Wasser – flüssiges Glück
Es gab eine Zeit, da hatte ich ab und zu von Wasser geträumt. Mal schwamm ich durch ein tiefgrünes betoniertes Becken, mal blickte ich verträumt in die meereshorizontale Weite… Aber am eindrucksvollsten war die Art Traum, bei dem ich eine mit glasklarem Wasser überschwemmte Stadt erlebte, die mir keine Angst einflößte, sondern mich glücklich machte – ich liebe glasklares Wasser, in dem ich schwimmen kann.
Ich war mit meinem Mann im Sommer einen Tag lang in Konstanz und ich dachte, ich sehe meinen Traum verwirklicht! Der Bodensee so klar, so ruhig, mitten in der Stadt. Die durchzogen war von einem Kanal, der mich fast unwiderstehlich zum Einsteigen rief. Ich war kurz davor, meiner Familie meine Sehnsucht nach dieser Eintags-Stadt meiner Traumerfüllung aufzudrängen.
Aber dann erlebte ich dieses glasklare Wasser auch woanders – nämlich auf einem Kreta-Urlaub. Das Mittelmeer zeigte sich an diesem Strand von seiner türkisenen Seite und ich starrte in dieses Wasser mit einer begeisterten Fassungslosigkeit, dass ich am liebsten mich nur noch hineinwerfen wollte. Das tat ich dann auch, mit meinem Kind zusammen, das nicht genug kriegen konnte, so, dass wir uns mit Jauchzen immer wieder in die krachenden Wellen warfen. Ich wollte das – ich wollte diese Klarheit des Wassers nicht nur sehen, nicht nur darin herumplätschern, ich wollte sie mit vollem Körpereinsatz spüren. Am Abend wurde am Strand die rote Fahne gehisst – für den Rest des kurzen Urlaubs, und somit blieb es bei dem einen Tag, an dem wir diese Wassergewalten noch gerade so spüren konnten, ohne dass wir in Gefahr gerieten. Wir litten dann aber auch an Muskelkater und schaufelten am Abend das Essen herein, um die verlorene Energie wiederzuholen.
Untiefen und Dunkelheit
Es hatte aber eine Veränderung in mir gegeben, das Wasser in meinen Träumen bekam eine neue Dimension. Es war mächtig geworden, so, wie ich es in diesem hohen Wellengang auf Kreta erlebt hatte, mit Kraft, mit Gewalt, bis hin zu gefährlich. Ich träumte ab da öfter von dunklen Mäandern, die mich fortrissen, die Klarheit wich einer düsteren Undurchsichtigkeit, ich fürchtete mich davor. Das Wasser empfing und umfing mich nicht mehr mit Geborgenheit und Schönheit – es drohte mir mit seiner Tiefe und seiner Gewalt.
Augsburg – Wasser um Wasser
Ein paar Jahre später zog meine Familie – nicht nach Konstanz, sondern – nach Augsburg.........
