menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Richtig streiten #5: Die Kontinuität des Begründens

10 0
18.05.2026

Zur Logik, zum vernünftigen Sprechen, gehört, dass man bereit ist, Gründe für seine Aussagen anzugeben. Diese Gründe müssen aber wenigstens so sein, dass man vermuten kann, dass der andere sie als Begründung akzeptiert. Wer wahrhaftig ist, muss auch nachsichtig sein: Er weiß, dass es zwischen Begründung und Aussage oft eine Lücke gibt, die aus Gemeinsamkeiten der Diskussionsteilnehmer erst geschlossen werden muss. Zudem wird er vermuten, dass alle Äußerungen des Gesprächspartners – sowohl die Meinungen als auch die Begründungen – sinnvoll verstanden werden können, auch wenn sie mit der eigenen Sprachpraxis nicht zusammenpassen. Ein wahrhafter und nachsichtiger Streit wird nicht mit dem Ziel geführt, die Sprachpraxis des anderen zu korrigieren, sondern den Sinn seiner Äußerungen zu verstehen und die Lücken zwischen seinen Begründungen und den geäußerten Meinungen zu schließen.

Eine notwendige Gemeinsamkeit ist, dass eine gemeinsame Vorstellung davon existiert, wie es zu Ereignissen in der Wirklichkeit kommen kann, welche Gründe als Begründungen für Meinungen  dienen können.

In all dem stecken noch viele Begriffe, die geklärt werden müssen, deren Bedeutungen im Moment nur intuitiv erfasst werden können. Auch ich als Autor dieser Serie muss auf Nachsicht hoffen: Geduld derer, die dies lesen, dass vieles, was präziser durchdacht werden muss, Gegenstand weiterer Artikel sein wird. Dazu gehört auch das Verhältnis von Gründen in der Sprache und im Gespräch und den Gründen für das, was in der Wirklichkeit passiert. Dieses problematische Verhältnis ist eben bereits angeklungen.

Alice fürchtet, dass Trump auch die nächste Wahl gewinnt (Die Erstveröffentlichung dieses Beitrags war am 17.12.2018).

Welcher Art sind die Gemeinsamkeiten zwischen Bob und Alice, die benötigt werden, damit Bob die Begründungen von Alice als Gründe akzeptieren kann? Wohl gemerkt, es geht noch gar nicht darum, den Grund wirklich als ausreichend für die Aussage, die begründet werden soll, anzunehmen und somit auch der Aussage zuzustimmen. Das Akzeptieren von Gründen ist ein vielstufiger Prozess, und damit Bob der Befürchtung von Alice zustimmt, sind eine Reihe von Gemeinsamkeiten nötig.

Nehmen wir an, Alice hätte als Grund angegeben, dass die Zustimmungswerte für Trump hoch sind, obwohl er eine schlechte Politik........

© Die Kolumnisten