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Wenn Angst nach Härte verlangt

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21.03.2026

Aus der Serie: Die besten Bücher sind die, die man sich selbst zum Geburtstag schenkt.

Wenn ich sage, Trumps Verbot von kritischer Literatur, das ist ja wie die Bücherverbrennung, unterstelle ich dann womöglich, dass da demnächst so etwas wie die Endlösung passiert? Natürlich nicht. Und deshalb scheint mir, dass wir auf einer übergeordneten, abstrakteren Ebene nach Definitionen des neuen Faschismus suchen müssen, die sowohl für vergangene aber auch gegenwärtige Mobilisierungen greifen. © Eva v. Redecker (im Interview mit ttt, 15.03.2026)

Wenn ich sage, Trumps Verbot von kritischer Literatur, das ist ja wie die Bücherverbrennung, unterstelle ich dann womöglich, dass da demnächst so etwas wie die Endlösung passiert? Natürlich nicht. Und deshalb scheint mir, dass wir auf einer übergeordneten, abstrakteren Ebene nach Definitionen des neuen Faschismus suchen müssen, die sowohl für vergangene aber auch gegenwärtige Mobilisierungen greifen. © Eva v. Redecker (im Interview mit ttt, 15.03.2026)

Die Härte, die wir meinen, wenn wir „Realität“ sagen

Es ist ein vertrautes Gefühl dieser Gegenwart: Dass irgendetwas verteidigt werden muss.

Die eigene Wohnung. Der eigene Lebensstandard. Das „Eigene“ überhaupt.

Und je diffuser die Bedrohung, desto entschlossener der Ton. Genau hier setzt Eva von Redecker an. Ihr neues Buch ist kein Beitrag zur historischen Einordnung des Faschismus. Es ist ein Versuch, die Stimmung zu fassen, die ihn heute wieder denkbar macht.

Der Titel ist dabei fast zu harmlos. Dieser Drang nach Härte klingt wie eine Charaktereigenschaft. Was Redecker beschreibt, ist jedoch ein hochproblematischer gesellschaftlicher Aggregatzustand.

Der schärfste und originellste Begriff des Buches ist der des Phantombesitzes.

Gemeint ist damit nicht einfach Eigentum. Sondern etwas viel Instabileres: ein Anspruch, der sich absolut setzt, obwohl seine Grundlage längst brüchig ist.

Redecker beschreibt – sinngemäß – eine Welt, in der Menschen so tun, als sei ihr Besitz unantastbar, obwohl alles darauf hinweist, dass er es nicht ist: ökologisch, ökonomisch, politisch. Der Lebensstil der Gegenwart basiert auf Voraussetzungen, die er........

© Die Kolumnisten