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Désirée Nosbusch: „Mit dem BER habe ich mich bis heute nicht angefreundet“

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Gerade erst durfte sich Désirée Nosbusch die Quotenkrone des deutschen Fernsehens aufsetzen: 5,64 Millionen Zuschauer verfolgten Anfang März den ZDF-Thriller „In fremden Händen“ mit ihr in der Hauptrolle.Die Luxemburgerin ist eine Frau mit vielen Talenten. Sie spricht sechs Sprachen, ist eine international gefragte Moderatorin und führt Regie. Für Erfolgsproduktionen wie „Bad Banks“ ist Désirée Nosbusch ein Glücksfall gewesen. Und auch „Der Irland-Krimi“ lebt von ihrer schauspielerischen Präsenz.

Zwei neue Folgen der ARD-Degeto-Reihe mit Désirée Nosbusch in der Hauptrolle der Kriminalpsychologin Cathrin Blake werden im April ausgestrahlt. Grund genug, die Grimme-Preisträgerin in unserem Berlin-Fragebogen über ihre Liebe zur Stadt zu befragen.

1. Frau Nosbusch, Sie sind 1965 im luxemburgischen Esch an der Alzette zur Welt gekommen. Wann hat es Sie zum ersten Mal nach Berlin verschlagen? Das war mit vierzehn. Für das ZDF durfte ich auf der IFA den „Spielexpress“ moderieren. Untergebracht war ich in einem Hotel namens „Die Börse“ am Kudamm. Abends bin ich heimlich durch den Hinterausgang über den Hof auf den Kurfürstendamm geschlichen und habe mir die vielen Lichter angeschaut. Für mich, die ich aus einem kleinen Dorf kam, war das alles überwältigend. Ich weiß noch, dass ich damals dachte: Irgendwann werde ich hier einmal länger sein.

2. Das klingt nach einem guten ersten Eindruck, oder?  Ich hatte wirklich das Gefühl: Jetzt bin ich in der großen, weiten Welt angekommen. Berlin und ich – wir haben uns sofort ineinander verliebt. In Berlin nennt man es „Berliner Schnauze“, bei uns im Süden Luxemburgs sagt man „vun der Long op d’Zong“ – von der Lunge zur Zunge. Wir passen also gut zusammen.

3. Wie lange haben Sie dann tatsächlich in Berlin gelebt – und inwiefern hat sich das Leben hier vom Leben in Ihren anderen Wohnorten, etwa in den USA oder in Luxemburg, unterschieden? Wirklich in Berlin gelebt habe ich nie. Aber vor über zwanzig Jahren habe ich mir eine Wohnung in Wilmersdorf gemietet, in einem Haus, in dem Romy Schneider wohl öfter bei einer befreundeten Fotografin gewohnt hat. Da ich der größte Romy-Schneider-Fan bin, musste ich diese Wohnung einfach haben. Heute genieße ich Berlin und seine vielen verschiedenen Gesichter – und habe das große Glück, dass mir meine Arbeit erlaubt, oft und auch länger dort zu sein. Das Leben in Berlin kann man nicht mit dem Leben in Luxemburg oder Los Angeles vergleichen. In L.A. sitzt man ständig im Auto, und in Luxemburg ist alles eher übersichtlich. In Berlin dagegen kann ich mich stundenlang zu Fuß durch die Stadt treiben lassen und entdecke immer wieder etwas Neues.

4. Zu welchen Berliner Stadtteilen haben Sie einen besonderen Bezug?Ich bin im Wilmersdorfer Kiez zu Hause. Auch wenn ich nicht immer den Alltag in Berlin lebe: Ich bin jedes Jahr zum Opus Klassik und zur Berlinale in der Stadt – zwei Events, die ich auf keinen Fall verpassen möchte. Und letztes Jahr kam noch ein ganz besonderer Dreh dazu: ein Film namens „Eine Nacht in Bangkok“ unter der Regie von Rainer Kaufmann. Mehr davon erzähle ich euch ganz bald.

5. Werden Sie in der Stadt oft erkannt und angesprochen?  Ja, das werde ich. Ich habe immer das Gefühl gehabt, dass die Berliner mich mögen – oder mich zumindest verstehen. Meine Begegnungen mit ihnen waren immer positiv. Auch in früheren Zeiten, als ich eher umstritten war und man zum Beispiel in München nichts von mir wissen wollte, haben die Berliner mich immer willkommen geheißen.

6. In der Außenwahrnehmung wird ja sehr viel über Berlin geschimpft: Die Stadt habe sich zum Negativen verändert, verwahrlose zusehends. Wie nehmen Sie diese Debatten wahr? Man darf auch nicht vergessen, dass Berlin früher eine Insel war. Heute ist die Stadt eine der internationalsten Metropolen Europas. Dass das nicht nur Energie und Vielfalt mit sich bringt, sondern manchmal auch Spannungen und Aggressionen, ist eigentlich logisch. Trotzdem ertappe ich mich auch dabei, dass ich manchmal denke, die Stadt sei dreckiger geworden. Am Olivaer Platz liegt viel Müll herum, und kaum ist etwas renoviert, wird es mit Graffiti besprüht. Das sagt auch etwas über die Liebe der Menschen zu ihrer eigenen Stadt aus. Ich werfe auch keinen Pizzakarton einfach auf den Boden meines Wohnzimmers.

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7. Welche Veränderungen sind Ihnen in den letzten zehn, fünfzehn Jahren besonders aufgefallen? Alles ist größer und internationaler geworden. Das hat der Stadt viel Energie gegeben, aber auch das Gefühl verstärkt, dass Berlin sich stärker nach außen orientiert. Dadurch verschwindet das alte Kiezgefühl ein wenig.

8. Welcher ist Ihr Lieblingsort in der Stadt? Monsieur Vuong in Mitte ist meine Kantine.

9. Ihre persönliche No-go-Area?  Mit dem Hauptbahnhof und dem neuen Flughafen habe ich mich bis heute nicht wirklich angefreundet. Der Hauptbahnhof hat zwar viele Züge, ist aber auch an jeder Ecke ziemlich zugig. Und am Flughafen rennt man sich die Hacken wund.

10. Wo in Berlin wollten Sie immer schon mal hin, haben es aber noch nie geschafft? In den Friedrichstadt-Palast. Und dann würde ich wahnsinnig gerne mal mit einem Bootchen durch die Berliner Kanäle und über die Spree schippern.

11. Ein Abend mit Freunden – in welchem Restaurant wird reserviert? Wenn ich nicht selbst zu Hause an meinem 3,30 Meter langen Tisch Knoblauchspaghetti serviere, dann bei meinem Italiener an der Ecke. Welcher das ist, bleibt mein Geheimnis.

12. Einkaufen in der Stadt: In welchem Laden kennt Ihre Kreditkarte kein Limit? Leider kennt meine Kreditkarte immer ihr Limit.

13. Der beste Stadtteil Berlins?  Wilmersdorf und Charlottenburg. Dort habe ich als junges Mädchen meine ersten Berlin-Erfahrungen gemacht, und bis heute fühle ich mich dort ein bisschen wie zu Hause. Am Berliner Funkturm hat damals für mich beruflich alles angefangen – wahrscheinlich bin ich deshalb immer in der Nähe dieses langen Lulatschs geblieben.

14. Was nervt Sie am meisten an der Stadt? Dass viele Hundebesitzer – ich bin auch eine – die Häufchen ihrer Hunde nicht aufheben und entsorgen. Dabei hat die Berliner Stadtreinigung seit Jahren so herrlich humorvolle Sprüche auf ihren orangefarbenen Mülleimern.

15. Wie sieht Ihr perfektes Wochenende in Berlin aus – vom ersten Kaffee am Morgen bis zum letzten Drink in der Nacht?  Auf dem Sofa: morgens Kaffee, abends Tee – und dazwischen drei Folgen „Der Pate“ schauen, während man draußen die Geräusche der Stadt hört. Auf keinen Fall fehlen darf ein Spaziergang mit meinem Hund Bowie um den Grunewaldsee und abends ein Besuch in einem der vielen wunderbaren Theater Berlins.


© Berliner Zeitung