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Wie ich meinen Freund an den IS verlor

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16.06.2026

„So geht das. Eins, zwei. Einfach jeden Tag tausend Mal üben“, erklärte mir Rustam, während wir beide im Trainingskeller unseres damaligen Innsbrucker Boxclubs gegen Sandsäcke schlugen. Ich musste grinsen. Er lächelte auch. „Hey, ich mein’ das ernst!“, sagte er.

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Das war vor über 15 Jahren. Damals war ich gerade mal achtzehn Jahre alt und Rustam, mein tschetschenischer Freund, der nach dem Helden einer persischen Sage benannt war, war Anfang zwanzig. Wie viele andere Menschen aus seiner Heimat war er vor dem Krieg, den Russland über Tschetschenien gebracht hatte, geflüchtet und in Österreich gelandet. Wir waren damals junge Burschen, und auch in Innsbruck hatten vor allem Afghanen und Tschetschenen so etwas wie einen schlechten Ruf. Zumindest auf der Straße.

Dabei war Rustam der Vorzeigemigrant schlechthin: Er studierte, kümmerte sich um seine Familie, ging arbeiten und machte sich nebenbei mit einem kleinen Online-Business selbstständig. Ich war nicht der Einzige, der ihn dafür bewunderte. Hinzu kam, dass Rustam ein frommer Muslim war. Manchmal gingen wir gemeinsam zum Freitagsgebet. Wir tauschten uns oft über den Islam aus und wie dieser in Österreich sowie in unseren Heimatländern gelebt wird.

Natürlich ging es oft auch um Politik. Damals war der Krieg in Syrien in seiner Anfangsphase. Ich beobachtete nicht nur Diktator Bashar al-Assad skeptisch, sondern auch die Rebellengruppierungen, die ihn bekämpften. Unter ihnen befanden sich auch militant-islamistische Extremisten. „Du schaust zu viel Russia Today. Pass auf!“, sagte mir Rustam. Dass Putins Propagandasender viel Unfug verbreitete, war richtig. Meine Skepsis beruhte allerdings auf der Geschichte des........

© Wiener Zeitung