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Absturz der ÖFB-Frauen: Das 1:5 gegen Deutschland ist noch die kleinste Sorge

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Auch im achten Duell mussten sich Österreichs Fußballerinnen gegen Deutschland geschlagen geben, und grundsätzlich ist eine Niederlage der Nummer 23 gegen die Nummer drei der Welt nun einmal der wahrscheinlichste Lauf der Dinge. Dennoch, in dieser 1:5-Niederlage spiegelt sich wider, warum die Entwicklung der ÖFB-Frauen in den vergangenen Jahren nachdenklich stimmt.

Als sich die beiden Teams im Viertelfinale der EM 2022 in England trafen, stellte nicht nur das österreichische Pressing die Deutschen eine gute Stunde lang vor große Probleme, drei Aluminium-Treffer unterstrichen auch die eigenen Ambitionen. Am Ende stand mit 0:2 ebenfalls nichts Zählbares, sondern das EM-Aus, trotzdem belegte dieser Auftritt die Fortschritte seit der vorangegangenen EM 2017, als sich Österreich erfolgreich bis ins Halbfinale gemauert hatte. Fünf Jahre später spielten die ÖFB-Frauen nämlich über weite Phasen mit einer Großmacht wie Deutschland mit, und hatten zuvor dank einer der besten Leistungen der Geschichte mit Norwegen bereits einen anderen großen Namen hochverdient ausgeschaltet.

Dem von Dominik Thalhammer etablierten Pressing hatte Irene Fuhrmann eigene Ideen mit Ball hinzugefügt, all das wurde getragen von einer „goldenen Generation“, die sich über Jahre eingespielt hatte. Der unausweichliche Generationenumbruch ist eine hohe Kunst, die nach jenem Turnier nicht nachhaltig gelungen ist und die dem Frauen-Nationalteam angesichts von gleich vier Kreuzbandriss-Ausfällen aktuell erst recht zu schaffen macht. Umso wichtiger ist die klare Spielphilosophie, bei der Alexander Schriebl zuletzt jedoch auch eine Kehrtwende gemacht hat.

Viele Gegentore, zu wenig eigene Offensivgefahr

Im Vorjahr ließ der Teamchef die ÖFB-Frauen noch bedingungslos anrennen: Gegen Deutschland und die Niederlande ging man mit wehenden Fahnen unter (Torverhältnis 3:16), gegen weniger aktive Gegner wie Schottland oder im Playoff Tschechien mühte man sich. Zum Auftakt der WM-Qualifikation regierte dann gegen Norwegen und nun Deutschland wie 2017 eine Fünferkette mit tiefem Block. Doch neun Jahre im sich rasant entwickelnden Frauen-Fußball später stößt diese Intensität erst recht an physische Grenzen (in Nürnberg 45 Minuten), die offensiven Nadelstiche sind deutlich weniger gefährlich als 2022. Die Defizite mit Ball kamen dann auch beim absolut enttäuschenden 0:1 in Slowenien, dem ersten Duell im Kampf um Platz drei dieser Gruppe, zu tragen.

Das ursprüngliche Konzept, das Österreichs Fußballerinnen in die erweiterte Weltspitze getragen hat, ist längst überholt. Die Frage, welche Vision, welchen Plan und welche Maßnahmen der ÖFB für die Zukunft verfolgt, ist nach Verpassen der WM 2023 und EM 2025 drängender denn je. Nach wie vor gibt es viel zu wenige Spielerinnen im Land, die Entwicklung der Liga schreitet im internationalen Vergleich immer noch zu langsam voran. All diese Baustellen wurden vom Hoch der beiden EM-Teilnahmen lediglich überdeckt, aber nie behoben. Die Rechnung dafür ist nun auch auf dem Platz zu sehen.

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