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Deutsche Minenräumer in der Straße von Hormus? Das schlägt in Europa eine gefährliche Lücke

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17.04.2026

Deutschland könnte schon bald spezialisierte Kriegsschiffe in die Straße von Hormus schicken, um gefährliche Seeminen unschädlich zu machen. Doch weil es zu wenige geeignete Boote gebe, drohe das die Fähigkeit, mögliche russische Aggressionen gegen Europa abzuwehren, empfindlich zu schwächen, warnt der Marine-Experte Sebastian Bruns gegenüber unserer Redaktion. Der Iran hat die strategisch bedeutende Wasserstraße im Konflikt mit den USA und Israel mutmaßlich mit zahlreichen Sprengkörpern versehen, was einen geregelten Schiffsverkehr unmöglich macht und damit die Weltwirtschaft erschüttert. Zwar verfüge die Deutsche Marine über zehn Minenräumschiffe, in der Praxis bedeute das jedoch, dass lediglich drei Boote tatsächlich im Einsatz sein könnten, so Bruns. Um ein Schiff über einen längeren Zeitraum in einer Mission zu halten, würden in Rotation insgesamt drei Schiffe benötigt. Das besage die Faustformel der „Marine-Mathematik“: „Eines erfüllt die tatsächlichen Aufgaben auf See, auf einem weiteren trainiert bereits die nächste Besatzung, ein drittes wird in der Werft überholt, bevor es wieder in den Einsatz geht.“  Der Kieler Politikwissenschaftler: „Die Minenräumer werden auch an der Nordflanke gebraucht.“ Dort fürchten die baltischen und skandinavischen Bündnispartner nach dem Schock des Ukraine-Kriegs russische Aggression.

Ein Marine-Einsatz hätte Konsequenzen

Nach Bundeswehr-Angaben sind stets zwei der Boote des Geschwaders an den beiden großen ständigen NATO-Minenabwehrverbänden im Mittelmeer und Nordostatlantik beteiligt. Laut Bruns wäre ein längerer Nahost-Einsatz also nicht möglich, ohne andernorts Lücken zu hinterlassen. Für sinnvoll hielte er eine deutsche Beteiligung dennoch, auch als Signal an US-Präsident Trump, der den Nato-Partnern Untätigkeit im Iran-Konflikt vorwirft.

SPD nennt Bedingungen für Zustimmung

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) verhandelte am Freitag in Paris mit internationalen Partnern über einen Beitrag zu einer internationalen Mission, der sozialdemokratische Koalitionspartner hat die Bedingungen für eine Zustimmung genannt. SPD-Verteidigungsexperte Christoph Schmid sagte unserer Redaktion, es liege im deutschen Interesse, zur Stabilisierung der strategisch bedeutenden Region beizutragen: „Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Blockade der Straße von Hormus spüren wir ja bereits.“ Schmid weiter: „Voraussetzungen hierfür bleiben ein tragfähiger Waffenstillstand, ein internationales Mandat sowie die Zustimmung des Deutschen Bundestags.“  Viel zu oft werde darüber gesprochen, „was die Bundeswehr vermeintlich nicht kann“, hier gebe es dagegen gleich mehrere Möglichkeiten. Schmid: „Diese reichen vom Einsatz des Seefernaufklärers P8 Poseidon über Minenjagdboote oder Versorgungsschiffe.“

Schon einmal sorgten deutsche Schiffe in Nahost für Sicherheit

Auch Marine-Experte Bruns bescheinigt der Marine auf dem Gebiet der Minenräumung eine hohe Kompetenz. Das habe historische Gründe. Nach 1945 waren Bruns zufolge deutsche Minenräumschiffe unter alliierter Kontrolle damit beschäftigt, die Meere vor der  Küste wieder gefahrlos befahrbar zu machen. „Auch im Ost-West-Konflikt sollten spezialisierte Boote sowohl gegnerische Minen unschädlich machen, als auch eigene Minen zur Abwehr feindlicher Schiffe legen können“, sagt Experte Bruns. Für die Marine mit ihrem in Kiel stationierten 3. Minensuchgeschwader wäre es zudem nicht der erste Einsatz in Nahost: „In den Jahren 1990 und 1991 haben deutsche Schiffe schon einmal in der Straße von Hormus für Sicherheit gesorgt.“ Damals, nach dem ersten Golfkrieg zwischen den USA und Irak, mussten zahlreiche vom Irak verlegte Seeminen unschädlich gemacht werden.

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