Willkommen bei den Ortegas
Wer in den frühen 1980er-Jahren spirituelle Erleuchtung suchte, den zog es nicht selten zum Guru Bhagwan ins indische Poona. Wer es eher mit christlicher Gemeinschaft hielt, reiste zu Bruder Roger ins burgundische Taizé. Für einige europäische Hardcore-Linke lag ihr Shangri-La in Mittelamerika. In Nicaragua hatte Daniel Ortega 1979 mit der „Frente Sandinista“ den autoritären Machthaber Anastasio Somoza gestürzt. Der schnauzbärtige Revolutionär wurde damit zum Feind der USA und gleichzeitig zum Idol vieler linker Sympathisanten. 1990 endete der Bürgerkrieg gegen eine von der US-Regierung unterstützte Rebellenbewegung, und es kam zu demokratischen Wahlen. Ortega verlor überraschend gegen die liberale Verlegerin Violeta Chamorro, akzeptierte jedoch das Ergebnis – eine seiner wenigen politischen Entscheidungen, die langfristig als klug gelten.
2007 kehrte Ortega durch Wahlen an die Macht zurück. Doch was folgte, war keine zweite Chance für die Demokratie, sondern deren schrittweise Demontage. Aus der einstigen Revolutionsfigur ist ein Herrscher geworden, der Nicaragua wie Privateigentum behandelt. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Rosario Murillo hat Ortega ein System errichtet, das weniger an sozialistische Ideale erinnert als an klassische lateinamerikanische Familiendynastien.
Repression als Regierungsprinzip
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