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„Wir verdienen viel Geld“: US-Ölkonzerne sind die großen Profiteure des Iran-Krieges

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16.03.2026

Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran hat bereits Tausende Menschen das Leben gekostet. Gleichzeitig droht der Konflikt zu einem globalen Flächenbrand zu eskalieren, dessen Folgen kaum abzusehen sind. Wie in jedem Krieg gibt es jedoch auch Gewinner; in diesem Fall sind es vor allem große amerikanische Ölkonzerne.Seit Beginn der Angriffe am 28. Februar sind die Ölpreise massiv gestiegen. Am Montagmorgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent zur Lieferung im Mai 104,61 US-Dollar. Vor Beginn des Krieges lag der Preis noch bei rund 73 Dollar. Die steigenden Preise spüren Verbraucher weltweit, etwa an der Zapfsäule. Für große Energieunternehmen hingegen bedeuten sie zusätzliche Milliarden.

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Wie die Financial Times berichtet, könnten amerikanische Ölkonzerne allein in diesem Jahr einen zusätzlichen Gewinn von mehr als 60 Milliarden Dollar erzielen, wenn sich das derzeit hohe Preisniveau hält. Berechnungen der Investmentbank Jefferies zufolge könnten amerikanische Ölproduzenten bereits im laufenden Monat rund fünf Milliarden Dollar zusätzlichen Cashflow generieren. Sollte der Preis für Öl aus den USA im Jahresdurchschnitt bei etwa 100 Dollar pro Barrel liegen, würde dies den Unternehmen insgesamt einen zusätzlichen Gewinn von rund 63,4 Milliarden Dollar bescheren.

Nachdem der Preis für die Rohölsorte Brent in der vergangenen Woche auf mehr als 100 Dollar gestiegen war, kommentierte US-Präsident Donald Trump die Entwicklung in einem Beitrag in den sozialen Medien: „Die Vereinigten Staaten sind mit Abstand der größte Ölproduzent der Welt – wenn die Ölpreise steigen, verdienen wir viel Geld.“

Amerikanische Schieferölunternehmen profitieren

Besonders profitieren könnten amerikanische Schieferölunternehmen, deren Förderanlagen überwiegend außerhalb des Nahen Ostens liegen und die daher weniger direkt von der militärischen Eskalation betroffen sind.

Für manche internationale Ölkonzerne ist die Situation dagegen komplizierter. Unternehmen wie ExxonMobil, Chevron, BP, Shell oder Total Energies verfügen über umfangreiche Förderanlagen im Persischen Golf und sind dadurch stärker von den Folgen des Krieges betroffen. Mehrere Produktionsanlagen in der Region mussten bereits schließen.

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Ein zentraler Faktor für die steigenden Preise ist die Blockade der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Energiehandelsrouten der Welt. Durch die schmale Meerenge zwischen Iran und Oman wird normalerweise etwa ein Fünftel der globalen Öl- und Gaslieferungen transportiert. Nach Angaben der Investmentbank Goldman Sachs sind derzeit rund 18 der sonst täglich transportierten 20 Millionen Barrel Öl blockiert.

Irans neuer oberster Führer Mojtaba Chamenei kündigte an, die Meerenge geschlossen zu halten, um politischen Druck auf die USA und Israel auszuüben. Für die weltweite Energieversorgung ist das ein schwerer Schock: Besonders stark betroffen ist auch der Markt für Flüssiggas, da etwa ein Fünftel der globalen LNG-Produktion über diese Route verschifft wird.

Analysten erwarten daher weitere Preissteigerungen. Laut RBC Capital Markets könnte der Konflikt noch bis in den Frühling andauern, während der Brent-Preis innerhalb weniger Wochen auf mehr als 128 Dollar pro Barrel steigen könnte.

Langfristige Folgen für die Energiemärkte

Die Internationale Energieagentur (IEA) reagierte bereits mit der Freigabe strategischer Ölreserven in Rekordhöhe von rund 400 Millionen Barrel. IEA-Direktor Fatih Birol erklärte, durch die Freigabe entstehe ein „beispielloses zusätzliches Ölangebot auf dem Markt“. Entscheidend sei jedoch, dass die Straße von Hormus wieder geöffnet werde. „Das ist unerlässlich für eine Rückkehr zu stabilen Lieferströmen“, schrieb Birol auf der Plattform X.

Doch selbst wenn die Krise kurzfristig gelöst würde, könnte sie langfristige Folgen für die Energiemärkte haben. Der Energieanalyst Paul Sankey warnte gegenüber der Financial Times, die Ereignisse könnten eine grundlegende Neubewertung der globalen Energieversorgung auslösen. Staaten könnten stärker auf eigene Energiequellen setzen, um sich gegen geopolitische Risiken abzusichern.


© Berliner Zeitung