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Darum bleibe ich

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23.07.2026

23. Juli 2026 – 9. Aw 5786

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Der 7. Oktober hat unsere Autorin zu einem anderen Menschen gemacht. Und beinahe wäre sie nach Israel ausgewandert. Vieles aber hält sie hier – aus gutem Grund

Als ich elf Jahre alt war, überzeugten Freunde meiner Eltern sie davon, dass uns Kindern dringend auch ein Bezug zum Judentum vermittelt werden müsse. In meiner ziemlich jüdischen Familie hatte nämlich niemand auch nur den blassesten Schimmer von jüdischer Tradition, Religion und den Feiertagen. Völlig ahnungslos schickten uns unsere Eltern also auf den Rat der Freunde zur ZJD, der Zionistischen Jugend Deutschland.

Hier wurde viel über Israel und seine Bedeutung für Juden geredet. Ein Land, in dem ich zuvor nie gewesen war und zu dem ich keinerlei Bezug hatte. Es wurde über jüdische Zusammengehörigkeit, Halt und Identität, über Stolz und Patriotismus geredet. All das war mir vollkommen fremd, und weil ich es doof fand, wechselte ich ins Jugendzentrum der Jüdischen Gemeinde.

Es gibt weniger zu essen, die Eltern werden gesiezt, und insgesamt wird dort weniger gelacht und gefeixt

Mein Jüdischsein bestand damals aus den Beobachtungen: Bei meinen nichtjüdischen Freunden gibt es weniger zu essen, die Eltern werden gesiezt, und insgesamt wird dort weniger gelacht und gefeixt. Natürlich wusste ich auch um die Erfahrungen meiner Großeltern in Konzentrationslagern. Ein weiterer Bestandteil meines Jüdischseins war rückblickend vielleicht auch meine Hellhörigkeit und Vorsicht, mit der ich anderen schon früh begegnet bin.

Ich war ein assimiliertes Kind mit tschechoslowakischen Wurzeln.

Ich war ein assimiliertes Kind mit tschechoslowakischen Wurzeln.

Worte hatten für mich eine andere Bedeutung als für nichtjüdische Mitschüler und Freunde. Gas, Rampe und Block beispielsweise waren keine simplen Begriffe für mich. Sie lösten Gefühle aus. Ungeachtet des Kontextes. Aber das verstand ich erst später.

Insgesamt war ich ein assimiliertes Kind mit tschechoslowakisch-jüdischen Wurzeln. Mit der ZJD und dem Heilsgedanken an Israel konnte ich damals also überhaupt nichts anfangen.

Das änderte sich schlagartig mit dem 7. Oktober 2023. Die grauenvollen Nachrichten um die Massaker entfachten in mir ein so starkes Zugehörigkeitsgefühl zu Israel, wie ich es niemals........

© Juedische Allgemeine