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Darf man „Reiß dich mal zusammen“ sagen?: Nicht jede Unzufriedenheit ist gleich ein psychisches Problem

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Als neulich im Fitnessstudio die Bauchmuskelübungen drankamen und auf fast allen Matten „Ich kann nicht mehr“ gejammert wurde, bis der Trainer „Ruhe! Weitermachen! Strengt euch mal an!“ schrie, war ich begeistert. Wie inzwischen öfter, wenn jemand sich traut, Befindlichkeitsäußerungen anderer einfach beiseitezuwischen.

Mir ist diese Art Mut zur Gegenrede – wenn man das mal so nennen will – fremd. Ich mache das praktisch nie, sondern habe mich voll aufs Zuhören, Mitfühlen und Verstehenwollen eingestellt.

Inzwischen frage ich mich allerdings öfter, ob das immer die richtige Reaktion ist. Und vielleicht bin ich nicht die Einzige, der es so geht. Zumindest eine Freundin äußerte sich neulich ähnlich.

Sie fragte: „Kann ich eigentlich wieder ,Reiß dich mal zusammen‘ sagen, wenn mir jemand allzu oft sein Leid klagt?“ Manchmal liege ihr das auf der Zunge. Sie denke zwar: Ja, stimmt, da ist etwas dumm gelaufen bei dir, aber musst du das wirklich so wichtig nehmen, so analysieren, durchdringen wollen, zum Thema machen?

Aber sie reiße sich dann selbst zusammen und halte den Mund. Ich kenne solche Situationen auch.

Wenn eine Kollegin erzählt, dass sie sich im Meeting nicht durchsetzen konnte – und dafür ihre Kindheit verantwortlich macht, in der ihr niemand das nötige Urvertrauen für souveräne Auftritte gegeben hat –, denke ich heute nicht mehr nur: Oh ja, das ist wirklich eine Bürde, mit der du da leben musst. Heute füge ich im Geiste an: Oder warst du........

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