt werden.
Im Gespräch mit Eitan Küppers-Levi gewährte Daniel Hagari auch persönliche Einblicke. Der in Tel Aviv geborene Konteradmiral, dessen Großvater aus Berlin stammt, war erst sechs Monate Sprecher der israelischen Armee (IDF), als 2023 der Krieg begann. Sein Ziel sei es damals gewesen, das Vertrauen in die IDF durch Transparenz und Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen.
Seine Auftritte wurden schnell zu mehr als Pressebriefings: Befreite Geiseln berichteten ihm später, sie hätten ihn in Gaza im Fernsehen gesehen – seine Statements wurden live auf Al Jazeera ausgestrahlt. Folglich habe Hagari seine Worte auch als Botschaften der Hoffnung direkt an die Entführten gerichtet. Gleichzeitig habe er gegen Desinformation angekämpft, jede Meldung persönlich überprüft, in Pressekonferenzen Beweise vorgelegt – wohl wissend, dass Fakten oft kaum Wirkung entfalten.
Zum Ende des Abends schloss sich der Kreis zu Adi Negev. Hagaris eigener Bruder, der mit einer Behinderung geboren wurde, lebt in diesem Dorf. Das Projekt und dessen Wirken, vor allem für traumatisierte Soldaten und Familienangehörige, schätze er sehr. »Wir sehen nur die Spitze des Eisbergs«, sagte er, »darunter liegt viel Trauma und Schmerz.«
Der Abend machte deutlich, dass die Folgen des Krieges weit über das unmittelbare Geschehen hinausreichen – und dass ihre Bewältigung langfristige Unterstützung und Aufmerksamkeit erfordert.
Die Synagoge Possartstraße bewahrt Traditionen – und richtet sich neu aus
von Esther Martel 04.04.2026
Es ist unsere Freiheit
Zu Pessach setzen wir unser Vertrauen in die Kraft des Guten
von Charlotte Knobloch 31.03.2026
Für viele bedeutet der Seder, auf geliebte Menschen zu verzichten. Hier erzählen vier Frauen und Männer, wer an Pessach fehlt – und was ihnen Hoffnung gibt
von Nicole Dreyfus 31.03.2026
Führung, Erinnerung und Vorträge: Termine und TV-Tipps
Termine und Tipps für den Zeitraum vom 2. April bis zum 16. April
Viele Besucher und noch mehr gute Laune gab es beim Streetfoodfestival auf dem Pears-Campus von Chabad in Berlin. Bereits zum fünften Mal probierten sich Gäste durch das Angebot
von Alicia Rust 29.03.2026
Das Gedenken schützen
Ein linksextremes Bündnis plant zum Jahrestag der Befreiung Buchenwalds eine antisemitische Kundgebung. Thüringens Juden wehren sich gegen die Provokation
von Reinhard Schramm, Marek Sierka 29.03.2026
Judit Marach hat in einem Seniorenheim gearbeitet – heute ist sie Schulsekretärin
von Gerhard Haase-Hindenberg 29.03.2026
Fast neun Jahrzehnte nach dem Novemberpogrom 1938 wird der Silberschmuck einer Torarolle erstmals als Einheit präsentiert
von Eugen El 29.03.2026
Zu Hause zwischen den Stühlen
Der Schauspieler stellte sein neues Buch vor und verzauberte das Publikum mit Gesang, Rezitationen – und sogar als Bauchredner
von Nora Niemann 29.03.2026
+49 30 275833 0 Mo-Do 9-17 Uhr Fr 9-14 Uhrverlag@juedische-allgemeine.deredaktion@juedische-allgemeine.de
© 2026 Jüdische Allgemeine Impressum/Datenschutzerklärung/AGB/Privatsphäre
