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Ultravox: Kann die Deluxe-Edition einer Best-of funktionieren?

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28.03.2026

Wenn es um die großen Synthiepop-Bands der 80er-Jahre geht, werden verlässlich Namen genannt wie Depeche Mode, Pet Shop Boys oder Duran Duran. Ultravox aber fallen im historischen Rückblick oft durch. Superstar-Status? Fehlanzeige. Obwohl die Gruppe bis Mitte des Jahrzehnts zu den erfolgreichsten und prägenden Musikern dieser Ära gehörte. Frontmann Midge Ure, auch als Solo-Künstler und Mitinitiator von „Live Aid“, zu den bestimmenden Größen im Pop-Bereich.

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Nach einer Durststrecke in den 70ern, zuerst unter dem Namen Tiger Lily, stieg Bandgründer und Sänger John Foxx aus und Midge Ure (bisher bei Slik, Rich Kids, Visage oder als Tourgitarrist bei Thin Lizzy) ein. Mit dem Schotten kommen die Hits: Vier Alben lang, von 1980 bis 1984, definierte Ultravox den zumeist synthetisch erzeugten Sound der jungen Dekade mit. Der Erfolg ist so enorm, dass sich Band und Plattenfirma bereits 1984 entscheiden, ein Best-of-Album zusammenzustellen.

Ultravox feiern mit „The Collection“ weltweiten Charterfolg

„The Collection“ versammelt alle 14 Singles der Band bis zu diesem Zeitpunkt, mit Klassikern wie dem Anti-Atomkriegssong „Dancing with Tears in my Eyes“, den wohl bekanntesten Song „Vienna“ oder „Hymn“. Lediglich ein Lied haben die Musiker extra für die Platte aufgenommen: „Loves great Adventure“.

Die Entscheidung für das Konglomerat an Single-Auskopplungen war eine richtige: „The Collection“ verkauft sich weltweit mehr als zwei Millionen Mal, es gibt Dreifach-Platin im Heimatmarkt Großbritannien. Die Hits der vergangenen Monate und Jahre sorgen in dieser Zweitverwertung für einen erneuten Charterfolg für Ultravox. Er wird, zumindest in dieser Größenordnung, der letzte für die Band sein.

Deluxe-Box vereint Hits, Raritäten und unveröffentlichtes Material

Doch die Wiederentdeckung der Gruppe durch spätere Generationen an Musikern und Fans sowie die anhaltende Beliebtheit der Singles-Kollektion hat die bei Wiederveröffentlichungen akribisch in den Archiven ackernde Plattenfirma Chrysalis zu einer ungewöhnlichen Entscheidung bewogen: Mit „The Collection“ wird eine Best-of als erweiterte Deluxe-Edition veröffentlicht.

Neben der einfachen CD und Doppel-Vinyl liegt eine Box mit vier CDs, zwei Blu-Rays und zwei Booklets vor: Zu den 14 Hits gibt es eine weitere Disc mit 14 Singles und alternativen sowie unveröffentlichten Versionen von 1986 bis 2024. Also auch aus der Zeit der Wiedervereinigung von 2008 bis 2013. Die 19 B-Seiten der Band füllen eine eigene Disc.

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Diese Masse an Songs pumpt die erfolgreichste Best-of von Ultravox gewollt um einiges auf. Die meisten dieser Tracks aber finden sich bereits auf den Re-Releases der Studioalben aus den vergangenen Jahren. Ein echter Bonus für Hardcore-Fans ist hingegen die CD mit neuen Mixen: Sound-Experte Steven Wilson, Midge Ure und Blank & Jones haben nachträglich von einigen Tracks die in den 80ern beliebten Extended Mixe, in Deutschland auch Maxi-Versionen genannt, angefertigt. 

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Archiv-Schätze wiederum finden sich auf den beiden Blu-Rays: Mehr als vier Stunden Filmmaterial mit den teils aufwendig produzierten und an den Film-Noir-Stil angelehnten Musikvideos sowie vielen Live- und TV-Auftritten, etwa bei der englischen Musiksendung „Top of the Pops“.

Wir stellen in #langenichtgehört vergessene, verkannte oder einst viel gehörte Alben vor. Alle Folgen gibt es hier.


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