Kanzler im Kampfmodus
Die Woche ist fast vorbei, Friedrich Merz hat vor Unternehmern geredet und seine Kanzlerschaft in mehreren Fernsehinterviews verteidigt, er hat das Digitalministerium besucht und mit den CDU-Ministerpräsidenten beim Kaminabend vor dem Bundesrat beraten, jetzt will er noch ein bisschen den nächsten Koalitionsausschuss vorbereiten, am Abend ist er mit seiner Frau zum Essen verabredet – da steht ihm auf einmal Bruce Darnell im Weg.
Der hochgewachsene Amerikaner trägt einen eleganten, tiefschwarzen Anzug, er plaudert im Foyer des Reichstags mit Julia Klöckner, der Bundestagspräsidentin, jüngere Passanten zücken ihre Smartphones, und man tut Friedrich Merz wohl nicht unrecht, wenn man festhält, dass er erst nach einem kleinen Hinweis Klöckners weiß, mit wem er es da zu tun hat. Der Kanzler kommt aus dem Plenarsaal, eine namentliche Abstimmung zu einem Antrag der Grünen, Klöckner stellt ihm Darnell vor. Als Juror und Laufstegcoach bei der Heidi-Klum-Show „Germany's Next Topmodel“ hat der es zu deutscher Fernsehberühmtheit gebracht.
Darnell hat Sätze geprägt wie „Die Handtasche muss lebendig sein“, nun plaudert er mit dem Kanzler. „Wir sind doch viel netter, als man draußen glaubt“, sagt Merz. Die beiden kommen aufs Alter zu sprechen. Darnell, Klöckner mag es kaum glauben, wird bald 70, der Kanzler ist es schon. „Welcher Jahrgang sind Sie?“, fragt Merz, 1957, sagt der Mann aus dem Fernsehen. Merz winkt ab, der Siebzigste, da gebe es doch bitte schön nichts zu fürchten. „Ich kann Ihnen versichern: Es tut nicht weh.“
Merz kennt das schlechte Image seiner Regierung natürlich, auch seine persönlichen Umfragewerte können ihn kaum freuen
Es ist einer der wenigen leichten Momente in der Kanzlerwoche, in der seine Regierung ihren ersten Geburtstag feierte, umtost von zumeist negativen Medienberichten. Durch Berlin wabern seit Wochen Geschichten, wonach sich die Koalitionäre bei einem Arbeitswochenende in der Villa Borsig im Norden Berlins so richtig verkracht hätten. In gleich mehreren Umfragen droht die AfD der Union inzwischen zu enteilen, und eine Dynamik hin zu mehr Reformen will auch nicht aufkommen, auch deswegen, weil der Koalitionspartner, die SPD, angesichts schmerzender Wahlniederlagen hin- und hergerissen ist, wieweit sie Merz entgegenkommen kann. Von der Außenpolitik, von Trump, von Putin, war da noch gar nicht die Rede.
Merz kennt das schlechte Image seiner Regierung natürlich, auch seine persönlichen Umfragewerte können ihn kaum freuen. Man will wissen, wie er seine Regierung da herausführen will, wie er wieder in die Offensive kommen will. Was also ist Ihr Plan, Herr Merz?
Freitagvormittag, kurz nach 10.30 Uhr im siebten Stock des Kanzleramtes, also gut drei Stunden vor seiner........
