Rücktritt vom Rücktritt: Erfüllt sich Frederik Rönnow noch einen Lebenstraum?
In der laufenden Trainingswoche, die für den 1. FC Union Berlin am Dienstag mit einer öffentlichen Einheit begonnen hat, muss Trainer Steffen Baumgart auf acht Spieler verzichten, die mit ihren Nationalmannschaften auf Reisen sind. András Schäfer (Ungarn), Derrick Köhn (Ghana), Rani Khedira (Tunesien), Tom Rothe, Aljoscha Kemlein (beide Deutschland U21), Livan Burcu (Türkei U21) und Dmytro Bogdanov (Ukraine U19) waren schon länger Bestandteil ihrer Teams oder wurden gerade erstmals berufen. Frederik Rönnow, der im dänischen Kader steht, hatte das Thema Nationalmannschaft dagegen schon abgehakt.
In den bevorstehenden Play-offs zur diesjährigen Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada geht es für die Dänen am Donnerstag (20.45 Uhr) zunächst in Kopenhagen gegen Nordmazedonien. Gewinnt die Mannschaft von Trainer Brian Riemer dieses Aufeinandertreffen kommt es fünf Tage später zum ultimativen Showdown in Tschechien oder Irland. Nur, wenn Dänemark beide Partien für sich entscheidet, wartet im Sommer die siebte WM-Teilnahme.
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Völlig überraschend soll dabei auch Rönnow eine Rolle spielen. Im November 2024 hatte er via Instagram sein persönliches Ende im Nationalteam verkündet. „Nach langer Überlegung habe ich mich entschieden, die dänische Nationalmannschaft zu verlassen. Ich habe es immer genossen, Teil der Nationalmannschaft zu sein und war sehr stolz darauf, mein Land zu vertreten, und ich bin stolz auf die Erfolge, die wir gemeinsam erreicht haben“, schrieb der Torhüter, der in all den Jahren nie einen Weg vorbei an Stammkeeper Kasper Schmeichel gefunden hatte.
Rönnow erklärte später, er wolle mehr Zeit mit seiner Familie genießen. Ständig sei er auf Reisen gewesen, mit dem 1. FC Union Berlin oder eben mit der Nationalelf, für die er insgesamt nur zehn Länderspiele absolviert hatte – in acht Jahren.
Außer Rönnow hat kein Keeper im Kader Länderspielerfahrung
Nun aber hat sich eine neue Situation ergeben. Schmeichel, inzwischen 39 Jahre alt und bei Celtic Glasgow auch längst nicht mehr in der besten Form seiner Karriere, hat sich im Februar schwer an der Schulter verletzt und fällt für die anstehenden Spiele aus. Erster Vertreter ist Mads Hermansen, der in der Premier League für West Ham United spielt, dort allerdings lange auf der Bank saß und für die Nationalmannschaft noch nie ein Spiel bestritten hat. Gleiches gilt für Andreas Jungdal, der sein Geld in Belgien beim KVC Westerlo verdient, auf höchstem internationalen Niveau aber keine Erfahrung vorweisen kann.
Rönnow hat sich also zum Rücktritt vom Rücktritt bereiterklärt, um nach all den Jahren als Nummer zwei, nur als guter Geist auf der Ersatzbank, endlich zu zeigen, dass er sein Land in den ganz großen Spielen vertreten kann. Ganz sicher hat er dabei auch die Weltmeisterschaft im Kopf. Bei den Turnieren 2018 in Russland und 2022 in Katar stand er zwar im Aufgebot, musste von draußen aber mit ansehen, wie seine Teamkollegen erst im Achtelfinale aus dem Turnier flogen, vier Jahre später sogar schon nach der Vorrunde die Koffer packen mussten. Überhaupt hat Dänemark es erst einmal ins Viertelfinale geschafft, 1998 in Frankreich.
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Seine Rückkehr nach Berlin, bestenfalls erst Mitte nächster Woche, könnte also triumphal werden. Mit einer WM-Teilnahme als Nummer eins könnte er eine Saison krönen, die für die Köpenicker höchstwahrscheinlich mit dem Klassenerhalt endet und in der er sich trotz mehrerer kleinerer Wackler wieder einmal als großer Rückhalt erwiesen hat.
